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Schminken, Hüpfburg, Rollbahn - bei dem Grillfest von fördern und wohnen am Grandweg wurde den kleinen Gästen Einiges geboten. Foto: Julia Dziuba

Sommerfest der Hilfsbereitschaft

An der Wohnunterkunft am Grandweg fand am Freitag das traditionelle Sommerfest statt, veranstaltet vom Betreiber fördern und wohnen (f&w) und ehrenamtlichen Helfern. Eine im wahrsten Sinne des Wortes bunte Feier, die zeigte, wie selbstverständlich Hilfe und Unterstützung hier sind.

Von Julia Dziuba

Ein bisschen Wasser gemischt mit Theaterschminke, einige Striche auf Wangen, Nase und Lider, und schon verwandeln sich die Kinder an der Station von Carla und Marisol in kleine Schmetterlinge, Mäuse oder auch Spiderman. Staunend bewundern sie sich in dem kleinen Spiegel, den die Studentinnen neben ihre Tische gestellt haben. Direkt nebenan können sie sich Hüte aus Zeitungspapier anfertigen lassen, gegenüber warten eine Hüpfburg, eine Rollrennbahn und ein Buffet, reichhaltig bestückt von Bewohnern, Nachbarn und Helfern. Die Kinder am Grandweg stehen heute im Mittelpunkt – sie stellen nach Angabe von f&w etwa die Hälfte der insgesamt 197 Bewohner der Anlage.

Großeltern-Ersatz mit allen Schikanen

Zurzeit bewohnen Menschen aus 19 Nationen, vor allem aus Afghanistan und Syrien, die Unterkunft. Um sie kümmern sich etwa 90 Ehrenamtliche, die Deutschkurse, ein Nähcafé, oder Sportaktivitäten anbieten, die Bewohner bei Behördengängen begleiten – und sich einfach Zeit nehmen. So wie Irene Filke und Inga Golesch. Sie betreuen seit einem Jahr eine syrische Familie mit vier kleinen Kindern. Als „Großeltern mit Behördenkompetenz“ sehen sich die beiden, die vorher bereits in der Unterkunft Lokstedter Höhe aktiv waren. Zwar gebe es bei der Kommunikation manchmal Probleme, aber man schaffe es trotzdem, sich zu verständigen. Das Wichtigste sei, dass die Menschen sich geborgen fühlen, so Golesch. Von den Kindern gingen zwei bereits in Grund- und Vorschule – das Leben in Deutschland sei so für die Familie auch eine „große Chance“, findet sie.

Für Torsten Sevecke ist das Grillfest eine „ganz wunderbare Idee“ und „typisch für das, was in Hamburg passiert“. Ehrenamtliche Hilfe gehöre hier zur Kultur, so der Bezirksamtsleiter. Gleichzeitig stellt er heraus, dass die Unterbringung in Wohnungen nicht die Regel, sondern im Vergleich zu Zelten und Notcontainern ein „Glücksfall“ sei – „Wir bauen, was geht“, so Sevecke. Zumindest in der ehrenamtlichen Hilfe kennt der Grandweg kaum Engpässe: Christine Moßner, die bei f&w für das Unterkunfts- und Sozialmanagement vor Ort zuständig ist, betont: „Wir freuen uns über jeden, der da ist.“ Mehr könne man aber „augenblicklich nicht bewältigen“. Die Verantwortlichen möchten alle Ehrenamtlichen persönlich kennen – sonst arbeite man schnell aneinander vorbei. Außerdem müsse man sehen, ob die Angebote der Ehrenamtlichen von den Flüchtlingen auch angenommen werden. Beate Schmid-Janssen, Bereichsleiterin für Eimsbüttel und Harburg bei f&w, betrachtet das ehrenamtliche Engagement am Grandweg als „Luxussituation“.

Menschen, die Patenschaften übernehmen, wie Irene Filke und Inga Golesch, würden jedoch nach wie vor gebraucht. Vor allem, da sie Aktivitäten jenseits der Einrichtung ermöglichen, erläutert Schmid-Janssen. Wichtig auch vor dem Hintergrund, dass die Häuser sehr hellhörig seien und viele Familien mit kleinen Kindern dort wohnten. Nach Angaben von f&w-Pressesprecherin Jasmin Lotz sorge dies mitunter auch für Kritik an der Unterbringung von Seiten der langjährigen Mieter. Mit diesen stehe man im Austausch, sagt Lotz. Einige der Mieter würden aber auch nach dem ersten Kontakt feststellen, dass ihre Sorgen unbegründet seien.

Neue Bewohner zufrieden

Einer der neuen Bewohner, der mit seinen beiden Töchtern das Sommerfest besucht, ist Alexej. Seit Mitte Juli wohnen sie im Grandweg. Seine Frau liegt im Krankenhaus, die Familie ist aus Russland nach Hamburg gekommen, um sie hier behandeln zu lassen. Er ist „völlig zufrieden“ mit der Unterbringung und der Hilfe durch die Ehrenamtlichen, erzählt Alexej auf Russisch, eine Mitarbeiterin von f&w übersetzt. Die Nachbarn seien sehr nett. Die beiden Töchter, Sofia und Victoria, gingen in den Kindergarten, ansonsten kümmere er sich um sie. Die beiden stehen neben ihm, schweigend und mit einem schüchternen Blick, der aber aufgehellt wird – durch einen bunten Schmetterling auf dem einem und lange Mäuseschnurrhaare auf dem anderen Gesicht.

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