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Die Damen warten
"Die Damen warten", von Sibylle Berg, Hamburger Kammerspiele, (stehend v.l.n.r.) Julia Jäger, Hildegard Schroedter, Nina Petri, Marion Martienzen, (sitzend) Kai Hufnagel, Foto: Christine Klein

Ein Wellnesstag der anderen Art

Autorin Sibylle Berg ist bekannt für ihre bitterbösen Gesellschaftssartiren. Ihr neues Stück „Die Damen warten“ hat am Sonntag Premiere in den Hamburger Kammerspielen gefeiert. Mit viel Sarkasmus und schwarzem Humor.

Von Tanja Schreiner
Frau Grau hatte sich von dem Wellnesstag mehr versprochen. Foto: Christine Klein
Frau Grau hatte sich von dem Wellnesstag mehr versprochen. Foto: Christine Klein

Ein dunkler Raum, getäfelt mit schwarzem Marmor. Eine große, kurzhaarige Frau in Bademantel tritt langsam in den Raum. Frau Grau – Pathologin, kinderlos, überzeugter Single – stellt sich vor. Einen Mann braucht sie nicht. Nähe gibt ihr schließlich auch ihr Massagestuhl. Eine zweite Frau stolpert hinein. Frau Töss: Immobilienmaklerin, platinblonde Locken, knallroter Lippenstift. Geliebte eines dieser Männer, „so ein Heinz“, die ihre Frau sowieso nicht verlassen werden. Es folgen zwei weitere Damen. Frau Luhmann, Beamtin und alleinerziehende Mutter eines 20-jährigen Taugenichts, der den ganzen Tag nur vor dem Computer hockt und Pornofilme schaut. Und schließlich die naive Hausfrau und Mutter Frau Merz-Dulschmann, die sich bereits damit abgefunden hat, dass ihr Mann es mit der Treue nicht mehr so genau nimmt.

Prosecco und Lästereien

Maniküre, Pediküre, Fitness, Botox. Das Rundumprogramm. Einen Tag lang dürfen sich die vier Frauen über vierzig kostenlos verwöhnen lassen. Für ihr Wohl sorgt Hair- and Make-up-Artist Horst. Er ist ein Frauenversteher, spezialisiert auf die Sorgen von Frauen in den Wechseljahren. Horst versorgt die Damen mit Prosecco, trällert schiefe Liebeslieder und hört sich verständnisvoll die Problemchen der Damen an.

Der Wellnesstag fängt entspannt an. Foto: Christine Klein
Der Wellnesstag fängt entspannt an. Foto: Christine Klein

Wie sie von Männern immer nur aufs Äußere reduziert werden, ihre sexuelle Attraktivität schwindet und sie ständig hinter ihren nichtsnutzigen Söhnen hinterherräumen müssen. So verschieden die Lebensentwürfe der vier Damen sind, desto kollektiver sind ihre Probleme und ihre Meinungen über die Männerwelt: „Die Männer können es immer noch nicht verkraften, dass sie neben unserer Harnöffnung auf die Welt gekommen sind“, wiederholen sie immer wieder.

Schlagabtausch zwischen den Geschlechtern

Was als entspannter Wohlfühltag beginnt, entwickelt sich schnell zu einem scharfen Schlagabtausch zwischen den Geschlechtern. Plötzlich ist Frauenversteher Horst nicht mehr ganz so verständnisvoll. Genervt vom ständigen Gejammer und den Klagen über die Männer wirft er den Frauen schließlich vor, sie seien alle „unterfickt“ und prahlt mit Zitaten wie „Feminismus existiert nur, damit auch hässliche Frauen in die Gesellschaft integriert werden“ (Charles Bukowski). Witzig und bitterböse ist „Die Damen warten“ – so wie man es von Autorin Sibylle Berg gewohnt ist. Auch wenn einige Szenen von Klischees überladen sind, findet sich sicher so mancher Zuschauer in den Streitereien zwischen den Geschlechtern wieder. Bei der Auswahl der Darsteller hat Regisseur und Grimme-Preisträger Kai Wessel einen Erfolg gelandet. Sehr glaubwürdig kommen der schmierige Stylist und die verschiedenen Frauencharaktere rüber.

Mit der entspannten Stimmung ist es vorbei. Foto: Christine Klein
Mit der entspannten Stimmung ist es vorbei. Foto: Christine Klein

Die Rache der Frauen

Einen Höhepunkt erreicht das Stück, als die Damen langsam darauf kommen, dass sich hinter dem Wellnesstag etwas ganz anderes verbirgt. Nach einiger Folter gibt Horst schließlich den furchtbaren Plan zu: Weltweit sollen „unbrauchbare Frauen“ ab 40 in eine unterirdische Oase gesteckt werden, damit mehr Platz für junge, starke Männer bleibt. Doch das lassen die Damen nicht auf sich sitzen und beschließen Rache an dem Stylisten zu nehmen. Aus dem Publikum kommen erschreckte Aufrufe. Musikalisch klingt das Stück aus – mit leicht irritiertem und verhaltenem Beifall. Den Zuschauern scheint der Schreck noch in den Gliedern zu sitzen.

Die Hamburger Kammerspiele zeigen das Stück „Die Damen warten“ noch bis zum 2. März 2014. Mehr Infos hier… Weitere Fotos des Stücks von unserer Fotografin Christine Klein gibt es hier…

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