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Büttners größte Sorge sind die Quallen auf offener See. Foto: Michael Schulte
Büttners größte Sorge sind die Quallen auf offener See. Foto: Michael Schulte

Das Ärmelkanal-Projekt

Wer einen anderen Menschen fragt, was er so in seiner Freizeit tut, der erwartet vielerlei Dinge. Dass der Gegenüber den Ärmelkanal durchschwimmen will, wohl eher weniger. Jörg Büttner (47), geboren in Berlin, mittlerweile in Eimsbüttel lebend, hat sich genau das vorgenommen.

Von Steffen Vogler
Jörg Büttner will als erster Hamburger den Ärmelkanal durchschwimmen. Foto: Ada von der Decken
Jörg Büttner will als erster Hamburger den Ärmelkanal durchschwimmen. Foto: Ada von der Decken

Der Ärmelkanal liegt zwischen Großbritannien im Norden und Frankreich im Süden. Der Kanal verbindet den Atlantik mit der Nordsee, an der schmalsten Stelle ist er rund 33 Kilometer breit. Genau hier versuchen die tollkühnen Kanalschwimmer den Meeresarm zu bewältigen. Zur besseren Vorstellung: Im gemütlichen Schwimmbad mit 25 Meter-Bahn um die Ecke müsste man für diese Strecke rund 1320 Bahnen ziehen.

Die Strömung und die Kälte

Jörg Büttner bereitet sich allerdings darauf vor, mehr als 33 Kilometer zu schwimmen: Im Kanal ist der Schwimmer oftmals starken Strömungen ausgesetzt, die einen Kurs gemäß der Luftlinie unmöglich machen. Eine weitere Herausforderung ist die Wassertemperatur im Ärmelkanal, welche auch im Sommer kaum über 17 Grad hinaus steigt. „Und wir schwimmen da ohne Neoprenanzug.“ Achso. Nur jeder Fünfte, der sich auf den Weg macht, schafft die strapaziöse Reise. Insgesamt haben das erst rund 1400 Schwimmer geschafft. Wer das weiß, fragt sich wahrscheinlich, warum stellt sich ein Mensch diesem Wagnis?

Laufen als Ausgleich

Wer Jörg Büttner trifft, begegnet einem gelassen wirkenden Mann. Auf den ersten Blick würde man ihn nicht unbedingt für jemanden halten, der mehr als 33 Kilometer durch offenes Meerwasser schwimmen will. Doch ein Blick in seine Vergangenheit hilft: In der neunten Klasse fing er erstmals mit dem Laufen an, „als Ausgleich zur Lernerei für die Schule“. Recht schnell entwickelte sich der Laufsport zu einer echten Herzensangelegenheit. Vor Beginn des Sportstudiums wurden Halb- und Marathon absolviert, auf der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig wendete er sich dann dem Triathlon zu.

„Triathlon, das fand ich cool, da wollt‘ ich mitmachen!“

Büttners größte Sorge sind die Quallen auf offener See. Foto: Michael Schulte
Büttners größte Sorge sind die Quallen auf offener See. Foto: Michael Schulte

Im Jahr 1993 konnte auf der Liste der erledigten Sportevents auch der Iron Man abgehakt werden. Schon damals galt: „Am Ende sind diese Wettkämpfe nur das Einsammeln dessen, was man sich im Training erarbeitet hat.“ Und trainiert hat er für den Iron Man sehr viel, rund 30 Stunden die Woche, aufgeteilt auf Schwimmen, Rad fahren und Laufen.

Zehn Jahre Sportpause und neue Inspiration

Von 1996 bis 2006 war dann, im Vergleich zum vorherigen Pensum, Sportpause angesagt. Mit einem Umzug nach Hamburg kam der Sport Stück für Stück in sein Leben zurück. 2007 sorgte schließlich ein deutscher Sportstar für neue Euphorie: „Dann ist der Henry Maske wieder in den Ring gestiegen, und der ist noch ein bisschen älter als ich. Da dachte ich mir, wenn der das nochmal kann, kann ich das auch.“

Verschiedene Events, den Ärmelkanal im Kopf

Das Comeback glückte, die Ausdauer spielte weiterhin mit. Unter anderem fuhr Jörg Büttner 2009 in 19 Stunden und 38 Minuten 508 Kilometer Fahrrad, von Leipzig bis zur Ostsee. Eine Woche später sah er eine Dokumentation über das Ärmelkanalschwimmen im Fernsehen – und von da an war es „im Kopf drin.“ Allerdings fehlte noch ein wenig die Gewissheit, dem Abenteuer gewachsen zu sein.

