Olympiabewerbung: Experten diskutieren am Corvey-Gymnasium
Sollte Hamburg Ja zu einem Olympia-Sommer in der Hansestadt sagen? Oder wäre es doch zu teuer und zu umweltschädlich? Am Gymnasium Corveystraße wurde darüber debattiert.
Von Jasper KarinAm 31. Mai stimmen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamburg darüber ab, ob sich Hamburg für die Ausrichtung der Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Schülerinnen und Schüler des Corvey-Gymnasiums wollten vorab wissen: Braucht Hamburg Olympia? Dazu luden sie Experten aus der Politik, der Presse und dem Sport zu einer Podiumsdiskussion ein.
Die ehemalige Hockeyspielerin Anne Schröder, Steffen Rülke als Projektleiter der Hamburger Olympia-Bewerbung sowie Rainer Grünberg aus der Sportredaktion des Hamburger Abendblatts diskutierten mit. Auch Juliane Timmermann von der Hamburger SPD-Fraktion, Heike Sudmann von der Hamburger Linksfraktion und Eckert Maudrich von der Initiative NOlympia Hamburg waren dabei. Über folgende Themen wurde diskutiert:
Verkehr
Steffen Rülke versprach im Rahmen von Olympia einen ÖPNV-Ausbau – allem voran eine schnellere Fertigstellung der U5. Mit weiteren Zuschüssen vom Bund könnte zudem der Hauptbahnhof saniert werden. Das erarbeitete Konzept sehe eine „Olympiade der kurzen Wege“ vor, sagte Rülke. Ein Großteil aller Sportstätten soll in einem Umkreis von circa sieben Kilometern liegen.
Timmermann von der SPD konterte: „Es braucht einen ÖPNV-Ausbau unabhängig von Olympia.“ Sudmann warnte, dass die U5 bis 2036 nicht fertig werden könnte.
Nachhaltigkeit
Heike Sudmann kritisierte die hunderten Flugzeuge, die Olympia-Touristen in die Hansestadt bringen würden. „Der Emissionsausstoß ist noch gar nicht zu berechnen, deswegen hat man ihn bei den Planungen einfach weggelassen“, sagte sie. Rainer Grünberg entgegnete, dass die Olympischen Spiele sowieso ausgerichtet würden. Dann sähe er sie lieber in der Hansestadt.
Rülke hielt im Bereich Umwelt mit anderen Aspekten dagegen: Ein geplantes „grünes Band“ solle etwa mehr verbindende Grünflächen zwischen Innenstadt und Dove-Elbe schaffen.
Finanzierung
Sollten die Olympischen Spiele nach Hamburg kommen, plant die Stadt 4,8 Milliarden Euro auszugeben. Durch die Einnahmen, zum Beispiel durch Ticketverkäufe, Sponsoring und Zuschüsse vom Bund, rechne man dennoch mit einem Gewinn von hundert Millionen Euro, sagte Rülke. Das geht auch aus Berechnungen der Stadt Hamburg hervor.
„Die Olympiade schafft eine Planbarkeit“, sagt Rainer Grünberg, „sodass Projekte schneller fertig werden“. Vorausgesetzt der Bund zahle dazu.
Heike Sudmann blieb skeptisch, da der Bund noch keine klare Summe versprochen habe. „Wenn der Bund am Ende nicht zahlt, muss es Hamburg tun“, mahnte Sudmann. Außerdem zeige ein Blick zu den letzten europäischen Olympia-Ausrichtern, dass die Ausgaben in London sowie in Paris die vorherigen Prognosen überschritten hätten.
Neues Stadion?
In puncto Finanzen ging es auch um das geplante Stadion nahe des Volksparks. Grünberg betonte, dass dieses nicht nur den Olympischen Spielen, sondern danach auch dem HSV diene. Dieser bräuchte ein neues Stadion – unabhängig von Olympia. „Der Volkspark überlebt die 2040er Jahre wahrscheinlich nicht mehr.“ Im Januar gab die Stadt bekannt, dass das Stadion auch ohne Olmypia-Zuschlag gebaut werden soll.
Ein Neubau funktioniere nur mit einem Investor, merkte Maudrich von NOlympia an. Diesen zu finden, sei nicht leicht.
Wohnraum
Rülke sieht Olympia als Katalysator für neue Wohnungen. Beispielsweise sollen Bürgerinnen und Bürger nach der Olympiade in das Olympische Dorf ziehen können. Maudrich entgegnete: „Es braucht keine Olympiade, um den Wohnungsbau voranzutreiben.“
Im Gegenteil: In Ländern, die Olympia ausgerichtet haben, seien die Mietpreise eher gestiegen, führte Maudrich an. „Das Erbe von Olympia werden nicht die schillernden Sportstätten, sondern der Wohnungsmangel sein“, prophezeite Sudmann.
Sicherheit
Die Sicherheitskosten wurden bei den Berechnungen bisher ausgelassen, sagte Sudmann. Paris zahlte dafür bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr circa 1,4 Milliarden. Außerdem seien in Paris Obdachlose aus der Innenstadt ausgegrenzt worden, sagte Sudmann.
Hockeyspielerin Anne Schröder war in Paris als Athletin vor Ort. Dort sei alles friedlich gewesen, man hätte einen olympischen Geist gespürt. „Überall lagen sich Menschen in den Armen und feierten zusammen“, erzählte sie.
Gesellschaft
Rülke versprach eine Olympiade, von der alle Hamburgerinnen und Hamburger etwas haben. Dazu zählten der Ausbau des ÖPNV, das „grüne Band“ sowie mehr Wohnungen. Außerdem soll Geld in den Hamburger Amateursport fließen. Beispielsweise soll der Skatepark, der für Olympia gebaut werde, nach den Spielen in Hamburg bleiben.
Maudrich erwiderte: „Legt schonmal Geld ins Sparschwein zurück.“ Denn Olympia-Tickets seien teuer. 650 Euro zahlten Zuschauerinnen und Zuschauer durchschnittlich für ein Ticket bei der Eröffnungsfeier in Paris 2024.
So fanden es die Schüler
Für viele Jugendliche im Publikum der Diskussion ist es die erste Wahl, an der sie teilnehmen können. „Das Thema Olympia-Bewerbung findet bei uns im Unterricht kaum statt“, sagt Politik-Lehrer Andreas Fischer. Umso wichtiger sei es, sich zu informieren.
Schüler Laurent war mit der Diskussion zufrieden. „Es war erfrischend auch Gegenargumente zu hören“, findet er. Fürs Protokoll: Ginge es nach den Zuschauerinnen und Zuschauern der Podiumsdiskussion, stünde einem Olympia-Sommer in Hamburg nichts mehr im Wege. 70 Prozent der Menschen im Raum stimmten mit Ja – 30 Prozent waren dagegen.
Wie läuft die Wahl ab? Wie geht es bei einem Ja weiter? Und was würde auf Eimsbüttel zukommen? Hier sind die Fragen und Antworten zur kommenden Olympia-Wahl.
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