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Peter Tschentscher stellte im ETV-Gebäude an der Bundesstraße das Hamburger Olympia-Konzept vor. Foto: Julia Haas
Peter Tschentscher stellte im ETV-Gebäude an der Bundesstraße das Hamburger Olympia-Konzept vor. Foto: Julia Haas
Olympia-Konzept

Olympia: Tschentscher stößt in Eimsbüttel auf Fragen

Peter Tschentscher ist nach Eimsbüttel gekommen, um für sein Olympia-Konzept zu werben. Seine Kritiker warteten bereits vor der Tür.

Von Julia Haas

Olympia – ja oder nein? Darüber soll Hamburg am 31. Mai entscheiden. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher setzt bis dahin auf Überzeugungsarbeit. Am Dienstagabend ist er nach Eimsbüttel gekommen und hat beim ETV in öffentlicher Runde sein Olympia-Konzept vorgestellt.

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Olympia-Bewerbung

Am 31. Mai ist Stichtag – dann wird per Referendum entschieden, ob sich Hamburg für die Olympischen Spiele und die Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. 

Neben Hamburg gibt es noch Olympia-Initiativen in München, Berlin und dem Gebiet Rhein-Ruhr.

Dabei wurde klar: Tschentscher scheint sicher, dass Hamburg von den Olympischen Spielen nur profitieren könne. Sie würden Rückenwind verleihen – etwa beim Bau der U5 oder bei einer Neugestaltung des Hauptbahnhofs. Von seinen Plänen überzeugt erschienen am Ende aber nicht alle.

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„Nolympia“ hält am Eingang dagegen

17:50 Uhr, Bundesstraße 96, vor dem Eingang des ETV-Gebäudes: Zwei Männer halten ein weißes Tuch in die Luft – es ist kein Friedensangebot, sondern ein klares Zeichen: Wir wollen in Hamburg keine Olympischen Spiele. „NOlympia“ ist auf dem Banner zu lesen. Wer zur Tür geht, bekommt einen Flyer in die Hand. Viele bedanken sich, manche bleiben für ein kurzes Gespräch stehen.

Vor dem ETV-Gebäude stehen Vertreter von "Nolympia". Foto: Julia Haas
Vor dem ETV-Gebäude gibt es einen Banner von „Nolympia“. Foto: Julia Haas

„Die Parole, dass Olympia für alle sei, ist eine Farce“, sagt einer der Plakat-Träger. Er spricht von korrupten Machenschaften und hohen Kosten. Mit ehrenamtlichem Engagement halte die Initiative „Nolympia“ dagegen. Mit Blick auf das ETV-Gebäude sagt er, der Breitensport werde von Olympia nichts haben.

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Breitensport: Das sagt „Nolympia“

In puncto Breitensport erklärt die Initiative „Nolympia Hamburg“ auf ihrer Webseite: Studien hätten gezeigt, dass es nach den Spielen in Sydney (2000), Athen (2004) und London (2012) keinen positiven Effekt auf den Breitensport gegeben habe. „In Frankreich wurde versprochen, bis 2030 die Förderung des Breitensports beizubehalten“, schreibt die Initiative. Schon in 2026 sei der Haushalt um 41 Prozent gegenüber 2024 geschrumpft.

Drinnen im Publikum würden mehrere seiner Mitstreiter sitzen. Er selbst wolle an der Veranstaltung nicht teilnehmen. „Ich kann mir die Märchen nicht mehr anhören“, sagt er.

Was bedeutet Olympia für den ETV?

17:55 Uhr, Veranstaltungssaal des ETV-Gebäudes: An der Seitenwand und hinten stehen Menschen. Die Stühle im Saal sind besetzt. Mit zwei Ausnahmen: reserviert für das LKA.

18 Uhr: Vanessa Mohnke von der SPD Hamburg eröffnet die Veranstaltung. Mit Frank Fechner, 1. Vorsitzender des ETV, spricht sie darüber, was die Olympischen Spiele für Eimsbüttel bedeuten könnten. Fechner sagt, persönlich sei er ein Fan von Olympia und auch der ETV spreche sich für die Spiele in Hamburg aus. Die eigenen Sportanlagen könnten bei Olympia als Trainingsstätten fungieren – zum Beispiel die Dreifeldhalle in der Hohe Weide oder die Tennisanlage am Lokstedter Steindamm. Eine Win-win-Situation: Die Anlagen würden durch Olympia aufgerüstet – davon profitiere der Verein auch nach den Spielen.

Eine Chance für alle?

18:15 Uhr: Peter Tschentscher und seine Personenschützer betreten den Raum durch einen Hintereingang. Vorne angekommen übernimmt Tschentscher das Ruder. Knapp 75 Minuten wird er präsentieren, Fragen beantworten und hartnäckig bleiben – er will Olympia nach Hamburg bringen.

Tschentscher sagt, er wolle heute seine Sichtweise auf Olympia vorstellen, wisse aber auch, dass „Nolympia“-Vertreter im Publikum seien. Er freue sich, mögliche Einwände zu besprechen.

