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Die Musiker Klan traten auf der "Deep Dive Conference" auf. Foto: Sophia Kleiner
Das Duo KLAN vor ihrem Auftritt bei der "Deep Dive Conference". Foto: Sophia Kleiner
Nachhaltigkeit

Interview mit KLAN über Nachhaltigkeit in der Musikindustrie

Die Popband KLAN ist bald mit ihrer neuen EP „Winterseite“ auf Tour. Das Besondere: Sie sind umweltfreundlich unterwegs. Wir haben sie auf der „Deep Dive Conference“ in Eimsbüttel getroffen und mit ihnen über Green Touring und die Verantwortung der Musikbranche gesprochen.

Von Sophia Kleiner
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Zwei Brüder entschließen sich 2016 dazu, gemeinsam Musik zu machen. Das Pop-Duo KLAN ist geboren. Auf der „Deep Dive Conference“ standen Michael und Stefan Heinrich letzte Woche aber nicht nur als Musiker, sondern auch als Redner zum Thema Nachhaltigkeit auf der Bühne.

EIMSBÜTTELER NACHRICHTEN: Am Freitag ist eure neue EP „Winterseite“ erschienen. Die Geschichten in euren Liedern beginnen mit dem Winter. Warum seid ihr in Winterstimmung?

Stefan: Wir merken vor allem, dass die Sonne weniger da ist.

Michael: Man ist fertig vom Nichtstun. Ich hatte wirklich einen Scheißstart ins neue Jahr, war ziemlich krank. Ich konnte nicht singen, weil ich eine Kehlkopfentzündung hatte. Dadurch habe ich mich sehr nutzlos und schlecht gefühlt. Das passiert häufig im Winter. Wir kennen beide auch Winterdepressionen.

Was weckt euch aus dem Winterschlaf?

Michael: Bei mir waren es die ersten Konzerte des Jahres: Sie haben mich wieder dazu gebracht, das Leben zu leben.

Stefan: Bei mir war es das Gleiche. Ich war im Januar schon für ein paar Tage auf Tour. Das war eine geile Zeit, weil ich rumgereist bin und trotzdem Zeit für mich hatte. Ich war sehr viel joggen und habe damit den Winter in meinem Herzen bekämpft. (lacht)

Auf der „Deep Dive Conference“ geht es um Nachhaltigkeit. Was bedeutet das für euch?

Michael: Ein Begriff wie Nachhaltigkeit stellt unser gesamtes System, wie wir leben und wie unsere Wirtschaft gebaut ist, infrage. Der Wachstumsgedanke, der im kapitalistischen System ein ganz wichtiger Bestandteil ist, kann per se nicht nachhaltig sein. Wir können nicht ewig wachsen, weil die Erde begrenzt ist. Es gibt einen bestimmten Raum und irgendwann ist der voll. Die Frage ist: Wie kann man einen Zustand etablieren, in dem wir langfristig leben können? Ohne Krisen, Krieg und krasse Rückschläge. Ohne, dass wir uns zu krass auspowern. Ich finde es spannend darüber nachzudenken.

Stefan: Für mich bedeutet nachhaltiges Leben, über das eigene Handeln und die eigene Zeit, die man auf der Welt verbringt, hinauszudenken. Ich meine damit ein sozial und ökologisch verträgliches Leben, in dem man sich als Teil einer Welt begreift, in der nach uns auch noch Menschen leben werden.

Mit der neuen EP seid ihr bald auf Tour durch ganz Deutschland. Konzerte sind extrem umweltschädlich. Verpackungsmüll, Strom für die Bühne, Reisen der Crew… Ihr sagt, ihr tourt umweltfreundlich. Wie setzt ihr das um?

Michael: Wir versuchen etwas zu verändern, das heißt aber nicht, dass wir kein CO2 ausstoßen. Aber wir haben uns viele Maßnahmen vorgenommen, um CO2 bei unseren Reisen einzusparen. Wir machen das persönlich sowieso schon viel: Fliegen nicht mit dem Flugzeug, kaufen unsere Klamotten secondhand, essen nur einmal die Woche Fleisch und haben kein Auto. Das tut als Musiker weh. Wir haben dann Green Touring gefunden und das Konzept mit unserer Bekannten Josefine Stammnitz für uns weiterentweickelt. Sie beschäftigt sich damit im Rahmen ihrer Bachelorarbeit.

Welche Maßnahmen sind das konkret?

Michael: Wir haben sechs Support-Acts, die teilweise lokal sind. Das spart ein Auto und stärkt die lokale Musikszene. Außerdem haben wir Leute, die wir mit ihrem Equipment in unserem Auto mitnehmen. Da freue ich mich drauf. Stefan hat Schiss vor dem Lagerkoller. (beide lachen)

Stefan (im Bild) und Michaels Album heißt Winterseite. Foto: Sophia Kleiner
Stefans (im Bild) und Michaels neues Halbum heißt „Winterseite“. Foto: Sophia Kleiner

Stefan: Ne, es geht darum, wenn man zwei Wochen auf Tour und sowieso immer auf engem Raum ist, steht Nachhaltigkeit im Widerspruch zum eigenen Bedürfnis nach Komfort. Ich war gerade auf einer Tour, bei der wir mit dem Nightliner gefahren sind, und jeder seinen eigenen Space hatte. Dann fühlt man sich nicht so eingeengt, wie wenn man auf einer zweiwöchigen Tour in einem Neunsitzer-Sprinter mit Equipment und Gepäck sitzt. Du denkst dir, fuck, jetzt kommen alle drei Tage neue Leute ins Auto. Davor habe ich ein bisschen Schiss. Das wird ein Experiment werden. Es braucht einen gewissen Komfort, damit die Stimmung in der Tourcrew gut bleibt. Den habe ich eingefordert.

