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Stephan Orth bei seinem Multimedia-Vortrag mit Lesung zu seinem Buch "Couchsurfing in der Ukraine"
Stephan Orth bei seinem Multimedia-Vortrag zu seinem Buch "Couchsurfing in der Ukraine". Foto: Angela Woyciechowski
Interview

Eimsbütteler spricht über Reisen ins Krisengebiet: „Man wägt zwischen Risiko und Story ab”

Der Eimsbütteler Stephan Orth war als Couchsurfer in der Ukraine unterwegs. Was hat der Autor und Journalist auf seinen Reisen erlebt?

Von Angela Woyciechowski

„Ich mag es, Zeit auf Couches zu verbringen – am liebsten auf fremden”, sagt Stephan Orth. Er ist Eimsbüttels bekanntester Couchsurfer und war für seine Buchprojekte bereits im Iran, in Russland, China, Saudi-Arabien und Großbritannien. Zuletzt berichtete er in „Couchsurfing in der Ukraine” über seine Erfahrungen in der Ukraine.

Am vergangenen Donnerstag hat er bei „Tausch & Schnack” Einblicke gewährt. Im Interview mit den Eimsbütteler Nachrichten erzählt Orth, was ihn auf seinen Reisen antreibt und wie er mit schwierigen Situationen umgeht.

Wie alles begann

Eimsbütteler Nachrichten: Wann war Ihre letzte Reise in die Ukraine?

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Stephan Orth: Die letzte Reise ist schon länger her, im April 2025. Es könnte sein, dass ich im Herbst im Rahmen eines humanitären Projektes wieder dort bin.

Wann begann ihre Begeisterung für das Reisen in „Länder mit schwierigem Ruf”?

Ich habe mich mit dem Schwierigkeitsgrad der Reisen immer mehr gesteigert. Angefangen mit Rucksackreisen in Australien, dann kam Südostasien dazu und mit der Zeit wurden es immer anspruchsvollere Ziele. 2013 habe ich den Iran entdeckt und da gespürt, dass es sich lohnt, da nochmal hinzufahren und ein Buch darüber zu schreiben. Das Couchsurfing begleitet mich seit über 20 Jahren.    

„Das nimmt mich sehr mit, ich habe da große Angst und will schnell raus aus der Situation“

Was treibt Sie an?

Ich habe großes Interesse an Menschen und ihren Geschichten; wie sie denken und wie sie die Welt betrachten. Dabei entsteht ein gewisses Gefühl – gerade, wenn man in Ländern, die wir als sehr exotisch wahrnehmen, merkt, wie ähnlich wir uns doch am Ende sind. Dass Leute, die in einer Diktatur leben, auch nur hoffen, halbwegs sicher zu leben, dass ihre Kinder gut aufwachsen können und dass sie fair behandelt werden. Und das ist global so, egal, welche Religion oder welche Staatsform. 

Warum bringen Sie sich immer wieder in Gefahrensituationen – was steckt da für eine Motivation dahinter?

Es ist nicht die Suche nach einem Adrenalinkick oder irgendeiner Art von “sich-selber-besser-spüren-wollen”. Gerade in der Ukraine habe ich gemerkt, dass ich für solche Situationen nicht gemacht bin, beispielsweise nahe an der Front oder wenn nachts laute Detonationen zu hören sind. Das nimmt mich sehr mit, ich habe da große Angst und will schnell raus aus der Situation.

Oder ich denke mir: Wie bescheuert bin ich, dass ich mich hier jetzt freiwillig hinbegeben habe. Aber gleichzeitig ist da die journalistische Motivation zu berichten; besonders wenn ich was erlebe, was mir emotional so nahegeht. Gerade in Zeiten, in denen die Informationswelt so chaotisch ist, es so viele Fehlinformationen gibt und man nicht mehr weiß, was eigentlich glaubhaft ist und was nicht. 

Wie geht Stephan Orth mit Angst um?

Wie gehen Sie vor Ort mit akuter Angst um?

Mit ein paar Atemübungen. Und ich habe mal einen Kurs für Kriegsreporter gemacht, da hat man in Rollenspielen gelernt, sich in solchen Kriegs- und Krisensituationen zu verhalten. Das war extrem wertvoll.

Dadurch weiß ich, dass ich trotz dieser Angst sehr gut funktioniere und dann auch sehr fokussiert bin. Also, dass ich nicht erstarre, sondern schnell Entscheidungen treffe. Aber manchmal ist es schon komisch: Man wägt ab zwischen Risiko und Story – was ist mir diese Geschichte wirklich wert? Und da habe ich manchmal auf den Reisen in die Ukraine schon gedacht: Das ist jetzt zu viel Risiko. 

Manches ist zu riskant

Woher kommt Ihr Urvertrauen, dass Sie sicher wieder aus diesen Krisengebieten zurückkommen? 

Ich weiß, dass es durchaus möglich ist, dass nicht alles gutgeht. Darauf muss ich mich vorher mental einstellen. Und dann muss ich schauen, wie ich das Risiko möglichst stark minimieren kann. Manches ist reiner Zufall: In einem Kriegsgebiet kann eine Granate genau da einschlagen, wo ich gerade stehe, oder 500 Meter entfernt.

Was hilft, ist, dass ich in meinen Entscheidungsfindungsprozess vertraue und auch viele Sachen nicht mache, wenn sie mir zu riskant erscheinen. 

„Es geht uns vergleichsweise sehr gut hier“

Gibt es Dinge, die Sie in der Ukraine erlebt haben und die Ihnen noch zu schaffen machen? 

In den ersten Monaten nach der Reise habe ich bei anschwillenden Geräuschen – ob Rasenmäher oder Elektroauto – direkt immer an Sirenen gedacht. Der Puls ging hoch und mein Kopf dachte: „Jetzt ist Luftalarm.” Ich habe auch auf Knallgeräusche heftiger reagiert als vorher. Inzwischen habe ich das nicht mehr, aber natürlich kommen solche Gefühle zurück, wenn ich eine gut gemachte Kriegsdoku sehe. 

Fühlt sich das Leben in Deutschland echt an nach so einer Reise oder wirkt hier alles eher wie in Watte gepackt oder oberflächlich? 

Es fühlt sich hier manchmal nach einer gewissen Wohlstands- oder Sicherheitsbequemlichkeit an. Es geht uns vergleichsweise sehr gut hier. Wir nehmen das natürlich nicht mehr wahr, weil das für uns ganz normal ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass das nicht so wertgeschätzt wird.

Wie hat das Reisen in schwierigen Ländern Ihren Blick auf das Leben verändert?

Eine Lektion, die trivial wirkt, aber wahnsinnig wertvoll ist: Die Welt ist ein freundlicherer Ort, als wir denken; 98 Prozent der Menschen meinen es gut mit mir. Es ist eine kleine Minderheit, die auf diesem Planeten die ganzen Probleme erzeugt. 


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