„Mir fiel nichts anderes mehr ein.“

2012 war es dann aber schließlich soweit: Der Ärmelkanal wurde, auch aus Mangel an alternativen Herausforderungen, als Ziel auserkoren. Der Plan sieht mittlerweile vor, im September 2014 mit einer Staffel den Kanal zu queren, um es dann im Sommer 2015 alleine zu versuchen. Jörg Büttner wäre, wenn sein Unterfangen erfolgreich verläuft, der erste Hamburger, der den Ärmelkanal durchschwimmt.

Jede Menge Arbeit

Etliche Stunden Bahnen ziehen gehört zum Training. Foto: privat
Etliche Stunden Bahnen ziehen gehört zum Training. Foto: privat

Bis es soweit ist, wartet auf ihn noch jede Menge Arbeit. In erster Linie natürlich das Schwimmtraining, aber auch organisatorisch und finanziell ist es ein schwieriges Unterfangen. Allein das benötigte Eskort-Boot mit erfahrenem und lizenziertem Kapitän kostet rund 3600 Euro. Addiert man alle Kosten, von der Vorbereitung bis zum Boot, zusammen, kommt man gut und gerne auf mehr als 15.000 Euro. Deswegen ist Jörg Büttner auch weiterhin auf der Suche nach Unterstützern und Sponsoren.

„Die Quallen sind mein größtes Problem.“

Ganz andere Gefahren lauern dann, wenn der Schwimmer erstmal unterwegs ist. Um die rund 500 Schiffe, die den Kanal tagtäglich durchfahren, kümmert sich noch der Kapitän des Eskort-Bootes. Die meisten anderen Probleme hat allerdings der Schwimmer im Wasser. Jörg Büttners Liste der Angstmacher hat eine eigentümliche Rangfolge: Die Strecke kommt erst an vierter Stelle, ganz oben stehen die glibberigen Tiere, die einem oftmals in Meerwasser begegnen: Quallen. Dazwischen rangieren die Kälte und die Seekrankheit, welche durch den Wellengang hervorgerufen werden kann.

Training, Training, Training

Im Gegensatz zu den meisten anderen Herausforderungen, kann man den Umgang mit Quallen auch nicht wirklich gut trainieren. „Mit geschlossenen Augen zu schwimmen ist auch blöd“ und sei daher keine Alternative. Alles andere kann man sich erarbeiten: Gegen den Respekt vor der Strecke und der Kälte hilft das intensive Training. 20 Kilometer ist Jörg Büttner im Oktober 2013 schon einmal am Stück geschwommen: in 8 Stunden und 30 Minuten. Das war allerdings in einer Schwimmhalle, also ohne Wellengang und mit höherer Wassertemperatur.

„Meine Tochter kommt zuerst.“

Neben der Arbeit und dem Vorhaben Ärmelkanal hat Jörg Büttner eine Tochter, welche er bei aller Trainingseuphorie stets an erste Stelle stellt. Regelmäßig reist er zur holländischen Grenze, um Zeit mit ihr zu verbringen. Ein Hinweis darauf, dass der Extremsportler doch ein recht bodenständiger Mann ist.

Eine Sache des Kopfes

Steffen Vogler traf den Extremsportler zum Interview. Foto: Ada von der Decken
Steffen Vogler traf den Extremsportler zum Interview. Foto: Ada von der Decken

Jörg Büttner betont mehrmals, dass alles reine Kopfsache sei. Das ganze Training helfe, an sich selbst und die Möglichkeit des Erfolges zu glauben. Am Ende, stundenlang im Wasser, muss man mit sich selbst im Reinen sein. Der Weg ist weit und das Ziel eine wahrhaftig gewaltige Herausforderung. Es gab immerhin mehr Gipfelbesteigungen des Mount Everest, als erfolgreiche Ärmelkanaldurchquerungen.

Das große Abenteuer

Wenn Sie also das nächste Mal im Schwimmbad ihre Bahnen ziehen, achten Sie doch mal genau auf andere Besucher. Wenn da jemand stundenlang umherschwimmt, während sie ein paar Bahnen ziehen, dann das Blubbern im Whirlpool genießen und vielleicht noch einen Kaffee im Bistro trinken, um anschließend nochmal ein paar Bahnen zu schwimmen, ist es vielleicht Jörg Büttner, welcher sich auf ein großes Abenteuer vorbereitet.

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