Was bereitet euch noch Schwierigkeiten dabei, nachhaltig zu touren?

Michael: Die Kommunikation mit den Clubs ist gar nicht so einfach, weil wir mit den Clubs nur indirekt zu tun haben. Dazwischen gibt es unsere Booking-Agentur und einen lokalen Veranstalter. Was für Strom bezieht er? Nimmt er Plastikbecher? Wir haben noch nicht herausgefunden, wer dafür zuständig ist.

Deswegen haben wir einen Catering-Rider geschrieben, in dem steht, was wir wollen: Wir wollen kein Fleisch, wir wollen genau zwölf Brötchen und keine Süßigkeiten. Die Hälfte des Essens bleibt sonst immer liegen.

Außerdem verkauft ihr auf eurer Tour nur Secondhand-Merchandise. Wie kamt ihr auf die Idee?

Michael: Das kam aus dem Gedanken heraus, dass wir beide Secondhand tragen. Seit vier Jahren trage ich ausschließlich Secondhand. Da würde es keinen Sinn machen, im Beruf viele neue Shirts zu produzieren. Die Leute kaufen ein Shirt, das schon im Kreislauf ist. Und sie kommen mit dem Thema Nachhaltigkeit in Kontakt und sehen: Das macht mega viel Spaß so zu kaufen. Man kann die Lust am Kaufen auch mit Dingen befriedigen, die nicht neu produziert sind, sondern aus Kreisläufen kommen. 

Michael (Klan) trägt seit vier Jahren Secondhand-Kleidung. Foto: Sophia Kleiner
Michael trägt seit vier Jahren ausschließlich Secondhandkleidung. Foto: Sophia Kleiner

Wie funktioniert das mit den Shirts?

Michael: Erst einmal gibt es eine kleine Auflage als Experiment, weil wir das zum ersten Mal machen. Wir dachten uns: In Berlin gibt es so viel Secondhandkram, wir können dort einfach Shirts kaufen und über die Republik verteilen. Wir haben uns die ganzen einfarbigen Shirts in Secondhandläden unter den Nagel gerissen und werden sie jetzt bedrucken und besticken lassen.

Muss die Musikbranche nachhaltiger werden?

Michael: Alle Branchen müssen bei sich schauen, wo sie CO2 einsparen können. Bei der Musikbranche ist es zweierlei: Erstens muss sie bei dem, was sie selbst tut, nachhaltiger agieren. Zweitens hat sie aber auch eine gesellschaftliche Aufgabe, weil sie mitbestimmt, was die Themen sind.

Stefan: Ich würde sogar sagen, dass die Musikbranche als kreative Branche mit vielen Menschen, die eher aus einer linksgrünen Ecke kommen relativ gut dasteht. Zumindest verglichen mit anderen Industriezweigen.

Michael: Aber wo hat die Musikbranche bis jetzt CO2 eingespart?

Stefan: Das nicht, aber viel dazu angeregt.

Michael: Ok, das hat sie erreicht.

Stefan: Voll. Es gibt viele Künstler, die auf einer ähnlichen Ebene sind wie wir. Das ist ein Ding, das sich gerade bei allen einschleift. Zum Beispiel, dass man neue Shirts mit nachhaltiger Baumwolle produziert.

Michael: Es ist das Privileg von Künstlern, sich darüber Gedanken machen zu können, weil sie die Zeit dafür haben. Wir müssen mit unseren Fans darüber reden, damit wir wirklich etwas verändern können. Dafür haben wir unterschiedliche Sachen geplant. Unter anderem eine Kooperation mit Greenpeace Energy: Sie kommen mit aufs Konzert und informieren über grünen Strom.

Wenn ihr einen Song über die Zukunft unseres Planeten schreiben würdet, wie würde er klingen?

Michael: Wir haben das tatsächlich vor kurzem gemacht, auf Englisch. (lacht) Er ist sehr pathetisch geworden, aber ich finde das Konzept des Liedes spannend. Vielleicht machen wir da noch etwas daraus. Die Geschichte geht so: Ein Vater entschuldigt sich bei seinem Kind, dass er nicht die ganzen Sachen angefangen hat, die er sich vorgenommen hat. Er wollte darauf achten, wo es mit der Welt hingeht.

Ich glaube, dass dieser Punkt für ganz viele Menschen kommen wird. Dass Leute, die jetzt Kinder kriegen und sich wenig Gedanken machen, irgenwann denken: Fuck, meine Kinder müssen jetzt mit einer globalen Klimakrise zurechtkommen und ich habe nichts dafür vorbereitet.

Vielen Dank für das Gespräch!

KLAN erklären, warum Scheitern nicht schlimm ist: Seit dem 21. Februar ist ihr neues Album „Winterseite“ mit der Single „Baby Baby“ draußen.

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