Team gut, alles gut
Mit elf Jahren hat Lotte Pörksen angefangen, Fußball zu spielen. Heute ist sie die 1. Vorsitzende beim „SC Sternschanze“. Für sie bedeutet der Verein mehr als Sport.
Von Julia HaasWie eine Oase liegt der Fußballplatz des SC Sternschanze zwischen Wasserturm und Schanzenstraße. Kinder rennen über das Feld, Musik klingt aus einem Lautsprecher. Hier verwandelt sich das Szeneviertel in eine Nachbarschaft. Wenn Lotte Pörksen auf dem Platz kickt oder daneben steht, fühlt sie sich zu Hause. „Für mich ist es wie ein Schutzraum“, sagt sie. Hier spielt sie Fußball, erlebt Gemeinschaft – und bringt sich ein.
Nach dem Tod von Uwe Wetzner, der den Verein seit 2002 prägte und gestaltete, übernahm Pörksen die Rolle der 1. Vorsitzenden. Bereits zuvor hatte sie sich im Vorstand engagiert und die Frauenteams im Verein koordiniert. Dass sie jetzt als junge Frau den Verein leitet, sei nicht selbstverständlich – zumindest im Durchschnitt der Fußballvereinslandschaften. Beim SC Sternschanze spielt das keine Rolle.
Nicht alleine
Pörksen spielt Fußball, seit sie elf Jahre alt ist. Damals kickte sie beim Grün-Weiß Eimsbüttel. Warum der Fußball sie begeisterte? Weil es nicht darum geht, dass jeder sein eigenes Ding macht, sagt sie. Die Spielerinnen und Spieler müssen als Team funktionieren. Ein Einzelsport kam für sie nie infrage. Zu sehr genieße sie das Team-Gefühl – die Gemeinschaft.
Nachdem sie ein Jahr im Ausland zur Schule gegangen war, suchte sie 2016 einen neuen Verein. Beim SC Sternschanze fand sie mehr als das.
Die Eimsbüttelerin begann zunächst, in der zweiten Frauenmannschaft zu spielen. Kurz darauf übernahm sie auch das Training einer Jugendmannschaft. Bis heute steht sie dafür mehrere Stunden in der Woche auf dem Platz. Fast noch mehr Zeit verbringt sie daneben. „Wenn ich nicht zu Hause bin, wissen meine Eltern, dass sie mich hier finden.“
Zusammenhalt im Verein
Aus Mitspielerinnen und Vereinsmitgliedern sind in den letzten Jahren Freunde geworden. Sie treffen sich, um die Frauen-EM zu schauen oder den CSD zu besuchen. Die enge Verbindung hat dazu beigetragen, dass Pörksen auch nach dem Abitur in Hamburg geblieben ist. Inzwischen wohnt sie nur wenige Gehminuten vom Fußballplatz entfernt.
Einen Schutzraum bot ihr der SC Sternschanze auch während der G20-Krawalle. Während die Straßen brannten, hielten die Mitglieder des Vereins einmal mehr zusammen. Sie trafen sich im Vereinsheim, um sich auszutauschen – um nicht alleine zu sein.
Lotte Pörksen sucht Lösungen
Als Uwe Wetzner verstarb, war Pörksen bereit, Verantwortung zu übernehmen – nicht alleine, aber im Team. Viele Aufgaben hätten sie aufgeteilt, sodass niemand alleine alles stemmen muss.
Manchmal sei es dennoch schwierig, allen gerecht zu werden, sagt Pörksen. Rund 1.300 Mitglieder zählt der Verein. Noch mehr würden gerne beim SC Sternschanze spielen. Doch die Kapazitäten sind begrenzt – was den Platz und die Trainierenden angeht. „Wir versuchen, für alles Lösungen zu finden“, sagt Pörksen. Am Ende helfe vor allem Engagement, sagt sie. Zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder nicht nur zum Training bringen, sondern sich auch aktiv im Verein beteiligen.
Gegen Rechts
Der Teamgedanke zählt für Pörksen über den Verein hinaus. Vor den Bundestagswahlen entschied sich der Vorstand deswegen, ein Statement zu veröffentlichen – gegen Rechts. Mit Blick auf die zuvor verübten Anschläge in München und Aschaffenburg hieß es darin: „Diejenigen, die im Zusammenhang mit den Taten einen harten Umgang mit Geflüchteten, konsequente Abschiebungen oder gar ,Remigration’ fordern, stoßen auf unsere konsequente Ablehnung.“
Für Pörksen liegt es in der DNA des Vereins, dass jeder willkommen ist. Seit seiner Gründung habe sich der Verein als verbindendes Element gesehen – offen für alle. So war der SC Sternschanze nach eigenen Angaben auch der erste Verein, der Gastarbeitern die Möglichkeit bot, in der Schanze Fußball zu spielen.
Werte, die Pörksen wichtig sind, findet sie überall im Verein wieder. Wenn am Spielfeldrand eine homophobe, sexistische oder rassistische Parole fällt, wisse sie, dass da Leute sind, die etwas dagegen sagen. Und genau das bedeutet für sie, zu Hause zu sein.
lokal. unabhängig. unbestechlich.
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