Zu kurze Grünphase? Eltern fordern, dass sich an dieser Eimsbütteler Ampel etwas ändert
Zu kurze Ampelphasen, zu schnelle Radfahrer: Eltern kritisieren die Verkehrslage an der Fußgängerampel Gärtnerstraße/Wrangelstraße.
Von Julia HaasEin roter Teppich führt zur Gärtnerstraße, Luftballons schmücken den Gehweg. Trotz frostiger Temperaturen versammeln sich am Donnerstagmorgen Eltern und Kinder an der Ecke Gärtnerstraße/Wrangelstraße. Mit ihrer Aktion wollen sie auf die Verkehrssituation aufmerksam machen. Ihre Forderung: Die Straßenquerung, die Teil vieler Schulwege ist, soll sicherer werden.
Sobald die Fußgängerampel auf Grün springt, ziehen Gruppen mit Plakaten über die vierspurige Straße. „Länger Grün für kurze Beine“ oder „Es geht um Sekunden“ steht darauf. Hinter der Aktion steht der Elternrat der Grundschule Hoheluft. „Die Ampelphasen sind viel zu kurz“, sagt Nathalie Wulf vom Elternrat.

Ampel wieder rot, Schüler noch auf der Straße
Rund 14 Sekunden haben Fußgänger an diesem Morgen Zeit, um die Gärtnerstraße bei Grün zu queren. Für Erwachsene, die sehr zügig laufen, ist das machbar, für Grundschüler – oft in Gruppen unterwegs – jedoch nicht.
Mehrere Überquerungen vor Ort zeigen das: Als eine Schulklasse die Straße kreuzt, stehen noch Kinder auf der Fahrbahn, als die Ampel bereits wieder Rot zeigt. „Das ist kein seltener Fall“, sagt Wulf. Auf dem Weg zum Sportunterricht in die Sporthalle des Gymnasiums Hoheluft müssten Schulklassen regelmäßig hier entlang.
Der Elternrat weist außerdem darauf hin, dass es an der Ampel immer wieder zu Rotlichtverstößen durch Autofahrer komme.
„Grün nach Maß, nicht nach Norm“
Beim zuständigen Polizeikommissariat sind dazu bereits mehrere Bürgeranfragen und Hinweise eingegangen, wie Polizeisprecher Thilo Marxsen auf Anfrage mitteilte. Jedoch hätte eine polizeiliche Überprüfung von Rotlichtverstößen und Geschwindigkeitsüberschreitungen diesen Eindruck nicht bestätigt.
Auch hinsichtlich der Ampelphasen würde alles den geltenden Richtlinien entsprechen. Die Fußgängerampel Gärtnerstraße/Wrangelstraße verfüge über eine verkehrsabhängige Steuerung, die je nach tatsächlichem Verkehrsaufkommen die Freigabezeiten für die verschiedenen Verkehrsarten situativ anpasse. Insgesamt bewerte die Polizei die Querungsmöglichkeit als sicher.
Für die Eltern, deren Kinder die Gärtnerstraße täglich überqueren müssen, ist das ein schwacher Trost. Auf einem Plakat fordern sie: „Grün nach Maß, nicht nach Norm.“

Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern
Probleme sehen die Eltern nicht nur im Autoverkehr. Kritisch sei auch die Querung der auf dem Gehweg verlaufenden Radwege. Viele Radfahrer seien an der Ampel mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. „Auf die Schulkinder nehmen die meisten keine Rücksicht“, sagt Wulf.
Erschwert werde die Situation durch einen Busch, der Kindern die Sicht auf den Radweg erschwert, wenn sie vom Tauchzentrum „7oceans“ kommend die andere Straßenseite erreichen.
Eltern haben konkrete Forderungen
Um den Abschnitt sicherer zu machen, schlägt der Elternrat mehrere Maßnahmen vor: längere Grünphasen für Fußgänger sowie Warnschilder für Autofahrer, die auf querende Kinder hinweisen.
Für den Radverkehr bringen die Eltern Fahrradampeln ins Spiel, sodass Radfahrer zeitgleich mit dem Autoverkehr Rot hätten. Auch Haltebaken oder Bremsschwellen in beide Richtungen könnten das Tempo reduzieren. Zusätzlich sei eine bessere Einsicht der Fußgänger auf die Radwege wichtig.
„Uns ist klar, dass die Gärtnerstraße keine Tempo-30-Zone wird. Aber es gibt andere Wege, für mehr Sicherheit zu sorgen“, sagt Wulf. Wichtig sei, dass gehandelt werde, bevor den Schulkindern etwas passiere. Erst im November vergangenen Jahres wurde im betroffenen Bereich eine Fußgängerin angefahren.
Unfallhäufung?
Nach Angaben der Polizei wurden vom 1. Januar 2022 bis zum 30. November 2025 34 Verkehrsunfälle an der betroffenen Kreuzung Gärtnerstraße/Wrangelstraße registriert. Insgesamt gab es zehn Unfälle mit Personenschaden: 17 Menschen wurden verletzt. Bei zwei Unfällen seien Fußgänger involviert gewesen: Einmal kam es zur Kollision mit einem Radfahrer, ein anderes Mal fuhr ein Lkw zwei Fußgänger an.
In zwei Fällen kam es zu Unfällen mit Radfahrern, da Autofahrer das Rotlicht missachteten.
Einen Schulwegunfall habe es bisher nicht gegeben.
Bezirkspolitiker bestätigen Probleme
Am Morgen waren auch Bezirkspolitiker vor Ort, unter anderem von den Grünen, der Linken und der CDU. Marvin Brinkmann von der Eimsbütteler Linksfraktion sagte im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten, ihm sei die Problemlage bekannt. Auch an Bushaltestellen in der Umgebung komme es immer wieder zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern. Hier sei es jedoch besonders dramatisch, da mit Grundschulkindern die schwächsten Verkehrsteilnehmenden betroffen seien.
Er sagt, Radwege müssten auf die Straße, wo jetzt Autos parken und fahren, gelegt und von diesen baulich abgesetzt werden – also vom Fuß- und Radverkehr abgetrennte Radwege.
Gibt es Anträge in der Bezirksversammlung dazu?
Dies sei jedoch schwierig umsetzbar, da es sich um eine Bundesstraße handle, für die der Bezirk keine Zuständigkeit habe. Zudem regt er an, zu überprüfen, inwiefern Erkenntnisse aus der Untersuchung für mehr Sicherheit im sogenannten Schulcluster auch auf diesen Kreuzungsbereich zutreffen, und dahingehend individuelle Lösungen zu erarbeiten.
Von Vertretern der Grünen hieß es, Rüttellinien auf den Radwegen könnten dazu beitragen, dass Radfahrer vor dem Ampelbereich die Geschwindigkeit reduzieren. Am Kaiser-Friedrich-Ufer gibt es solche bereits auf den Radwegen.
In der Bezirksversammlung Eimsbüttel gibt es bisher keinen Antrag, der sich mit der Ecke Gärtnerstraße/Wrangelstraße beschäftigt. Die CDU-Fraktion hat aber angekündigt, im nächsten Kerngebietsausschuss einen Antrag dazu einbringen zu wollen.
Update vom 20. Februar 2026, 16:02 Uhr: Der Artikel wurde um die Angaben der CDU ergänzt.
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