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Gerold und Claudia suchen im Wald nach Hinweisen auf den nächsten Cache. Foto: Julia Haas
Gerold und Claudia sind seit 2013 Geocacher. Foto: Julia Haas
Magazin #32

Geocaching: Zwei, die suchen

Gerold und Claudia suchen, was andere verstecken. Manchmal über Tage und Wochen. Unterwegs mit zwei Geocachern.

Von Julia Haas

Manche verlieren ihre Socken in der Wasch­maschine. Andere hängen sie an Bäume. Wie sonst ist der Strumpf an den Baum gegenüber der Buchhandlung Lüders gekommen? Ein Besuch im Stellinger Wasserturm verspricht Antworten.

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Neunter Stock. Rundumblick über Hamburg, vom Michel über die Hafenkräne bis zum Volksparkstadion. Hier bleibt nichts versteckt. Und wenn doch: Claudia Walhorn und Gerold Bublitz finden es. Sie sind Geocacher.

Geocaching: Die Schnitzeljagd für Erwachsene

Nebeneinander sitzen sie am Esstisch und trinken Kaffee. Gerold in Karohemd, Wanderhose und Sandalen. Er zieht den Kopf ein oder streckt die Arme nach oben, als er vom letzten Geocaching-Ausflug erzählt. Claudia, wie Gerold in Outdoor-Kleidung, sitzt aufrecht daneben, hört zu, springt ein und führt aus. Beim Geocachen ergänzen sie sich: Sie tüftelt an verschlüsselten Koordinaten, er ­klettert durch Baumkronen.

Geocaching ist die weiterentwickelte Schnitzeljagd. Nicht für Kindergeburtstage, sondern für Erwachsene. Mit einem GPS-fähigen Gerät werden Caches gesucht. Also von Geocachern versteckte Dosen oder andere kleine Behälter mit einem Logbuch – das können lose Zettel oder kleine Notizblöcke sein, in denen sich die Finder eintragen. Caches tummeln sich auf Bäumen, tarnen sich in Höhlen, unter Wasser, an Straßen – überall, weltweit.

Die Sucht nach der Suche

Am 3. Mai 2000 wurde der erste Geocach im US-Bundes­staat Oregon versteckt. 45° 17′ 27,6″ N , 122° 24′ 48″ W lauteten die Koordinaten, die eine niemals enden ­wollende Suche in Gang setzten. Gerold und Claudia suchen seit 2013. „Während Corona hat uns das Fieber gepackt“, sagt der Stellinger und wischt mit dem Finger über das Mousepad seines Laptops, auf der Suche nach ihrer Caching-Historie. Hinter ihm eine Wand voller Bücher, der Laptop auf einer Puzzle-Verpackung.

Über 8.000 Caches haben sie bereits gefunden. Einmal zählte die Statistik 400 Tage am Stück, an denen sie mindestens ­einen Cache entdeckt haben. „Es hat Suchtcharakter“, sagt der 57-Jährige und grinst. Wie andere durch Instagram scrollen, stöbern die beiden auf Geocaching.com. Anders als soziale Netzwerke verleitet das Portal nicht zum reglosen Verharren in Online-Universen, sondern lockt vor die Haustür.

Gerold und Claudia sind seit 2013 Geocacher. Foto: Julia Haas
Gerold und Claudia sind seit 2013 Geocacher. Foto: Julia Haas

„Zu offensichtlich, um gesehen zu werden“

Mit dem Fahrstuhl geht es nach unten. In der Nähe des Stellinger Wasserturms liegt ein Cache. Claudia und Gerold stehen auf einem Weg, die Fußspitzen an den Grashalmen der knöchelhohen Wiese. Wie Läufer an der Startlinie. „Da hinten müsste er sein.“ Ein letzter Blick auf die Koordinaten am Smartphone. Der Startschuss ist gefallen.

Was macht einen guten Geocache aus?

Claudia: Er fügt sich in die Umgebung ein. Er ist zu ­offensichtlich, um gesehen zu werden. Ein Markierungsstein am Gehweg, ein Magnet am Stromhäuschen, eine Infotafel.

Was sind die Herausforderungen?

Gerold: Als Geocacher hat man drei Feinde: Brennessel, Zecken und Hundekot.

Geocaching: Rätsel und Abenteuer

Das Ehepaar läuft über die Wiese, Oberkörper nach ­vorne geneigt, Blicke auf den Boden gerichtet. Eine Geocacher-Autobahn bietet Orientierung – niedergetrampelte Pfade im Gestrüpp. Über so einen gelangen sie an eine kleine Dose mit Logbuch – den Cache. In diesem Fall ein Plastikdöschen, so groß wie ein Reagenzglas, gefüllt mit zusammenge­tackerten Blättern, auf denen die Finder ihre Namen eintragen.

