HEBC: Verein, Familie, Gemeinschaft
Anlässlich des Spiels des HEBC gegen den BVB erzählt eine „Vereinslegende“ von der Gemeinschaft im Verein und von einem Traum, der nach 43 Jahren in Erfüllung geht.
Von Alexis MilneDer Hamburg Eimsbütteler Ballsport Club (HEBC) tritt am 1. September im Volksparkstadion im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund an – das größte Spiel in der Vereinsgeschichte. Wir haben mit „Vereinslegende“ Ole Natusch vom HEBC über den Familientraum gesprochen, der nun endlich wahr wurde.
Kind des HEBC
„Mein Ruf als ,Vereinslegende’ ist daraus gewachsen, dass der HEBC mein Familienverein ist. Mein Opa war hier seit den 50er Jahren als Zuschauer aktiv, mein Vater war Kapitän und später Trainer der Ligamannschaft. Deshalb laufe ich hier schon seit Kindheitstagen rum und kenne die ganzen Leute. Über meine Geburt wurde im Stadionheft geschrieben.
Früher standen hier hinter dem Clubheim auf der Wiese noch Kindertore, auf die habe ich bestimmt einige tausendmal geschossen.
Der Familientraum
Irgendwann habe ich auch selbst ganz ordentlich Fußball gespielt und war auch in der Herrenmannschaft des HEBC. Da war mir immer wichtig, Leute im Verein zusammenzubringen. Also nicht nur mit der Ligamannschaft, sondern mit allen gemeinsam eine lila-weiße Identität zu entwickeln.
Mein Vater hat seit Kindheitstagen auf dem Reinmüller gespielt und war 1983 Kapitän im letzten Pokalfinale. Damals haben wir das Finale im Elfmeterschießen gegen Hummelsbüttel verloren. Ich bin mit den Geschichten von diesem verlorenen Spiel aufgewachsen. Dieser große Traum vom HEBC, mal was zu gewinnen, gehört zu meiner Familiengeschichte. Damals hat es nicht geklappt. Die Gruppe von diesem Jahr hat es geschafft, das tatsächlich wahr zu machen.
43 Jahre später schließt sich mit dem Pokal der Kreis. Das hat viele der Alteingesessenen tief berührt – mein Vater und ich standen heulend zusammen auf der Tribüne. Diese Emotionen waren immer da und verbinden uns für immer mit dem Verein.
Was bedeutet der Fußball für dich?
Fußball bedeutet für mich Gemeinschaft und Familie. Der Sport hat eine unglaubliche Kraft. Es ist leider der einzige Sport, in dem Menschen aus allen Gruppen, Nationalitäten und Schichten zusammenkommen. Neben der Schule ist er der größte Gemeinschaftsbringer. Privat baut sich durch den Verein oftmals auch der Freundeskreis auf. Man lernt viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten kennen, was super bereichernd ist.
Das Clubheim vom HEBC ist ein Schmelztiegel, in dem alle Mannschaften, alle Altersgruppen zusammenkommen. Ich war hier in meiner Zeit als Ligaspieler sehr aktiv und präsent. Wir sind nach den Spielen hiergeblieben, haben bei den anderen zugeschaut. So hat sich das Stück für Stück vermischt. Wir machen auch immer eine Abschlussreise nach Kreta. Anstatt nur für die Liga wurde das zu einem mannschaftsübergreifenden Event. Alle kommen zusammen und nicht nur die, die in der höchsten Liga spielen, haben etwas zu sagen. Wir sind alle HEBCer – und das ist das Wichtigste.
„Mission Pokalsieger“
Gemeinschaft entsteht in den Kabinen, aber auch, wenn man eine eigene Identität entwickelt als ganzer Verein. In kleinen Vereinen ist das nochmal stärker als bei großen, wo man oft nur bei der eigenen Mannschaft ist. Hier lernen sich alle schnell kennen und haben dieses gemeinsame Vereinsgefühl. Damit bedeutet so ein Erfolg auch für den gesamten Verein sehr viel. Natürlich waren jetzt die Spieler der Mannschaft die Helden der Geschichte, aber alle HEBCer fühlen sich als Gewinner. Der Pokalsieg gehört dem ganzen Verein.
Seit Jahren heißt der Mannschafts-Chat des Liga-Teams „Mission Pokalsieger“. Sie haben sich dieses große Ziel gesetzt, an die kleine Chance geglaubt und auch in den letzten Jahren immer schon große
Vereine aus dem Pokal rausgekickt – oft im Elfmeterschießen hier zu Hause auf dem Reinmüller. Egal, welche Spieler da auf der anderen Seite stehen oder wie viel Geld da drinsteckt. Die Mannschaft hat dran geglaubt, weiterkommen zu können, und zieht die Spiele dann auch durch, wenn die Chance tatsächlich da ist. Das hat sich entwickelt und letztendlich zum ganz großen Erfolg geführt.
Vor dem Spiel gegen den BVB
Ich glaube, dass Dortmund gewinnen wird. Aber für uns als Verein wird das ein Feiertag. Wir planen eine große Feier, das wird ein großes Event mit sehr vielen lila-weißen Weggefährten. Die HEBC-Spieler auf dem Platz werden auch richtig abliefern, damit habe ich aber zum Glück nichts mehr zu tun. Ich kann das von außen genießen. Hoffentlich können sie sich ein paar Torchancen rausspielen, da werden die Zuschauer schon durchdrehen.
Das Spiel ist einfach seit Wochen überall das Thema Nummer eins. Alle im Verein saugen das auf und gönnen es dem Team. Wir sind Feuer und Flamme und hoffen auf den größtmöglichen Support aus
dem Viertel.
Fußball für die Nachbarschaft
Ich hoffe, die Leute in Eimsbüttel schauen auch außerhalb dieses BVB-Spiels beim HEBC vorbei. Das würde dem Viertel, dem Verein und den Menschen guttun. Die sollen sich sonntags um 10:45 Uhr am Reinmüller begegnen, Fußball hautnah gucken, dabei schnacken und sich dem Viertel zugehörig fühlen – das ist viel besser, als Fußball nur im Fernsehen zu gucken.“
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