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Giuseppina Bergmann und ihr Mann Peter sind heilfroh, dass sie ihren Jack Russel Muffin unversehrt wieder haben. Foto: Holger Vogel
Giuseppina Bergmann und ihr Mann Peter sind überglücklich, dass sie ihren Jack Russel Muffin wieder unversehrt auf den Arm nehmen können. Foto: Holger Vogel
Jack Russel verschollen

Muffin vom Tresor verschluckt

Manchmal soll ja ein Pferd auf dem Flur stehen. Das ist in einem Lied verbrieft. Dass aber ein Hund im verschlossenen Tresor übernachtet, ist eher selten. Genau das ist jetzt Jack Russel Terrier Muffin passiert.

Von Holger Vogel

Jack Russel Terrier Muffin ist ein aufgewecktes Kerlchen mit dunkelbraunen Knopfaugen und hellbraunen Flecken auf dem weißen Fell. Der vierjährige Rüde adeliger Herkunft ist in Bälle vernarrt, spielt gerne mit Kindern und fletscht schon mal die Zähne, wenn er einer Französischen Bulldogge auf der Straße begegnet. Aus Futter macht sich der auf Sylt geborene Terrier nicht so viel, verschmäht gelegentlich sogar Filetstückchen. Natürlich ist er der ganze Stolz von Frauchen Giuseppina und Herrchen Peter Bergmann. Muffin lebt ein glückliches, erfülltes Hundeleben und liegt am liebsten im Schaufenster der Reinigung seiner Besitzer. Von seinem Platz entgeht Muffin nichts, was auf der Lappensbergallee in Eimsbüttel passiert. Soweit, so normal.

Doch in der vergangenen Woche ändert sich alles – von einer Sekunde zur anderen. Die heile Hunde-Idylle gerät aus den Fugen. Giuseppina will am Abend die Reinigung schließen und ruft ihren Hund, damit er mit nach Hause kommt. Aber Muffin kommt nicht. Kein Getrippel auf den Bodenfliesen. Kein Laut. Kein Bellen. „Ich habe einen riesengroßen Schreck bekommen. Normalerweise weicht er nicht von meiner Seite und beobachtet mich ständig.“ Aber jetzt fehlt von Muffin jede Spur. Als hätte ihn der Erdboden verschluckt. Für Herrchen und Frauchen bricht eine Welt zusammen. Sie rufen den Vierbeiner, aber er antwortet nicht. Sie suchen den Vierbeiner, aber sie finden ihn nicht. „Wenn ein Hund fehlt, dann ist das schon so, als wenn ein Kind fehlt“, sagt Peter Bergmann und schiebt süffisant nach, dass seine Frau und den Terrier eine „Affenliebe“ verbinde.

Der Tresor als Verließ

Irgendwann meint er, ein leises Bellen gehört zu haben, als er Muffin gerufen hat. Daraufhin geht Bergmann in den Innenhof, schaut in Fenstern und auf der Kellertreppe nach. Ohne Ergebnis. Seine Frau sucht derweilen in Schränken und hinter Maschinen in der Reinigung. Auch dort keine Spur vom Hund. Der Terrier ist auch nicht in eine Baugrube vor der Reinigung gefallen, wie sein Herrchen vermutet. Trotzdem verlässt den Reinigungsbesitzer nicht der Mut. „Ich war mir irgendwie sicher, dass Muffin wieder auftauchen würde, und zwar lebendig.“ Seine Frau bleibt nicht so gelassen: „Ich habe meinen Mann, meinen Sohn und halb Eimsbüttel verrückt gemacht.“

Die Nacht des Ehepaars Bergmann ist kurz. Peter Bergmann geht zum Revier, wo die Polizisten ihn beruhigen, dass der Hund wiederkommen werde, ihm aber auch nicht helfen können. Er druckt Vermisstenzettel und klebt sie an Ampelmasten. Gegen drei Uhr findet das Ehepaar ein wenig schlechten Schlaf. Dann der Morgen: Die Ladenbesitzerin schließt die Reinigung auf und bedient den ersten Kunden, aber es fehlt noch das Wechselgeld aus dem Tresorschrank. Sie schließt auch den Schrank auf und sieht aus den Augenwinkeln etwas auf dem Boden vorbeihuschen: „Ich war wie gelähmt und habe nichts gesagt, so erschrocken war ich“, erinnert sie sich.

Wie kommt der Russel ins Fach?

Dann habe sie realisiert, dass das „Etwas“ der schmerzlich vermisste Hund Muffin war. „Ich habe ihn sofort in den Arm genommen und gedrückt. Er war klitschnass“, beschreibt sie den Moment größter Freude und höchster Erleichterung. Zunächst sei der Hund ein wenig verstört gewesen, aber schnell habe er sich erholt und sich wieder auf seinen Platz im Schaufenster der Reinigung begeben. Der erste Kunde musste noch kurz warten, denn Bergmann rief ihren Mann an und erzählte ihm, dass der Hund aus dem Tresorschrank gekommen sei. Bergmanns lapidare Frage lautete: „Wie ist der denn da rein gekommen?“

Die Erklärung ist verblüffend einfach: Die Chefin bringt bei Ladenschluss am Vorabend die Wechselgeldkasse in den Schrank und sperrt die Tür zu. Kurz vorher muss Muffin in das unterste Fach des Schrankes gekrochen sein, in dem er nur geduckt herumkrabbeln kann. Sein Frauchen bemerkt ihn beim Schließen der Tresortür nicht und sperrt ihn einfach ein. Warum der Jack Russel nicht auf sich aufmerksam macht, auch als Herrchen und Frauchen nach ihm rufen, ist seinem Besitzerehepaar ein Rätsel. Dass er keine Angst hat, in das enge Fach zu kriechen, hingegen nicht. „Diese Rasse ist so dressiert, dass sie bei der Jagd vorwärts in Rattenbauten gehen und rückwärts wieder raus“, erklärt der Reinigungsinhaber. Böse oder gar gram sind die beiden ihrem Liebling nicht. Es zählt alleine die große Freude, dass sie ihren Muffin wieder haben, den sein Züchter so nannte, weil er als Welpe dem amerikanischen Gebäck ähnelte.

Herrchen Peter Bergmann zeigt auf das Fach im Tresor, in dem der Jack Russel übernachtete. Foto: Holger Vogel
Herrchen Peter Bergmann zeigt auf das Fach im Tresor, in dem der Jack Russel übernachtet hat. Foto: Holger Vogel

Pikante Note am Rande: Während Muffin in seinem sicheren Gefängnis ausharrt, überkommt ihn wohl die Langeweile. Er zerfetzt Geldscheine und zernagt eine kleine Holzkiste. Giuseppia Bergmann wundert sich auch, dass beim Öffnen des Tresors Scheinschnipsel auf den Boden fallen, was sie aber gar nicht schlimm findet. Die Arbeit haben schließlich auch ihr Mann und ihr Sohn. Sie sortieren die Geldnotenteile und kleben sie einem Puzzelspiel gleich wieder zusammen. Dann tauscht Bergmann bei der Bank die notdürftig geklebten Scheine und frisches Geld ist wieder da…

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