Kurz wirkt es so, als hätte der „Nolympia“-Vertreter am Eingang Tschentschers erste Worte an diesem Abend prophezeit. In Wahrheit steckt weniger Hellseherei dahinter als das Wissen über das Kernargument des Senats: „Die Olympischen Spiele bieten eine Chance für alle.“

Weniger neu, mehr alt

Früher, so Tschentscher, hätte die Stadt mit den größten Neubau-Plänen den Zuschlag bekommen. Man habe die Stadt den Spielen angepasst. Heute sei das anders: Die Spiele sollen sich in die Stadt einfügen. Der Wettbewerb hätte sich umgedreht. Wer das Bestehende am besten nutzt, bekommt also Olympia?

In Hamburg sollen keine neuen Sportstätten extra für Olympia gebaut werden, sagt Tschentscher. Stattdessen würden bereits vorhandene genutzt und temporäre Anlagen aufgebaut werden. Mit Letzterem meine er beispielsweise die Messehallen, die kurzzeitig Sportwettbewerbe beherbergen könnten.

HSV-Stadion auch ohne Olympia

Während der Pandemie habe man die Messehallen als Impfzentrum genutzt, während Olympia würden sie zur Sportstätte, so Tschentscher. Auf der Alster könnte es temporäre schwimmende Bühnen geben. In Eimsbüttel würden das Stadion am Rothenbaum (Tennis und Boxen) und die Sportanlage an der Hagenbeckstraße (BMX und Rennrad) zum Einsatz kommen.

Vom geplanten neuen HSV-Stadion spricht Tschentscher an diesem Abend nicht. Wahrscheinlich, weil bereits immer wieder betont wurde: Das Stadion soll unabhängig von der Olympia-Bewerbung kommen.

Tschentscher betont, die Hamburger Olympia-Bewerbung sei ein norddeutsches Konzept. Auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen würden Wettbewerbe in Sportarten wie Segeln, Schießen oder Reiten ausgetragen. Zudem wolle man die Ost-West-Verbindung stärken: Fußballspiele sollen beispielsweise auch in Dresden stattfinden.

Das Olympische Dorf und der Wohnungsbau

Das Olympische Dorf soll die neue „Science City Bahrenfeld“ beheimaten, sagt Tschentscher. Das passe wie die Faust aufs Auge. Das dort geplante Stadtquartier würde sowieso in zehn bis fünfzehn Jahren fertiggestellt – die Olympia-Teilnehmenden könnten als erste Bewohner einziehen. Danach würden die Wohnungen regulär auf dem Wohnungsmarkt genutzt.

Hamburg bewirbt sich für die Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 und 2044. „Wie kann die Fertigstellung bei so einer Zeitspanne wie die Faust aufs Auge passen“, fragt ein Zuhörer. Tschentscher hält an seiner Aussage fest, denn Stadtentwicklungsprojekte bräuchten Zeit. Ein solcher Spielraum sei, unabhängig von Olympia, üblich.

Außerdem sei eine Olympia-Zusage für 2040 am wahrscheinlichsten. Das würde genau passen.

„Und wenn die Wohnungen früher fertig werden, bleiben sie dann bis Olympia leer?“, fragt eine Anwesende. Dazu würde es nicht kommen, sagt Tschentscher.

Rückenwind vom Bund?

In puncto Infrastruktur preist Tschentscher die U5 als „olympische Linie“ an. Auch die S6 spiele eine entscheidende Rolle für sein „Olympia der kurzen Wege“. Autonome Shuttles könnten bis dahin vielleicht Strecken abdecken, die der ÖPNV nicht bedient. Tschentscher träume davon, dass die Gäste aus aller Welt nach Olympia in Hamburg nach Hause gingen und sagten: „In Hamburg klappt die Digitalisierung.“ Das Publikum lacht.

Von den Olympischen Spielen erhoffe sich Tschentscher Rückenwind durch die Bundesregierung. Diese hat bereits zugesagt, die Olympia-Ausrichter finanziell zu unterstützen. In Hamburg könnte davon unter anderem der Hauptbahnhof, für den die Deutsche Bahn zuständig ist, profitieren, sagt Tschentscher. Schließlich wolle man auch auf Bundesebene, dass in Hamburg alles laufe, wenn die Welt zu Gast sei.

Gleichzeitig weist Tschentscher darauf hin, dass Hamburg eventuell länger auf bereits zugesagte Mittel vom Bund, etwa für die U5, warten müsste, wenn das mit Olympia nicht klappt. Dann fließe das Geld erstmal nach München oder Berlin oder Nordrhein-Westfalen.

Gewinn: Ja, nein, vielleicht?

Bei der Kostenfrage verweist Tschentscher auf die Rechnungen des Senats. Demnach würde die Durchführung der Spiele 4,8 Milliarden Euro kosten. Diese würden sich allein durch die Olympia-Einnahmen, etwa 4,9 Milliarden Euro laut Senat, decken. Hinzu kämen 1,3 Milliarden Euro an Investitionen.

