Gemeinsam statt einsam: Hamburger Weihnachtszauber für Senioren
Ein Nachmittag voller Wärme und Herzlichkeit: Beim Weihnachtszauber im Grand Elysée feierten 330 Seniorinnen und Senioren gemeinsam Weihnachten.
Von Ella SchinkelDer große Festsaal des Grand Elysée Hotels in Rotherbaum ist festlich geschmückt. An langen Tafeln sitzen 330 Seniorinnen und Senioren. Sie lachen, essen und feiern gemeinsam beim dritten Hamburger Weihnachtszauber.
Weihnachtszauber gegen die Einsamkeit
Der Weihnachtszauber ist ein gemeinsames Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und der Hildegard- und Horst-Röder-Stiftung. „Wir möchten Menschen zusammenbringen und gemeinsam Wärme erzeugen“, sagt Markus Schreiber, Landesvorsitzender des ASB Hamburg, in seiner Ansprache am Mittwoch. Ziel der Veranstaltung sei es, ältere Menschen aus der Einsamkeit zu holen.
Dafür verschickten die Organisatoren in diesem Jahr über 300 Einladungen. Die Kontakte stammen überwiegend aus Pflegeeinrichtungen und sozialen Hilfsstellen wie der Farmsener Tafel. Einige Plätze wurden zusätzlich über das Hamburger Abendblatt verlost.
Sprechen, lachen, Kontakte knüpfen
Damit der Abend für alle gut verläuft, wurde er vorab sorgfältig organisiert. Zwischen den Rentnerinnen und Rentnern sitzen ausgebildete Pflegekräfte, die ansprechbar sind und unterstützen, wenn es nötig ist. Auch die Sitzordnung ist bewusst gewählt: Die Gäste sitzen nach Stadtteilen zusammen, um Gespräche zu erleichtern und neue Kontakte zu ermöglichen.
Dass solche Begegnungen über den Abend hinaus wirken können, hat sich bereits gezeigt. Beim ersten Weihnachtszauber vor drei Jahren entstand an einem Tisch der Wunsch nach einem regelmäßigen Wiedersehen. Daraus entwickelte sich das Schnattercafé in Bergedorf. Seitdem treffen sich die Teilnehmenden dort einmal im Monat zum Kaffeetrinken. Ehrenamtliche holen sie dafür von zu Hause ab, damit auch körperliche Einschränkungen kein Hindernis sind.
Warme Worte beim Weihnachtszauber
Eine, die diese Entwicklung besonders freut, ist Veronika Ranisch. Sie ist an diesem Abend ebenfalls dabei. Früher arbeitete sie beim ASB, unter anderem in der Sozialstation am Langenfelder Damm in Stellingen. Zum Weihnachtszauber wurde sie bereits zum dritten Mal eingeladen. Die persönliche und wertschätzende Atmosphäre mache den Tag für sie jedes Jahr zu etwas ganz Besonderem.
Den Gästen wird diese Wertschätzung durch viele kleine Gesten entgegengebracht. So liegt vor jedem der 330 Plätze eine persönlich geschriebene Weihnachtskarte. „Im Trubel der Feiertage fühlen wir die Stille manchmal doppelt so schwer. Ich bin in Gedanken bei Ihnen“, steht auf einer. Eine Geste, die Veronika berührt. Sie habe alle Karten aus den letzten Jahren aufbewahrt, erzählt sie, und lese sie auch außerhalb der Weihnachtszeit immer wieder.
Ergänzt wird der Weihnachtszauber durch ein buntes Bühnenprogramm. Neben einigen Reden tritt ein Kinderchor auf, die Weihnachtsgeschichte wird vorgelesen, ein älterer Herr trägt das Gedicht „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss vor. Wenn wieder eine neue Person die Bühne betritt, wird der Festsaal ganz still, viele hören aufmerksam zu. „Toll, dass sich die Menschen hier auf die Bühne trauen“, sagt Veronika.
Festliches Weihnachtsmenü
Auf dem Programm steht außerdem ein festliches Drei-Gänge-Menü. Es gibt Gänsekeule, Rotkohl und Kartoffeln, zum Nachtisch Crème brûlée. Für viele der Gäste sei ein solches Essen nicht selbstverständlich, sagt Veronika. Finanzielle Sorgen und Einsamkeit gingen oft Hand in Hand, etwa wenn Kinder beruflich stark eingespannt seien, um die schlechten Renten ihrer Eltern aufzubessern, Ehepartner versterben oder schlicht kein Kontakt zur eigenen Familie bestehe.
Für einige sei dieser Abend das einzige Weihnachtsfest. „Man sieht hier viele glückliche Augen.“
Zu den Gästen gehört auch Ursula. Die 85-Jährige blickt schmunzelnd auf ihre Gänsekeule. „Ich muss mich zusammenreißen, sie nicht mit der Hand zu essen“, sagt sie lachend. Aufgewachsen sei sie auf dem Dorf, dort habe man früher beim Weihnachtsessen weniger auf Etikette geachtet.
Künstlerischer Weihnachtsschmuck
Besonders gern erinnere sich Ursula an eine Tradition aus ihrer Kindheit: Ihre Familie habe früher jedes Jahr den Weihnachtsbaumschmuck selbst gemacht. „In der DDR gab es keine Christbaumkugeln“, erzählt sie. Stattdessen habe ihre Familie Pfeffernüsse gebacken, sie aufgefädelt und an den Baum gehängt.
An diesem Abend muss niemand selbst backen. Jeder Gast bekommt eine Weihnachtskugel mit nach Hause. Künstlerin Jeannine Platz bemalt jede einzelne vor Ort mit der Hand. „Weihnachtszauber 2025“ schreibt sie in schwungvoller Schrift darauf.
Manche Gäste wünschen sich von ihr eine persönliche Widmung, oft für verstorbene Ehepartner. Das mache sie jedes Jahr, sagt Platz. „Was gibt es Schöneres, als Menschen glücklich zu machen?“

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