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Wolfgang Ignorek war auf verschiedenen Schiffen unterwegs, auch die Fracht variierte. Foto: Mia Leo
Wolfgang Ignorek war auf verschiedenen Schiffen unterwegs, auch die Fracht variierte. Foto: Mia Leo
Magazin #41

„Alle haben mich Käpt’n Wolle genannt“

Zur See zu fahren, klingt nach Abenteuer. Wolfgang Ignorek hat als Offizier auf großen Schiffen vieles erlebt. Warum er sich dennoch nach 20 Jahren für ein Leben an Land entschied.

Von Julia Haas

Wolfgang Ignorek ist bis 1985 zur See gefahren. Er war als Erster und Zweiter Offizier auf den Weltmeeren unterwegs. In seinem Freundeskreis trägt er bis heute den Spitznamen „Käpt‘n Wolle“.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie kamen Sie zur Seefahrt?

Wolfgang Ignorek: Ich komme aus Cuxhaven. Mein Großvater fuhr auf Segelschiffen, mein Vater war Funkoffizier – es lag in der Familie. Nach der Realschule habe ich eine Seemannslehre angefangen, zuerst als Schiffsjunge, später als Kadett.

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Wie sich die Seefahrt verändert hat

Für meine erste große Fahrt flog ich über Japan nach Korea. Das war aufregend – ich war vorher noch nie so weit geflogen. Als Zweiter Offizier ging ich auf ein Massengutschiff. Eine meiner Aufgaben war es, für die Mannschaft Aus­flüge an Land zu organisieren. In China besuchten wir eine Schule – wir wurden dort wie Staatsgäste empfangen. Das war beeindruckend.

Ist das heute immer noch so?

Heute ist vieles anders. Die Besatzung kann kaum noch an Land gehen. Die Terminals sind sehr weit draußen, also nicht in Stadtnähe. Außerdem ist die Zeit knapp. Früher waren wir bis zu sechs Monate auf dem Schiff, heute sind es eher zwei – und es wird Tag und Nacht gearbeitet. Das ist purer Stress, das würde ich nicht wollen.

Langeweile als Gefahr

Wie lange waren Sie damals am Stück auf See?

Oft mehrere Monate. Zwischen den Häfen konnten auch mal Wochen liegen. Unsere Schiffe fuhren nur etwa 15 Knoten – das dauerte eben.

Wie haben Sie die langen Zeiten auf See ausgehalten?

Es ist wichtig, sich nicht zu langweilen. Ich habe mir einen Stundenplan gemacht – für die Freizeit. Zuerst Englisch lernen, dann Spanisch, später Gitarre spielen und so weiter. Wenn man das nicht macht… Früher haben viele angefangen, zu trinken.

„Plötzlich war ich derjenige, der Spritzen geben musste“

Gab es Kontakt nach Hause?

Eigentlich nicht. Handys gab es noch nicht. Im Hafen konnte man manchmal telefonieren, aber das war teuer. Ich habe stattdessen viele Briefe geschrieben.

Haben Sie gefährliche Situationen auf der See erlebt?

Stürme natürlich – die gehören dazu. Aber richtige Notfälle gab es zum Glück nicht. Ich war allerdings viele Jahre der „Medizinmann“ an Bord. Auf der Tür zur Kammer für den Arzneiraum stand: „Spezialarzt für Seeleute und Elefanten“. (lacht)

In der Ausbildung hatten wir zwar ein bisschen Medizinunterricht, aber keine Praxis. Plötzlich war ich derjenige, der Spritzen geben und Wunden versorgen musste. Meine erste Spritze habe ich an Bord gesetzt – danach konnte ich es.

In Eimsbüttel begann ein neuer Lebensabschnitt

Bei meiner ersten Fahrt ging es bereits in Korea heftig los. Der Elektriker musste etwas an den Kränen reparieren, als jemand den Strom anstellte. Er fiel runter und verbrannte sich beide Arme. Er kam direkt ins Krankenhaus, bestand aber darauf, mit auf dem Schiff zurückzufahren. In Japan lagen wir eine Woche im Hafen – das war sein Glück. Die haben seine Brandwunden erneut behandelt – und waren absolute Meister in diesem Gebiet.

1985 haben Sie die Seefahrt verlassen. Warum?

Meine erste Ehe ist wegen der Seefahrt auseinander­gegangen. Das klappte einfach nicht. Für mich war klar, das nicht noch mal erleben zu wollen. Also habe ich mir einen Job an Land gesucht, als ich meine zweite Frau geheiratet habe. Damals bin ich auch nach Eimsbüttel gezogen – das war das Ende der Seefahrt und der Beginn meines Lebens an Land.

„Ich wollte das Land kennenlernen“

Wie ging es beruflich danach weiter?

Das war das Problem: Ich hatte nichts anderes gelernt. Aber zu der Zeit kamen Computer und EDV auf. Ich habe mich eingearbeitet, eine Fortbildung gemacht und schließlich wieder bei einer Reederei angefangen – diesmal in der Schiffsplanung.

Für diesen Job war ich mit meiner Frau sechs Jahre in Frankreich. Eine großartige Zeit!

Vermissen Sie das Leben auf See?

Nein, aber die Faszination für das Reisen ist immer geblieben. Sie ist auf den Schiffen entstanden. Früher gab es Seemannshandbücher mit detaillierten ­Beschreibungen der Häfen und Küsten. Ganz vorne stand Allgemeines über das Land und seine Spezialitäten – nichts, was man als Seemann unbedingt wissen müsste, aber ich fand das interessant.

Wenn wir irgendwo anlegten, wollte ich das Land kennenlernen. Viele dieser Orte habe ich später privat wieder besucht, vor allem in Südamerika.
Und zu Hause habe ich oft nachgekocht, was ich unterwegs gegessen hatte. In Peru habe ich zum Beispiel Ceviche kennengelernt – damals kannte das hier noch ­niemand. So habe ich mir die Welt ein bisschen nach ­Hause geholt.

Seekrank? Nur ein Mal!

Sind Sie heute noch auf dem Wasser unterwegs?

Ab und zu. Mit Freunden war ich häufiger in der Ägäis ­segeln – obwohl ich ursprünglich nichts mit Segeln am Hut hatte. Aber ich kenne die See, ich habe ein Gefühl für sie. Ich war sozusagen der Aufpasser an Bord.

Seekrank bin ich übrigens nie geworden – das hatte ich nach meiner allerersten Schifffahrt hinter mir.

info

Seefahrt

Der globale Handel lebt von der Seefahrt. Rund 90 Prozent aller Güter werden heute über die Meere transportiert. Doch damit das reibungslos funktioniert, hat sich die Schifffahrt stark verändert: Effizienz und Auslastung bestimmen den Alltag. Wer heute auf einem Containerschiff arbeitet, reist zwar um die Welt – sieht von ihr aber kaum etwas.


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