Was in der Rechnung bislang fehlt, sind die Sicherheitskosten. Diese würden sich heute noch nicht kalkulieren lassen, sagt Tschentscher. Die Kritiker im Raum nehmen das nicht hin. „Mit irgendeiner Summe muss man doch planen“, sagt eine Frau im Publikum. Das Plus von 100 Millionen Euro in der Rechnung des Senats sei eine Farce, wenn nicht alle Kosten miteinbezogen seien.

Tschentscher sagt, er wolle nicht von einem Gewinn sprechen, vielleicht bleibe auch nichts übrig. Mehr Klarheit hinsichtlich der Sicherheitskosten könne er aber nicht geben. „Das lässt sich heute nicht beziffern“, sagt er. Man dürfe aber nicht vergessen, dass der Bund hier unterstütze.

Viele Fragen

Weitere Anwesende im Publikum wollen wissen, ob Olympia die Mieten in die Höhe steigen lasse. Oder warum sich Hamburg mit den Kosten des Klimaentscheids schwer tue, nicht aber bei Olympia. Laut Tschentscher habe weder das eine noch das andere mit Olympia zu tun. Damit die Mieten nicht steigen, brauche es mehr Wohnungsbau. Die Kosten des Klimaentscheids stünden in keinem Zusammenhang mit den Olympiakosten.

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„Nolympia“ zum Hamburger Konzept

Eckart Maudrich, Pressesprecher von „Nolympia Hamburg“, sagt zum Konzept des Senats: „Glaubt man dem Hamburger Senat, wäre Hamburg aufgeschmissen, wenn Olympia nicht kommt, weil Deutsche Bahn und Bundesregierung kein Geld für Projekte wie die U5, die S6 oder die Sanierung des Hauptbahnhofes zur Verfügung stellen würden. Diese Selbstverzwergung der zweitgrößten Metropole der Bundesrepublik steht im Widerspruch zum übertriebenen Selbstbewusstsein der Senatsmitglieder, was die Einhaltung der Kosten für Olympia betrifft – der Senat hat weiterhin keine Antworten auf offene Fragen wie zum Beispiel die Kosten der Sicherheit, die in Paris bei 1,7 Milliarden Euro lagen und im Hamburger Finanzkonzept einfach komplett offengelassen wurden. Oder den Bau einer Multifunktionsarena im Volkspark, die angeblich ganz unabhängig von Olympia genau so gebaut werden würde.

In Städten wie Los Angeles, Mailand oder London haben Olympische Spiele zu steigenden Mieten beigetragen – anders als vom Senat behauptet, wird dieses Problem nicht durch Wohnungsbau im Olympischen Dorf gemindert – der in der Science City tatsächlich ganz unabhängig von Olympia entsteht. Der Senat verspricht Olympische Spiele ohne Olympic Lanes – extra Fahrspuren für IOC-Funktionärinnen, Sportlerinnen und Journalistinnen. Dabei ist völlig offen, ob sich das IOC darauf einlassen würde – und wenn eine Stadt Austragungsort für Olympia wird, bestimmt das IOC die Regeln.

Der Senat verspricht ökologische Nachhaltigkeit und klimapositive Olympische Spiele, zum Beispiel durch Wiederverwertung temporärer Tribünen und Sportstätten – ähnlich wie in Paris 2024, das dennoch auf eine katastrophale Klimabilanz von 2,1 Millionen Tonnen CO2 gekommen ist. Für den Hamburger Senat ist Olympia eine bunte Wundertüte. Ein Blick hinter die Fassade zeigt: Dahinter verbirgt sich wenig Substanz, aber massive finanzielle Risiken für die Hamburgerinnen und für nachfolgende Generationen.“

Am Ende bleiben viele Hände in der Luft. „Ich habe eine Frage zum Flughafen“, wiederholt ein Mann in der letzten Reihe immer wieder. Tschentscher lässt sich in seinem Schlusssprint jedoch nicht beirren. Er hoffe auf Olympia in Hamburg. Am Ende liege es in der Hand der Hamburgerinnen und Hamburger, es sei eine demokratische Entscheidung. „Ich habe eine Frage“, ruft es von hinten.

Olympia-Tour in Eimsbüttel

„Wenn Ihnen das Olympia-Konzept gefällt, erzählen Sie es weiter“, sagt Tschentscher. Und wer jetzt noch Fragen habe, Tschentscher bleibe noch, um sie einzeln zu beantworten.

19:35 Uhr: Eine Schlange aus Menschen mit Fragen zieht sich durch den Raum. Ihr Ziel: Peter Tschentscher, der vorne zwischen seinen Personenschützern steht.

19:36 Uhr, vor dem Eingang des ETV-Gebäudes: Wer nicht auf Antworten beharrt, geht nach draußen. Ein Mann sagt: „War interessant, aber viel Neues gab es nicht.“

Peter Tschentscher kommt in alle Hamburger Bezirke, um sein Olympia-Konzept vorzustellen. Die Vertreter von „Nolympia“ laden zu verschiedenen Treffen ein, um die Gegenseite zu beleuchten.


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