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Steigen die Preise für Masken weiter, müssen kreative Alternativen her. Symbolbild: cottonbro
Glosse: Zwölfter Teil

Corona-Tagebuch: Masken mit Goldrand

Martin Busche zählt mit uns allen die Tage, die uns Corona stiehlt und führt ein öffentliches Tagebuch: subjektiv, ehrlich, schonungslos. Bis Corona uns hoffentlich scheidet.

Von Martin Busche

Sonntag, 5. April

Also das mit den Masken ist ja auch so ein Thema. Erst sollten wir alle nicht. Da haben wir die Chinesen belächelt, die sowas schon seit drei oder vier Pandemien tragen oder wenn sie erkältet sind oder verschnupft oder so. Also fast immer. Dann sollten wir sie nur ein bisschen tragen, auch bei Erkältung, Husten. Sonst nicht so. Auch nicht bei Pandemien. Das war gestern. Heute, also seit ein paar Tagen, sollen wir fast immer. Im Supermarkt, beim Metzger. Selbst in die Bank darf man jetzt vermummt. Das sind Zeiten.

Den Umschwung gebracht hat Starvirologe Christian Drosten von der Charité, seitdem der die Masken empfiehlt, wollen wir auch welche. Auch weil Drosten selber welche trägt. Was ihn fundamental unterscheidet vom anderen Virologen-Fachmann dieser Welt: Donald Trump, der empfiehlt sie zwar auch, trägt sie aber nicht. 

Ich hör da lieber auf den Drosten. Und auf die Merkel, den Söder, unseren Olaf Scholz, den guten. Ich also los, Masken kaufen. 

Quadratmeterpreise für Masken

Dass ich dazu nicht einfach zu Budni laufen kann, lässig Schlange stehen, bis die Security mich reinlässt, ran ans Maskenregal oder wo die in Friedenszeiten sonst immer stehen mögen, ein paar Dutzend einsacken, wieder raus. Ach nee, vorher noch zahlen, dann erst raus. Das war mir ja klar. Aber Masken kaufen im Corona-April ist ungefähr so wie Weihnachtsbaum verleihen im Juli. Geht gar nicht.

Es gibt durchaus Masken in Hamburg, auch in Eimsbüttel, ab und zu hängen kleine Zettel im Schaufenster von Läden. Wie früher „Wohnung zu vermieten“, das ist aber lange her. Der Vergleich passt. Für Masken werden derzeit Quadratmeterpreise erhoben. 12,50 Euro. Nicht für das Dutzend. Pro Stück und das nur heute, säuselt der Verkäufer. Der Vorrat sei leer, die nächste Fuhre noch teurer. Wenn sie denn überhaupt käme.

Ich war platt, sprachlos. Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen, wollte alles wissen: Ob das gute Stück CE-zertifiziert ist. Das Zeug zwischen dem hochwertigen, dicken Baumwollgewebe zum Filtern von Mikroben oder Gegenständen aus der Maske, Aktivkohle-Material ist oder doch nicht. Mich zweilagig oder gar dreilagig schützt. Solche Sachen halt.

Am vierzehnten Tag der Ausgangssperre, die Kontaktverbot heißt, weil sich das besser anhört, sind wir ja alle ein klein bisschen virologifiziert, Experten für unsichtbares Getier. Der Verkäufer nicht, der hat wahrscheinlich im Erstberuf Halsabschneider gelernt und doof gucken. Nur echt mit Dollaraugen im Blick. Dafür ohne Humor. Meine harmlose Nachfrage, ob er auch Masken ohne Goldrand habe, die einfachen halt, für ein paar Cent, fand er gar nicht witzig. Brummte nur, er müsse noch andere Kunden bedienen. Na dann viel Glück.

“In ihrem Land kann es zu Lieferengpässen kommen”

Von wegen “Support your local Dealer”, zumindest beim Thema Masken war mein Vertrauen in dieses Mitglied des Hamburger Einzelhandels grundlegend erschüttert. Ich also rein ins Internet. Das hätte ich nicht tun sollen. Gegen das Netz war der Mann mit den Dollaraugen noch seriös. Der hatte wenigstens welche, wenn auch die mit Goldrand. Nehm ich mal an, ich hab sie ja nicht gesehen. Im Netz sind sie zwar billiger, deutlich sogar. 20 Euro, ab 20 Stück Mindestabnahme. Insgesamt, nicht einzeln. Dafür kommen sie aber erst übermorgen an, oder überübermorgen oder noch später oder gar nicht.

“In ihrem Land kann es zu Lieferengpässen kommen”, heißt es im Ganzkleingedruckten. Dafür soll man aber pünktlich bezahlen. Am besten jetzt. Als ob die Ware dann schneller als gar nicht kommt. Das Netz ist echt nichts für Doofe. “Wir priorisieren im Moment Artikel, die Kunden am dringendsten benötigen”, schreibt Amazon dick auf seine Seite mit den Masken. Dadurch könnte es zu Lieferverzögerungen kommen. Hä? Muss ich das jetzt verstehen? Ich such doch schon nach derzeit echter Bückware, wie man im Osten so sagt? Masken sind doch schon Prio 1. Suche ich vielleicht nach Margarine?

Auch das Angebot selber ist mindestens zwei Blicke wert. Sonst greift man schnell daneben. Macht zwar nichts, weil das Teil ja sowieso nicht kommt. Ist dann trotzdem aber doppelt doof. So scheint mir auch ohne Drosten-Expertise die Atemschutzmaske NASUM, Modell “Schutz Halbmaske mit Schutzbrille für Farbspritz, Staub, Schutz Geruchsminderung für Sprüh-, Sanierungs-, Lackier- und Schleifarbeiten” nicht das passende Modell zu sein. Obwohl es genauso angepriesen wird. Ich habe nicht im Baumarktbedarf geschnüffelt.

Für die aktuelle Problemlage könnte sie aber etwas verstörend wirken, wenn ich damit Nudeln und Klopapier einkaufen will oder gar jogge.

Das Konkurrenzprodukt Fisherman mit dem lustigen Hütchen und der hippen Plastikwand drumherum punktet zwar im Bereich Schutz, dafür nur wenig in der Optik. Was sie übrigens mit der NASUM verbindet. Überzeugend sind beide nicht.

Vielleicht hätte ich doch das Goldstück aus dem lokalen Einzelhandel nehmen sollen. Da bezahle ich mich doof, aber das sieht wenigstens keine; außerdem mach ich mich nicht lächerlich. Das beste daran: Sie kommt just in time. Ich kann sie gleich mitnehmen.


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