For girls only!
Kummerkasten, Hausaufgabenhilfe, Sportkurse. Das Mädchenzentrum Eimsbüttel bietet einen Raum, in dem Mädchen ganz unter sich sein können. Jungs müssen draußen bleiben.
Von Tanja SchreinerDie 13-jährige Josi füllt gerade ihre Wasserflasche auf – kurze Trinkpause beim Hip-Hop Kurs. Mit einer Freundin war sie vor zwei Jahren in der Bücherhalle im Hamburg-Haus Eimsbüttel und ist dabei zufällig auf das Mädchenzentrum gestoßen. Seitdem kommt sie regelmäßig zum Tanzkurs oder einfach mal so, um ihre Schularbeiten in der Hausaufgabenbetreuung zu machen, erzählt die Schülerin. Sie ist gerne hier, jedes Mal trifft sie nette Leute, mit denen sie sich schnell anfreunden kann.
Immer ein offenes Ohr
„Die Atmosphäre ist wunderschön, sehr freundschaftlich“, findet auch Leiterin Liliana Jacques. Ihr ist besonders wichtig, dass die Mädchen Freude im Zentrum haben.
Deshalb dürfen sie das Programm auch selbst mitbestimmen: Tanzkurse, Selbstverteidigung, Videoprojekte. Die Betreuerinnen sind für alles offen. Täglich kommen Mädchen verschiedenen Alters, von neun bis Mitte zwanzig. Nur Jungen ist der Zutritt verboten. „Uns ist es wichtig, dass die Mädchen sich anders erfahren. Ohne Jungen trauen sie sich viel mehr zu“, erklärt Liliana Jacques. „Bei Sorgen kann man mit jedem sprechen. Viele Mädchen kennen das gar nicht, zu Hause so über ihre Gedanken sprechen zu können.“
Erste Berufserfahrungen im Mädchencafé
„Schreibst du mir ein Empfehlungsschreiben?“ fällt Ruth gleich mit der Tür ins Haus. „Ich will mich für ein Stipendium bewerben“ erklärt sie Liliana Jacques mit einem fröhlichen Lächeln. Die beiden Frauen kennen sich seit über zehn Jahren. Ihre ganze Schulzeit lang haben die Betreuerinnen Ruth unterstützt, bei Hausaufgaben geholfen und Bewerbungsschreiben verbessert. Im Café der Einrichtung hat sie ihre erste Berufserfahrung gesammelt. Heute studiert die junge Mutter Medizin am UKE und kommt immer noch gerne in das Zentrum. „Das Mädchenzentrum ist eine tolle Einrichtung“, findet Ruth. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern ihnen vielleicht nicht bei Hausaufgaben und Bewerbungen helfen können, ist das Mädchenzentrum eine tolle Chance. „Fast schade, dass es nur für Mädchen ist“, sagt sie lachend. Sonst könnte ihr kleiner Sohn bald auch hierher kommen.
Mädchen und junge Frauen fördern

Vergangenen Oktober hat das Mädchenzentrum im Hamburg-Haus seinen 20. Geburtstag gefeiert. Entstanden ist der Treffpunkt während der Frauenbewegungen in den 90er Jahren. Davor gab es nur „Häuser der Jugend“, die überwiegend von Jungen genutzt wurden und nur gelegentlich reine Mädchentage anboten, erklärt Liliana Jacques. Engagierte Frauen gründeten daraufhin das Zentrum, welches das einzige seiner Art in Eimsbüttel ist. Besonders wichtig ist den Betreuerinnen, den Mädchen zu zeigen, dass sie alles schaffen können, sagt die Leiterin.
Kampf mit Etatkürzungen
Das Mädchenzentrum verdient mehr finanzielle Unterstützung, findet Ruth. Seit einigen Jahren muss die von der Stadt geförderte Einrichtung mit Etatkürzungen kämpfen. Frei werdende Stellen werden nicht neu besetzt, berichtet Liliana Jacques, und so sind von Anfangs fünf Stellen mittlerweile nur noch zwei übrig. Auch wenn sie keinesfalls daran denke aufzuhören, fühle sie sich durch die Kürzungen schon etwas unter Druck gesetzt, sagt sie. Würde sie ihre Stelle aufgeben, müsste das Mädchenzentrum wohl mit einer einzigen Betreuerin auskommen.

