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Überzeugungsarbeit: BMW-Mitarbeiter Thiemo Schalk im Dialog mit einer Anwohnerin. Foto: Matthias Berger
Carsharing

Auftakt zur Mobilitäts-Studie in Eimsbüttel

Mit einer Auftaktveranstaltung am Stellinger Weg haben die Verkehrsbehörde und Projektpartner BMW den Startschuss für die Mobilitäts-Studie in Eimsbüttel gegeben. Ziel ist es, möglichst viele Eimsbütteler zum Verzicht auf das eigene Auto zu bewegen. Das stößt auf Skepsis.

Von Matthias Berger

Mit Hilfe der Mobilitäts-Studie wollen die Hamburger Verkehrsbehörde und der Automobilkonzern sogenannte „First Mover“ identifizieren. Gemeint sind Menschen, die kurz davor stehen, auf ein eigenes Auto zu verzichten.“Wir suchen Personen, die ihr Auto nur nutzen, um einmal in der Woche Oma Erna in Stade zu besuchen oder Wasserkisten zu transportieren“, nennt Sebastian Troch von der Verkehrsbehörde Beispiele.

Durch die Befragung soll ermittelt werden, was fehlt, um den Verzicht auf das Auto in die Tat umzusetzen. In Workshops erarbeiten die Teilnehmer der Studie ab Januar gemeinsam mit den Projektentwicklern, wie das öffentliche Mobilitäts-Angebot auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden kann. Die Umsetzung ist ab Frühsommer 2017 geplant.

Hintergrund des Pilotprojektes ist die wachsende Bevölkerung und der Anstieg der zugelassenen Fahrzeuge in Hamburg. Vor allem in den Projektgebieten Ottensen und Eimsbüttel ist die Einwohnerdichte extrem hoch – und der Parkdruck entsprechend groß. Deshalb will die Stadt Anreize schaffen, auf das eigene Auto zu verzichten und dadurch öffentliche Fläche zurückgewinnen.

Freie Flächen für Carsharing oder Lastenfahrräder

Wie die dann frei gewordene Fläche genutzt wird, ist nach Angaben der Stadt völlig offen. Denkbar seien zum Beispiel exklusive Parkplätze für Carsharing-Fahrzeuge, weitere Stadtradstationen oder Stellplätze für Lastenfahrräder. Allerdings äußerten bei der Auftaktveranstaltung am Stellinger Weg einige Bürger Skepsis, dass das Ergebnis der Studie tatsächlich offen ist – zumal mit BMW ein Partner im Boot sitzt, der mit DriveNow eine eigene Carsharing-Flotte besitzt.

„Ich fürchte, dass durch die Studie Fakten geschaffen werden“, sagt Silke Porschien, die in der Nähe der Osterstraße wohnt, und sich für die Befragung angemeldet hat. „Ich finde es toll, dass man über Mobilität nachdenkt und versucht, die Lebensqualität zu steigern und den Verkehr zu mindern. Aber ich will, dass dabei alle Seiten beleuchtet werden. Nicht, dass es irgendwann heißt: Wer in Eimsbüttel wohnt, der braucht gar kein eigenes Auto.“ Porschien arbeitet im Außendienst und muss regelmäßig nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen pendeln.

Die Stadt werde niemanden dazu zwingen, auf das eigene Auto zu verzichten, betont Staatsrat Andreas Rieckhof. „Wenn die Bürger das Angebot nicht haben wollen, machen wir es auch nicht. Aber das glaube ich nicht.“ Auch Baudezernent Kay Gätgens vom Bezirksamt Eimsbüttel ist optimistisch. „Ich glaube, dass das der richtige Weg ist. Der Druck hier im Kerngebiet ist groß. Wir müssen alternative Angebote prüfen.“

Kampf gegen „Münchener Verhältnisse“ hat Vorrang

Rieckhof wehrt sich zudem gegen die Kritik eines Bürgers, die Stadt habe durch die Reduzierung der Parkplatzquote bei Neubauten die Parksituation weiter verschärft. „Der Senat hat richtigerweise entschieden, die Parkplatzquote zu reduzieren, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Wenn Bauherren so viele Parkplätze vorhalten müssen, wird der Neubau teurer. Und das wirkt sich auf die Mietpreise aus. Die Wohnungsknappheit und die hohen Mietpreise sind das dringendere Problem. Sonst haben wir in Hamburg irgendwann Münchener Verhältnisse.“

Auch die Vorbehalte gegenüber einer Beteiligung von BMW an einem öffentlichen Verkehrsprojekt versucht Rieckhof zu entkräften. Falls öffentliche Parkflächen in exklusive Carsharing-Stellplätze umgewandelt würden, seien diese selbstverständlich anbieterübergreifend. Soll heißen: Auch Car2go- oder Cambio-Nutzer könnten dort parken.

Warum sich der Automobilkonzern an dem Projekt beteiligt, erklärt Thiemo Schalk, bei BMW für den Geschäftsbereich “Urbane Mobilität” zuständig: „Das Carsharing wird für die Menschen attraktiver, wenn das Mobilitäts-Angebot insgesamt attraktiver wird. Deshalb wollen wir mit der Studie erstmals nicht nur in Erfahrung bringen, wie sich die Menschen im Alltag fortbewegen, sondern auch warum. Wir wollen die Psychologie hinter der Mobilität erkennen.“

Bis jetzt haben sich rund 100 Freiwillige für eine Teilnahme an der Studie gemeldet. Wer an der Befragung teilnehmen will, kann sich per E-Mail anmelden: mobil@steg-hamburg.de.

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