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Jens Deye (42) engagiert sich beim ADFC.
„Ich bin auf dem Rad aufgewachsen”, sagt Jens Deye (42). Vor 15 Jahren zog der gebürtige Oldenburger nach Hamburg und engagiert sich seitdem beim ADFC. Foto: Julia Haas
Magazin #24

Quartiere für Menschen: Straßenräume neu denken

Fährst du noch oder lebst du schon? Das Projekt „Quartiere für Menschen” setzt sich dafür ein, Eimsbüttels Straßen umzugestalten: weniger Verkehr, mehr Lebensqualität. Initiator Jens Deye vom ADFC Hamburg erzählt, wie das aussehen kann. Über neue Veränderungen und alte Ideen.

Von Julia Haas

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Hamburg hat die Initiative „Quartiere für Menschen” gegründet – wem gehören die Quartiere aktuell?

Der Straßenraum ist für parkende Autos und nicht für Menschen ausgelegt: Parkplätze nehmen viel mehr Fläche als Gehwege ein. Es ist einfacher, mit einem übergroßen Auto durch die Straßen zu fahren, als zu zweit nebeneinander auf dem Bürgersteig zu laufen. In Eimsbüttel gibt es zu viele Bereiche, die ausschließlich auf den Autoverkehr ausgerichtet sind. Hier brauchen wir ein Umdenken.

An diesem Punkt setzt „Quartiere für Menschen” an?

Genau, wir wollen den Autoverkehr reduzieren und anderen Mobilitätsformen mehr Aufmerksamkeit schenken. Damit verfolgen wir auch die Klimaziele der Stadt Hamburg. Bis 2030 soll mehr als jeder zweite Weg mit dem Kfz eingespart werden. Dieses Ziel wurde bislang aber kaum verfolgt. Das muss sich ändern.

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Quartiere für Menschen

…ist eine Initiative der ADFC-Bezirksgruppe Eimsbüttel. Finanziert wird das Projekt unter anderem von #moinzukunft, dem Klimafonds der Stadt Hamburg. Unter www.quartierefuermenschen.de können Anwohnerinnen ihre Ideen und Vorschläge für ein verkehrsberuhigtes Eimsbüttel teilen.

Wie könnte ein verkehrsberuhigtes Eimsbüttel aussehen?

Wir orientieren uns dabei am Mini-Holland-Prinzip, wie es England nennt und nach holländischem Vorbild umsetzt. Nach diesem Schema können Autos nur über eine Straße ins Quartier hineinfahren und über denselben Bereich wieder raus. So stellen wir uns das auch für Eimsbüttel vor: Der Stadtteil wird in mehrere Quadranten aufgeteilt, die nur über eine Zugangsstraße erreicht werden. Wenn ich von einem Quadranten in den anderen möchte, muss ich mit dem Auto außen herum fahren, direkte Verbindungen sind gesperrt. In der Osterstraße setzen wir uns zum Beispiel für eine Diagonalsperre an der Kreuzung Schwenckestraße ein – mit dem Auto von einem Ende der Osterstraße an die andere zu fahren, ist auf direktem Weg dann nicht mehr möglich.

„Kein Durchgangsverkehr in Wohngebieten“: Bei einem Demo-Spaziergang im Juni hat die Projektgruppe „Quartiere für Menschen” gezeigt, wie eine Diagonalsperre an der Kreuzung Osterstraße/Schwenckestraße aussehen könnte. Foto: Kay-Uwe Rosseburg

Führt das nicht zu mehr Verkehr auf umliegenden Ausweichstrecken?

