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Bücher sind ihre Leidenschaft: Christiane Hoffmeister ist Inhaberin des Bücherecks. Foto: Lea Freist
Bücher sind ihre Leidenschaft: Christiane Hoffmeister ist Inhaberin des Bücherecks. Foto: Lea Freist
Hamburger Buchhandlungspreis

Büchereck Niendorf Nord: Ein Begegnungsort

Am 3. September wird zum zweiten Mal der Hamburger Buchhandlungspreis verliehen. Aus dem Bezirk Eimsbüttel sind vier Buchhandlungen nominiert. Eine davon ist das Büchereck Niendorf Nord. Die Inhaberin Christiane Hoffmeister hat die lange Nacht der Literatur ins Leben gerufen und schon früh auf Online-Handel gesetzt.

Von Lea Z. Freist

Aus ihrem Germanistik-Studium sei nicht so richtig was geworden. Viel lieber habe Christiane Hoffmeister nebenbei in der Buchhandlung ihrer Mutter gejobbt. Dass sie wenig später mit nur 22 Jahren das Büchereck selbst übernehmen würde, hätte sie sich damals nicht erträumt.

„Aber angestellt bei den Eltern zu sein, ist auf Dauer nicht das Gelbe vom Ei“, sagt die heute 50-Jährige. Mittlerweile kann sie sich nichts anderes mehr vorstellen: „Das war wie ein Sechser im Lotto“, erzählt Hoffmeister.

Zwei Mal ist das Büchereck in Niendorf Nord umgezogen, einmal nur gegenüber auf die andere Straßenseite. Dem Viertel ist es treu geblieben. Seit 2001 sitzt die Buchhandlung in der Passage am Brunnen in Niendorf Nord. Der Stadtteil hat mit Leerstand zu kämpfen. Es gibt ein paar Supermärkte, einen Imbiss und die überdachte Passage in der Nähe des Bahnhofs. Der etwas triste Ort lädt nicht zum Einkaufsbummel ein.

Stellenwert im Stadtteil

Ohne das Büchereck würde etwas fehlen, vor allem der kulturelle Austausch: Die Buchhandlung von Hoffmeister ist seit 28 Jahren eine Institution im Stadtteil. „Niendorf Nord ist nicht der Nabel der Welt“, sagt die gelernte Buchhändlerin, „deswegen kommen vor allem Stammkunden zu uns.“ Menschen, die hier wohnten. In den letzten Jahren nimmt sie einen Generationenwandel wahr, immer mehr junge Familien und Jugendliche würden Bücher kaufen.

Das Büchereck ist eine klassische Stadtteil-Buchhandlung mit einem breiten Sortiment. Für jeden sei etwas dabei. „Eine Fachbuchhandlung würde am Rande eines Stadtteils nicht überleben“, meint Hoffmeister.

"Ab in den Urlaub": Der Auszubildende Nico Wendt ist für die kreativen Schaufensterdekorationen bekannt. Foto: Lea Freist
„Ab in den Urlaub“: Der Auszubildende Nico Wendt ist für die kreativen Schaufensterdekorationen bekannt. Foto: Lea Freist

Buchhandlung als Begegnungsstätte

Und das Büchereck behauptet sich. Hoffmeister lockt mit Veranstaltungen und Lesungen. Überhaupt ist sie sehr engagiert. Es gab eine Benefizlesung für Flüchtlinge, einen Spendenlauf und zusammen mit Stephanie Krawehl vom Lesesaal in der Lappenbergsallee hat sie einen literarischen Diskussionsabend veranstaltet. Zwei jugendliche Afghanen, ein junger kurdischer Syrer, ein erwachsener Syrer und zwei Hamburger Schriftstellerinnen führten ein Gespräch über Literatur und was Literatur in der heutigen Zeit bewegen kann – und vielleicht auch muss. Das Projekt nennt sich “Wir machen das” und kommt ursprünglich aus Berlin.

Die Buchhandlung soll eine Begegnungsstätte sein – das ist Hoffmeister ganz wichtig. Auch an diesem Vormittag kommt ein Bote vorbei, der gespendete Bücher abholt.

2014 rief Hoffmeister die Lange Nacht der Literatur zusammen mit dem Literaturhaus Hamburg ins Leben. Dieses Jahr liest bei ihr der Autor Saša Stanišić, ein aus Bosnien und Herzegowina stammender deutschsprachiger Schriftsteller, und später am Abend wird in der Kunsthalle der mit 10.000 Euro dotierte Buchhandlungspreis der Kulturbehörde Hamburg verliehen. Dass es so einen Preis gibt, ist laut Hoffmeister ein Zeichen für die Wichtigkeit von Literatur und Kultur in Hamburg.

E-Books ja, aber nicht auf dem Nachtisch

Rund 15.000 Bücher haben nach eigener Angabe in dem Laden in Niendorf Nord Platz. Christiane Hoffmeister wirbt in ihrem Laden auch für E-Books. Für den Urlaub seien die digitalen Bücher einfach sinnvoll. Doch auf ihrem Nachtisch müsse ein richtiges Buch liegen.

Neben einer großen Kinderabteilung, setzt Hoffmeister auf online – und das schon seit 14 Jahren. Der digitale Wandel macht besonders vor dem Buchhandel nicht halt. Christiane Hoffmeister hat schon früh mit dem Umdenken begonnen und den Online-Markt nicht allein Amazon überlassen. „Wir fangen nicht neu an, und die Online-Umsätze steigen gut“. Dennoch spürt sie, dass es im Stadtteil ein Bewusstsein dafür gibt, die letzten kleinen Geschäfte zu erhalten. „Die Kunden wollen dafür sorgen, dass der Einzelhandel hier bleibt.“

Gefragt nach ihrem Lieblingsbuch nennt sie „Der Grund“ von Anne von Canal. Die Geschichte ist fesselnd, der Leser taucht in ein Schweden der 1970er Jahre ein: Große Lektürewelt im kleinen Niendorf.

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