Die Satteltasche am Gepäckträger, den Helm auf dem Kopf, radeln Claudia und Gerold zum nächsten Cache. Wegbeschreibungen klingen wie eine Geheimsprache. „Bei ‚Sonne zu Eis‘ rechts“ – ein bekannter Cache weist den Weg. An den Kleingärten vorbei, Geschirr klimpert auf ­einer Terrasse. Dann nur noch das Rauschen der Kollau.

Im Niendorfer Gehege versteckt sich einer der besten Caches in Hamburg, sind sich die beiden einig. Er verbindet alles, was einen guten Cache ausmacht: Rätsel, Abenteuer, neue Entdeckungen.

Claudia und Gerold sind auch mit dem Fahrrad beim Geocaching unterwegs. Foto: Julia Haas
Claudia und Gerold sind auch mit dem Fahrrad beim Geocaching unterwegs. Foto: Julia Haas

Übung macht den Meister

Als hätten sie ihren Schlüssel verloren, stapfen Gerold und Claudia durch den Wald – über Baumwurzeln und Erdhügel.

Habt ihr eine Grenze, wie lange ihr sucht?

Claudia: Bis die Motivation verschwindet. Meistens ist das nach dem dritten „Wir gehen jetzt“. Dann kommen wir wann anders wieder und suchen weiter. Entwickelt man einen Blick für versteckte Orte?

Gerold: Vor allem entwickelt man einen Blick für schlechte Tarnungen. Es gibt den Hasengrill. Das sind akkurat nebeneinander gereihte Stöckchen, unter denen sich ein Cache versteckt – sehr auffällig.

Immer auf der Suche

Neben den traditionellen Caches, die über Koordi­naten direkt zum Ziel führen, gibt es Multi-Caches, Adventure-Lab-Caches, Unknown-Caches und und und.
Ihre erste große Caching-Tour führte Gerold und Claudia von der Nordsee an die Ostsee. Von Dagebüll nach Flensburg. Über 220 Caches. Spanien, Tschechien, Iran: Wo Gerold und Claudia aufschlagen, suchen sie.

Was war bisher der beste Cache?

Gerold: Eine Sturmflut-Simulation in Hamburg. Ein ­bisschen nerdig ist das schon. Mehrere Cacher haben das zusammen auf die Beine gestellt. Wir haben uns mit ­anderen angemeldet und mussten Hamburg vor einer Sturmflut ­retten. Die Außenteams eilen zu vorgegebenen Punkten an den Außenschutzanlagen und versuchen, (virtuell) die Deiche zu sichern. Gleichzeitig lösen die anderen verschiedene Rätsel, um die Koordinaten herauszufinden. Fast wie ein Escape-Room. Aber kostenlos.

Geocaching: Nichts für Muggel

Bei den Geocachern in Hamburg kommt das an. Die Community in Hamburg, allgemein in Deutschland, sei sehr aktiv. Sobald es einen neuen Cache gibt, hat sich wenige Stunden später der erste ins Logbuch eingetragen. In ­anderen Ländern sei das entspannter, berichten die Eimsbütteler. Was aber überall gleich ist: Muggel dürfen nichts von den Caches wissen.

Muggel sind Menschen, die den Begriff „Geocaching“ vielleicht schon einmal gehört, sich aber nie damit beschäftigt haben. Bekannt wurde der Begriff durch die Harry-Potter-Romane. Er bezeichnet Nicht-Zauberer. Die Ahnungslosen, die nichts von der magischen Parallelwelt wissen.

Finden und Verstecken

Inzwischen riecht es nach Döner. Claudia und Gerold haben ihre Suche im Niendorfer Gehege beendet und sind am Tierpark Hagenbeck vorbei zum Stellinger Weg geradelt. Kurz vor dem Fanny-Mendelssohn-Platz halten sie an. Ihre Mission: einen Cache verstecken.

Menschen kommen aus der U-Bahn, verteilen sich in alle Richtungen. Gerold und Claudia stehen mittendrin – und wollen nicht gesehen werden. Schnell zieht Gerold ­eine Socke aus der Satteltasche und flitzt zum Baum gegenüber der Buchhandlung Lüders. Claudia schaut demonstrativ in eine andere Richtung. „Mal sehen, wie lange er diesmal ­hängen bleibt.“

Der Cache am Fanny-Mendelssohn-Platz blieb nicht lange versteckt. Foto: Julia Haas
Der Cache am Fanny-Mendelssohn-Platz blieb nicht lange versteckt. Foto: Julia Haas

Anmerkung: Prinzipiell verraten Geocacher keine Standorte von Caches. In diesem Fall war der Cache am Fanny-Mendelssohn-Platz aber schon vor Veröffentlichung des Artikels wieder verschwunden.


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