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fullscreen Restaurierung der Villa Mutzenbecher
Gerd Knop, Vorstandsvorsitzender des Vereins Werte erleben e.V., Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien und Andreas Reichel, Vereinssprecher Werte erleben e.V. Foto: Alisa Pflug

Sanierung

Restaurierung der Villa Mutzenbecher

Am Donnerstag starteten Kulturbehörde und der Verein “Werte erleben e.V.” die offizielle Sanierung der Villa Mutzenbecher. Die Villa im Niendorfer Gehege wird bis 2020 denkmalgerecht saniert. Dabei sind Schüler, Auszubildende und Studierende maßgeblich an der Instandsetzung der Gründerzeitvilla beteiligt.

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Noch liegt sie im Dornröschenschlaf, die Villa Mutzenbecher im Niendorfer Gehege. Umgeben von Wald, Vogelgezwitscher und einigen Sonnenstrahlen wirkt nach wie vor der Charme des um die Jahrhundertwende errichteten Hauses. Erbaut wurde die Villa als privater Rückzugsort des ehemaligen Generaldirektors der Hamburger Versicherungskonzerne Albingia und Hamburg-Mannheimer, Franz Matthias Mützenbecher. Die sanierungsbedürftige Villa stellt immer noch ein typisches und gleichzeitig sehr eindrucksvolles Bild gründerzeitlicher Landhausarchitektur dar.

Nach jahrelanger Unklarheit um das weitere Schicksal der Villa besteht seit Ende 2016 nun Einigkeit über Restaurierungskonzept als auch spätere Nutzung. Ein Abriss konnte verhindert werden und der gemeinnützige Verein “Werte erleben e.V.” konnte sein Nutzungskonzept der Villa gegen fünf andere Bewerber im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens und spätere behördliche Hindernisse durchsetzen. Der Mietvertrag gilt für 30 Jahre.

Die Villa Mutzenbecher wird Ausbildungsort

Gegründet 2006 von engagierten Hamburgern, hat es sich der Verein zum Ziel gesetzt, fundamentale gesellschaftliche Werte wie Verantwortung und Respekt Jugendlichen näher zu bringen und sie in ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen. Dabei findet die Wertevermittlung im praktischen Tun, anhand von Projekten statt. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist ein wichtiger Teil der Arbeit des Vereins.

In der geplanten dreijährigen Bauphase, die diesen Herbst beginnt, wird die Villa Mutzenbecher nun zum praktischen Lernort. Die Beteiligung von jungen Menschen verschiedener Ausbildungsstätten bildet hierbei den Kern der Instandsetzung. Vor allem für die Schüler der 9. und 10. Klassen der Stadteilschule Niendorf, darunter minderjährige Flüchtlinge, stellt das Projekt einen geeigneten Weg in den späteren Beruf dar. So sollen sie Praktika bei den Handwerksbetrieben erhalten, die an der Sanierung mitwirken, um anschließend eine Ausbildung dort beginnen zu können.

Einbezug vieler Akteure

Zudem werden sie mit der Aufarbeitung von Holzelementen unter Anleitung einer Tischlermeisterin beauftragt. Hierbei wird auf Erfahrungen des bereits sehr erfolgreichen Konzepts des Hamburger Hochschulmodells zurückgegriffen, das inzwischen eine Vielzahl von Hauptschülern in die Ausbildung bringen konnte und international kopiert wurde. Neben den Schülern der Stadteilschule sind alle vier Berufsschulen für das Baugewerbe (Bau, Holz, Sanitär, Elektro) und die Produktionsschule Eimsbüttel beteiligt.

Architekturstudenten der Hafencity Universität sind bereits mit der Analyse des Bauzustandes beauftragt worden. Das einmalige Konzept will als Modellprojekt für Deutschland als auch Europa fungieren. Besonders in südlichen Ländern existieren viele renovierungsbedürftige Gebäude und die Jugendarbeitslosigkeit ist extrem hoch. Finanziert wird die aufwendige Sanierung neben dem Verein Werte erleben und dem Hamburger Denkmalschutzamt auch durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und freiwillige Spenden.

Dringender Sanierungsbedarf

Der über 100 Jahre alte Backsteinbau ist aus der Sicht des Denkmalschutzes in einem guten Zustand. Viele Bauelemente, wie beispielsweise die Holzfenster, Türen oder auch die Veranda sind nahezu original erhalten geblieben. Die Fassade ist noch immer dieselbe wie 1910. In der Eingangshalle fällt vor allem das geschnitzte, grüne Treppengeländer ins Auge.

Jedoch ist der dringende Sanierungsbedarf nicht zu übersehen. Das Hamburger Denkmal hat gelitten. Der Putz bröckelt von den Wänden, Lack blättert ab und Feuchtigkeitsschäden haben das Haus befallen. Es ist Zeit für frischen Wind im Niendorfer Gehege.

Ort der Zusammenkunft

In der fertiggestellten Villa sollen Lerngruppen verschiedenster Bildungsinstitutionen, Kita, Grundschule als auch weiterführende Schule zusammen kommen und das Gebäude als Ort für außerschulisches Lernen nutzen. Schulprojekte zu biologischen Forschungsvorhaben oder historischer Spurensuche sind denkbar.

Des Weiteren werden die restaurierten Räumlichkeiten aber auch für verschiedene Vereine oder Gruppen offen sein, die ihre thematischen Schwerpunkte im kulturellen und historischen Bereich haben. So richtet beispielsweise das Forum Kollau in der Villa eine Geschichtswerkstatt ein. Die nächsten 30 Jahre werden also spannend in der Villa Mutzenbecher im Niendorfer Gehege.

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