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Entenalarm vor der kleinen Konditorei

Nicht nur Menschen wissen, dass es bei der kleinen Konditorei in der Lutterothstraße frische Brötchen gibt. Auch zwei Enten kommen jeden Tag vorbei. Kaum jemand kann widerstehen, die zutraulichen Tiere zu füttern.

Von Maria Kirady
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Schon bevor die ersten Kunden kommen, sind die Enten da. Foto: Maria Kirady

Wenn Sahil (17) am Sonntagmorgen um sieben Uhr in der Lutterothstraße seinen Zeitungsstand aufbaut, sitzen die beiden schon erwartungsvoll vor der „kleinen Konditorei“: Zwei Enten, die wissen, dass es hier etwas zu fressen gibt. Jeden Tag watschelt das Pärchen vom Weiher zur Lutterothstraße, um ein Stück Brot abzustauben.

Die Kunden sind entzückt. „Die Leute schießen Fotos und füttern die Enten“, erzählt Sahil. Wenn sich eine Schlange aus Wartenden vor der Bäckerei staut, sind die Enten das Gesprächsthema unter den Eimsbüttelern, die hier ihre Sonntagsbrötchen holen.

Nikolaus (31) erzählt, die Tiere seien vor ein paar Jahren schon einmal hier gewesen. Nachdem es in der Bäckerei zweimal hintereinander gebrannt hatte, blieben auch die Vögel fern. Jetzt sind sie wieder da.

Die Enten holen sich, was liegen bleibt

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Wenn die zutraulichen Tiere so nahe kommen, fällt es Vielen schwer, hart zu bleiben. Foto: Maria Kirady.

Vor dem Geschäft sitzen Menschen an kleinen Tischen, trinken Kaffee in der Sonne und essen süße Teilchen. Die Enten stellen sich direkt vor die Gäste. Meist traut sich die Ente vor, der Erpel trottet ihr hinterher. Das Weibchen quakt fordernd und reckt seinen Hals nach den Speisen. Fällt mal ein Krümel – ob versehendlich oder gewollt – herunter, verschwindet er sofort im Entenschnabel. „Meine Freundin findet es blöd, die Enten zu füttern. Aber wenn sie nicht hinschaut, schmeiße ich doch manchmal was hin“, sagt Nikolaus und lacht. Kaum ein Eimsbütteler kann den niedlichen Tieren widerstehen, deshalb kommen sie immer wieder. Inzwischen sind sie ganz ohne Scheu.

„Es hat sich noch niemand über die Enten beschwert. Vor allem die Kinder freuen sich immer total“, erzählt Sabine Padilla (55), die in der „kleinen Konditorei“ arbeitet. Im Gegensatz zu Tauben seien die Wasservögel gern gesehen. „Manchmal fragen mich die Leute ‚gehören die zu Ihnen? Nehmen Sie die abends mit rein?’“, scherzt Padilla. Als Angestellte darf sie selbst die Tiere jedoch nicht füttern.

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Die Vögel sind willkommenes Gesprächsthema für die Wartenden in der Schlange der Bäckerei. Foto: Maria Kirady

Gewässer kippen um

„Nein, um Gottes Willen“, ist Stephan Schneiders spontane Antwort, wenn er gefragt wird, ob man Enten überhaupt Brot geben sollte. Als Zuständiger für Wasserwirtschaft im Bezirksamt Eimsbüttel warnt er, dass Enten im Stadtteil überversorgt seien. Wie bei der Taubenfütterung (über die wir bereits berichteten) bestehe die Gefahr, dass Ratten sich die Reste holten. Besonders fatal ist es, Enten direkt am Wasser im Eimsbütteler Park zu füttern. Ein Teil des Brotes sinkt auf den Teichgrund ab und vergammelt dort. Bakterien zersetzen es und entziehen dabei dem Wasser Sauerstoff, auf den Fische angewiesen sind. Der Entenkot wirkt zusätzlich wie Dünger auf die Algen, die sich dadurch vermehren und ebenfalls Sauerstoff verbrauchen. Die Folge: Das Gewässer kippt um, die Fische sterben. Dabei finden Enten gerade in nährstoffreichen Teichen eigentlich genug Pflanzen und Insekten, um satt zu werden.

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Die Enten schreiten ihr Revier ab und machen auch vor der Straße nicht halt. Foto: Maria Kirady

Menschen überfüttern die Tiere

„Wenn ein Vater mit seinem Kind am Weiher steht und es hat eine Scheibe Toast in der Hand, sagen wir ja gar nichts“, erklärt Schneider, „schließlich soll das Kind auch mal eine Ente aus der Nähe sehen können.“ Aber manche Leute verfütterten gleich ganze Eimer voller Brot. „Dann kommen plötzlich Enten aus der ganzen Stadt hierher, die sind ja nicht blöd“, sagt Schneider.

Die Enten von der „kleinen Konditorei“ waren immerhin so klug, ihre Futterquelle ganz für sich zu behalten. Die Straße zwischen dem „Café Deike“, der „kleinen Konditorei“ und dem „Eiscafé Elena“ ist allein ihr Revier. Nach Feierabend warten die Vögel manchmal noch, bis das Licht in der Bäckerei erlischt, Frau Padilla den Laden abschließt und nach Hause geht. „Dann kommen die Enten noch ein Stück mit, weil sie denken, ich hätte vielleicht ein Brötchen in der Tasche,“ erzählt Padilla.

Update: Die Enten haben sich seit einiger Zeit nicht mehr bei der „kleinen Konditorei“ blicken lassen. Haben sie sich eine andere Bäckerei gesucht? Haben sie das Interesse an Brötchen verloren? Oder hatten sie gar eine Überdosis Kuchen? Vielleicht war Ihnen das Wetter der letzten Wochen auch einfach zu schlecht für ihre täglichen Ausflüge zum Bäcker. Hat jemand unsere Enten gesehen? Sachdienliche Hinweise an info@eimsbuetteler-nachrichten.de 

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