Das wollen wir verhindern, indem wir ein Gesamtkonzept erstellen. Es reicht natürlich nicht, einzelne Straßen zu sperren und den Verkehr auf Schleichwege zu verlagern. Unser Ziel ist es, den gesamten Kfz-Verkehr zu reduzieren. Ein wichtiges Element sind dabei Modalfilter, also bauliche Hindernisse, die kleine Nebenstraßen von großen Hauptstraßen trennen. So entstehen keine Ausweichstrecken. Autofahrerinnen erreichen ihre Ziele nur über die Hauptstraßen. Aber fahre ich wirklich fünf Kilometer mit dem Auto, wenn ich mein Ziel viel schneller zu Fuß, mit dem Rad oder Bus erreiche? Wahrscheinlich nicht. Der Verkehr reduziert sich dadurch überall, weil es attraktiver ist, das Auto einfach stehen zu lassen.

Gibt es Orte in Eimsbüttel, an denen das schon umgesetzt wird?

Ja, zum Beispiel Am Weiher. Es gibt dort keine direkte Verbindung zur Straße Im Gehölz, wodurch die kleine Straße weniger befahren ist. Wir schlagen nichts Neues vor. Viele unserer Planungselemente wurden bereits in den 80ern angewendet.

Eine andere erprobte Technik sind Poller für den Auto­verkehr. An der Apostelkirche könnte man damit einen autofreien Platz schaffen und Linienbussen dennoch die Durchfahrt ermöglichen. Dadurch öffnet man den Platz für den Fußverkehr und das Leben.

Welche Rolle spielen Tempolimits in Ihren Ansätzen?

Für die Osterstraße – von der Methfesselstraße bis zum Schulweg – fordern wir Tempo 20. Wir stellen uns das als einen sogenannten „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich” vor, wie es ihn in der Mönckebergstraße gibt. Schon vor dem Umbau der Osterstraße war die Geschwindigkeitsbegrenzung eine Kernforderung aus der Bevölkerung.

Woran scheitert es dann noch, diese stadtplanerischen Maßnahmen auszubauen?

Ich habe das Gefühl, die Politik hat aktuell wenig Mut zur Veränderung. Das sieht man schon an kleinen Maßnahmen, die groß gefeiert und schlecht ausgeführt werden. Schauen wir uns den Umbau zum autoarmen Jungfernstieg an. Warum stellt man statt Schildern nicht einfach eine Schranke auf, damit wirklich keine Autos mehr durchfahren? Das wirkt mutlos.

Umso wichtiger ist es, dass sich NGOs und die Bevölker­ung hinstellen und betonen: „Wir wollen Veränderungen!”

Gibt es auch Gegenwind aus der Bevölkerung?

Bisher kaum, aber natürlich werden Leute aufschreien, wenn sie nicht mehr wie gewohnt mit dem Auto durch Eimsbüttel fahren können. Aktuell führen wir sehr offene und verständnisvolle Diskussionen. Es gibt viele Argumente zu berücksichtigen. Ein Beispiel: Wir schlagen einen autofreien Platz am Tauschhaus im Stellinger Weg vor. Letztendlich wäre das eine Aufwertung des Ortes, mehr Menschen würden sich versammeln. Doch schon jetzt klagen viele Anwohnerinnen über den Lärmpegel rund um die gastronomischen Angebote. Man muss darüber diskutieren, wie solche Orte für alle funktionieren können. Das ist natürlich herausfordernd, aber auch eine Chance für den öffentlichen Stadtraum.

Visualisierung: Daniel Jenett / Quartiere für Menschen

Wie sieht Ihr perfektes Eimsbüttel in zehn Jahren aus?

Dabei denke ich an Amsterdam: Dort findet man ganze Straßenzüge, in denen die Anwohnerinnen komplett aufs Auto verzichten. So entsteht viel Raum für Neues. Manche geben ihren Parkplatz auf und pflanzen stattdessen ein Blumenbeet. In zehn Jahren ist mein Eimsbüttel viel grüner als heute.

Mein Wunsch ist außerdem, dass das Verkehrsklima im Quartier besser wird, dass sich zum Beispiel Fahrradfahrerinnen auf der Straße sicher fühlen, ohne von Autofahrerinnen bedrängt zu werden. Wir müssen die bestehenden Straßen gut nutzbar für alle machen.

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