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Susanne Kazemieh gründete 1989 die Frauenfinanzgruppe. Foto: Monika Dzialas
Magazin #14

Wie können Frauen finanziell unabhängig werden? – Teil 1

Emanzipation und Gleichberechtigung bedeuten auch finanzielle Unabhängigkeit. Doch es gibt wenige Angebote, die sich konkret an Frauen richten. Die Gründerin der Frauenfinanzgruppe über Gleichberechtigung in finanziellen Fragen und den Wunsch, Frauen bei ihrer Finanzplanung seriös zu beraten.

Von Monika Dzialas

Das 20. Jahrhundert ist schon lange vorbei, und dennoch wird über Geld nur ungern gesprochen. Gerade Frauen, die häufig für die Erziehung ihrer Kinder im Beruf zurücktreten und immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, verdrängen gerne den Gedanken an die finanzielle Vorsorge. Komfortabler ist es, sich auf den Partner oder Versicherungsmakler zu verlassen und Erspartes in vermeintlich sichere Hände zu geben. Viel zu oft fehlt das nötige Wissen über den korrekten Umgang und die klügste Absicherung. Die Unabhängigkeit der Frau bleibt dabei auf der Strecke.

Die Frauenfinanzgruppe

Susanne Kazemieh, studierte Sonderpädagogin und Gründerin der Frauenfinanzgruppe, wollte diese Naivität und Unwissenheit nicht auf sich sitzen lassen. Nach ihrem ersten Kontakt mit einem Versicherungsvertreter Ende der 1980er Jahre, bei dem sie selbst „von nichts eine Ahnung und ein komisches Gefühl hatte“, setzte sie sich mit dem Anlegen und Vorsorgen intensiv auseinander.

Als dann eine befreundete Hebamme mit der Änderung des Hebammengesetzes an sie herantrat und sie die neu eingeführte Versicherungspflicht für freiberufliche Hebammen erklären sollte, entschloss sie sich, eine unabhängige Anlaufstelle für Frauen zu gründen. Schnell folgten Interviews und der erste Ratgeber für Frauen. Die Nachfrage war groß und so zogen Kazemieh und ihr Team 2001 in die ehemalige Haspa-Filiale in der Grindelallee. Seither betreut das 13-köpfige Team seine Kundinnen in den weitläufigen und hellen Räumlichkeiten zwischen der Uni und dem Bezirksamt Eimsbüttel.

Seit der Geburtsstunde der Frauenfinanzgruppe sind dreißig Jahre vergangen. Trotzdem werden Probleme an Kazemieh herangetragen, die noch aus dem vergangenen Jahrhundert stammen könnten. Neben dem Anlegen von Erbschaften oder einer Altersvorsorge kommen auch immer wieder Eheverträge und Scheidungen auf den Tisch. Kann sich eine Frau die Scheidung von ihrem Mann finanziell überhaupt erlauben, ohne danach ihr Leben komplett neu gestalten zu müssen?

In der Romantikfalle

Da stellt sich die Frage, wie emanzipiert die Frauen von heute tatsächlich sind und wie viel Aufklärung es noch bedarf, damit dem Partner bei finanziellen Entscheidungen nicht blind vertraut wird. Kazemieh kritisiert, dass sich Frauen noch immer Hals über Kopf in eine Ehe stürzen und dabei die finanzielle Aushandlung völlig außer Acht lassen: Und schon ist frau hinein getappt – in die sogenannte „Romantikfalle“, erzählt Kazemieh. Um diese zu umgehen, sei es wichtig, die romantischen Gefühle füreinander von den eigenen Vorkehrungen und Absicherungen für die Zukunft rational zu trennen.

Während die Großmütter, die selbst in der Nachkriegszeit groß geworden sind, ihre Enkelinnen ermahnten, das Thema Geld lieber gar nicht erst anzusprechen, um den Liebsten nicht zu verärgern, sollte es heutzutage zum guten Ton einer funktionierenden Beziehung gehören. Doch um diese Grundlage zu schaffen, muss die Angst vor dem Blick in die Zukunft überwunden werden. Wenn unter Eheleuten beispielsweise eine ausgleichende Zahlung für die Frau, die sich um die Erziehung des Kindes kümmert, zur Sprache komme, stehe auch eine mögliche Scheidung im Raum, bemerkt Kazemieh. Zwar teile sich das Paar das Einkommen, dennoch muss der Fall einer Trennung einkalkuliert werden, da sonst die Frau durch ihre verkürzte oder unterbrochene Berufstätigkeit weniger bis kein Geld in die Rentenkasse eingezahlt habe und nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen könne.

Verdrängungsmechanismen in Sachen finanzielle Unabhängigkeit

Ein weiteres Anliegen Kazemiehs sei es, die Frauen für den Umgang mit ihrem Vermögen zu sensibilisieren und sie auf anstehende Entscheidungen vorzubereiten. Dabei wolle die Finanzmaklerin aber lediglich beratend zur Seite stehen und ruft zeitgleich zur selbstständigen Informationsbeschaffung auf. Zudem wolle sie auf die Tricks der Versicherungsbranche aufmerksam machen. Als Gefahr sieht sie die Kapitallebensversicherung, zu der Versicherungsmakler Ehepaaren auch heute noch als Altersvorsorge raten. In diesem veralteten Modell ist immer noch ausschließlich der Mann der Versicherungsnehmer und die versicherte Person. Während der Ehemann jederzeit die Modalitäten des Vertrags ändern kann, wird die Frau nur im Todesfall ihres Gatten als bezugsberechtigt einbezogen.

Damit zeigt sich, dass trotz einer zunehmenden Selbstverständlichkeit, mit der Frauen ihr eigenes Geld verwalten, noch sehr viele Verdrängungsmechanismen aktiv sind, die die Emanzipation der Frau in Bezug auf die finanzielle Unabhängigkeit infrage stellen und die den wenigsten Frauen überhaupt bekannt sind. Doch auch wenn Kazemieh dafür plädiert, dass Frauen ihre eigenen Verträge und die drei grundlegenden Versicherungen – Kranken-, Berufsunfähigkeits- und private Haftpflichtversicherung – abschließen sollten, so stellt sie auf der anderen Seite heraus, dass sich Frauen in wirtschaftlich schwankenden Situationen gelassener verhalten. Sie betont, dass sich weibliche Anlegerinnen durch eingehendes Informieren über das Anlegen von Aktien der wechselhaften Kurse bewusst sind und krisenhafte Zeiten ausharren, während Männer schneller aussteigen. Um nicht das Ganze aus den Augen zu verlieren, sei es darüber hinaus zu empfehlen, den Blick nicht nur auf die Kurse festzunageln.

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