Bärlauch – das starke Kraut
Bärlauch – das ist sozusagen das Germany´s Next Topmodel unter den Wildkräutern. Absolut angesagt und in diesem Jahr besonders früh auf den Märkten zu entdecken. Seit einiger Zeit erlebt das Lauchgewächs bei uns sogar eine echte Renaissance.
Von Rebecca WulfDa er verwandt ist mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch, hat er einen unverwechselbaren Geruch und Geschmack nach Knoblauch, jedoch feiner und frischer. Daher wird der in Wäldern vorkommene Bärlauch auch Knoblauchspinat, wilder Knoblauch, Waldknoblauch, Hexenzwiebel, Zigeunerlauch, Ramsen oder Waldherre genannt. Oder einfach „Knoblauch des Waldes“, klingt doch poetischer, oder?
Wer also mit Knoblauch und Co nichts anfangen kann, braucht hier gar nicht erst weiter zu lesen – Bärlauch ist vielleicht nicht jedermanns Sache, Geschmacksache eben…
Für diejenigen aber, die Lust auf das Besondere haben, womöglich der Sammelleidenschaft verfallen sind und nicht erst auf die herbstliche Pilzsaison warten möchten, denen sei dieses Waldkraut ans Herz gelegt. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man weiß, wo man suchen muss. Und das ist gar nicht so einfach. Uns Eimsbüttelern bleiben ja eigentlich nur die zahlreichen Märkte und gut sortierten Gemüseläden zur Auswahl, aber ich kenne eine Frau, die hat ihre kleine Bärlauchecke mitten in Eimsbüttel. Sie war sogar so nett, mir etwas von ihrem kostbaren Schatz anzubieten. Da hatte ich mich aber schon reichlich eingedeckt mit einem großen Strauß.
Ich kenne Menschen, die haben ihre ganz speziellen Bärlauchstellen im Wald vor den Toren Hamburgs, aber die verraten sie natürlich nicht, wenn sie schlau sind. Kann ich verstehen, das ist wie mit den geheimen Pilzstellen, die behält man ja auch lieber für sich.
Verwechselungsgefahr
Nun ist es aber so – und das muss hier nochmal ernsthaft erwähnt werden, dass der gute Bärlauch sehr leicht verwechselt werden kann mit drei ebenfalls im Frühjahr austreibenden anderen Wildpflanzen. Und das sind die Maiglöckchen, die Herbstzeitlosen und die besonders gemein, „ungefleckten“ Blätter des Gefleckten Aaronstabes. Mit seinen lanzettenartigen Blättern erinnert er vor allem an die Blätter von Maiglöckchen, im Wald muss man daher besonders darauf achten, sie nicht zu verwechseln. Diese drei Pflanzen sind äußerst giftig!!!
Wer also unsicher ist beim Bärlauchpflücken, der sollte unbedingt den Riechtest machen und sich die Blätter genau angucken: weiche Blätter, die Blattunterseite ist matt, starker Knoblauchduft und er wächst typischerweise im Wald, wo es schön feucht ist (etwa in der Nähe eines Baches).
Aber wie gesagt – mittlerweile bekommt man das Bärenkraut auf jedem Markt und in einigen guten Läden, es lohnt sich, wenigsten einmal in der Saison zu diesem äußerst schmackhaften Gemüse zu greifen. Gesund ist es allemal, besonders hilft das Wunderkraut bei Magen und Darmproblemen; es entgiftet und ist blutreinigend. Woher die Namensbeziehung zum Bären kommt, ist übrigens unbekannt, aber eines ist gewiss – die vielen guten Eigenschaften machen ihn zu dem, was es ist. Kräftig und gesund!
Und wem dies alles zu aufwändig ist, der findet Bärlauch mittlerweile in etlichen Käsesorten, in guten Pestos, in Bärlauchbutter oder in Ravioli in gut sortierten Feinkostgeschäften, man kann ihn aber auch wunderbar verarbeiten zu einer Quiche, in Nudelteig, in Rösti oder natürlich auch im klassischen Quark mit Pellkartoffeln.
Eimsbütteler Greun Soos
Und was bringt uns den Frühling mehr auf den Tisch als eine frische Kräutersoße mit neuen Kartoffeln. Und da Ostern vor der Tür steht, habe ich mich für eine norddeutsche Variante der Grünen Soße (ihr Hesse hört jetzt mal geflissentlich wech…), der Frankfotter Gri soß, wie sie im Frankfurter Raum genannt wird, entschieden – eine Eimsbütteler Greun Soos mit Eiern.
Schließlich haben wir den Sportverein Grün-Weiß Eimsbüttel hier bei uns, da dürfen wir das… und das Schöne ist, man braucht keine sieben Kräuter, wie in der hessischen Version vorgesehen, der Bärlauch färbt die Soße wunderbar grün – und ganz ehrlich! Ein anderes Kraut hätte auch keinerlei Chance, geschmacklich durchzudringen. Bärlauch ist einzigartig und Bärlauch schmeckt einfach – bärenstark!

Zutaten für 2 Personen:
3 – 4 hartgekochte Eier
100 g Creme Fraiche
4 EL Mayonnaise
4 EL Buttermilch
2 Tl Senf
1/2 Bio-Zitrone
1 Pr. Zucker
1 kleine Gewürzgurke
1 El Kapern
Salz und Pfeffer
1 Bund Bärlauch
Zubereitung:
- Die Eier gute 10 Minuten im Wasser kochen, kalt abschrecken, auskühlen lassen und pellen.
- In der Zwischenzeit die Gewürzgurke kleinschneiden, die Kapern grob hacken
- Die übrigen Zutaten verrühren, etwas Zitronenabrieb und etwas Saft dazugeben.
- Den Bärlauch hacken, die Eier im Eierschneider einmal längs und einmal quer durchdrücken und alles in der Soße gut verrühren. Das Eigelb sollte sich mit der Soße verbinden.
- Herzhaft mit Salz und Pfeffer abschmecken
Ein Tipp von mir –Dazu passen neue Pellkartoffeln mit Schale und ein – Äppelwoi natürlich! Nein, eine leckere Apfelsaftschorle tut’s auch, schließlich habe wir ganz in der Nähe das Alte Land mit seinen alten Apfelsorten, da können wir schon kräftig gegenhalten!
