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fullscreen Bei einer Tasse Tee Deutsch lernen
Jeden Mittwoch findet in der Bücherhalle Eimsbüttel die Gesprächsrunde von Dialog in Deutsch statt. Foto: Jannika Grimm

Sprachförderung in Eimsbüttel

Bei einer Tasse Tee Deutsch lernen

Sobald das Wort Integration fällt, tauchen verschiedene Wörter im Kopf auf: Flüchtlinge, Politik, Kultur, Gesellschaft und auch Probleme. Ein Wort geprägt von der Flüchtlingskrise. Ein großes Wort. Ein sperriges Wort. Aber auch ein Wort, das jeden etwas angeht. Doch was bedeutet Integration im Alltag? Jannika Grimm hat zwei Eimsbütteler Spracheinrichtungen besucht.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

Der Raum ist holzvertäfelt, die Dielenböden knarren, an der Wand steht ein unter einer Plane verhülltes Klavier. Im Bürgerhaus Lokstedt treffen sich jeden Montag vier iranische Frauen und drei Ehrenamtliche. Das Projekt Sprachbrücke-Hamburg e.V. gibt es seit Oktober 2013. Schwarzer dampfender Tee steht auf dem Tisch. Doch es ist Ramadan, nur die Gruppenleiter trinken etwas davon. Die Iranerinnen tragen bunte Kopftücher und goldene Ringe an den Fingern. Das Fenster zum Garten ist offen und der Wind weht hinein, lässt Übungsblätter auf dem Tisch tanzen und vermengt sich mit dem schweren Parfumduft im Raum.

Sprachbrücke-Hamburg e.V. bietet Gesprächsrunden für erwachsene Zuwanderer an, die ihr Deutsch verbessern wollen. Verschiedene Menschen aus verschiedenen Kulturen treffen in den wöchentlichen Kursen aufeinander, tauschen sich aus und lernen Deutsch. 230.000 Euro hat die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, kurz BASFI, in Hamburg für Sprachprojekte zur Integration freigegeben.

Urlaubsgeschichten und Föhrer Schokolade

Eine der Gruppenleiterinnen war im Sommerurlaub und bringt den Anderen kleine Geschenke mit. Unter anderem Schokolade, die sich Föhrer Meeresfrüchte nennt. Die Leckereien müssen allerdings bis zum Abend warten – es ist ja Ramadan. “Wie war der Urlaub?”, wollen die vier Frauen wissen. Der Urlaub sei schön gewesen. Die Sonne habe sogar geschienen, so untypisch für Norddeutschland, erzählt die Gruppenleiterin. Alle müssen lachen. “Das Schietwetter” in Hamburg kennen alle aus dem Kurs. Ehrenamtliche und Schüler treffen sich immer montags. Lernen voneinander und unterstützen sich. Gründerin der Sprachbrücke-Hamburg e.V., Annja Haehling von Lanzenauer liegt das Thema Integration durch Sprache sehr am Herzen. “Integration ist nur möglich, wenn man sich austauscht und aufeinander zugeht”, sagt sie. Auch für die Ehrenamtlichen ist das Treffen wichtig. Die Angst vor Neuem kann genommen werden und steigert die Offenheit und Neugierde. Was Ramadan bedeutet, wie es gelebt wird, haben sie durch die Frauen verstanden.

Die kleinen Gruppen zur Sprachförderung sind für jeden Teilnehmer kostenlos. Foto: Jannika Grimm
Jeden Montag findet die Gesprächsgruppe im Bürgerhaus Lokstedt statt. Foto: Jannika Grimm

Chancengleichheit durch Sprache?

Laut Statistikamt Nord wurde ein Viertel der Hamburger im Ausland geboren. Ende des vergangenen Jahres hatten 33 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Im Bezirk Eimsbüttel waren es 67.494 Menschen. Nicht jeder spricht Deutsch. Dabei sei es vor allem Sprache, die Menschen Teil der Gesellschaft werden lassen, finden die Leiter des Projekts der Bücherhallen Dialog in Deutsch.

Die Gesprächsrunde von Dialog in Deutsch in der Bücherhalle Eimsbüttel findet einmal wöchentlich statt. Seit dem Bestehen der Gruppe vor drei Jahren sei kein einziges Treffen ausgefallen, berichten die beiden Gruppenleiter stolz. Hinten im Raum an der verspiegelten Fensterfront steht ein runder Tisch. Es gibt Kaffee und Tee. An der Wand stehen Reiseführer. Es riecht nach alten Büchern. Ein Teilnehmer kommt aus Mexiko, hat tiefe schwarze Haare und einen dichten Vollbart. Seit sechs Monaten ist der etwa 35-Jährige in Deutschland und geht an drei Tagen in der Woche zu verschiedenen Gesprächsgruppen in Hamburg. Deutsch möchte er lernen, so schnell wie möglich, aber auch Freunde kennenlernen, Kontakte knüpfen, sagt er mit spanischem Akzent. Für Saeed, einen der Gruppenleiter, ist es nicht nur der Dialog mit den Menschen, sondern auch der Wunsch etwas zurückzugeben. Er selbst ist aus dem Iran vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen und hat viel Hilfe von anderen Menschen erhalten. Er zeigt eine Dankeskarte von einem ehemaligen Teilnehmer und kleine Lachfalten bilden sich um seine Augen.

Ein Teilnehmer bedankt sich durch eine Karte bei Dialog in Deutsch. Foto: Jannika Grimm
Dankeskarte eines ehemaligen Teilnehmers bei Dialog in Deutsch. Foto: Jannika Grimm

Sprachförderung und Kulturaustausch

Mittlerweile scheint die Sonne in den kleinen Raum im Lokstedter Bürgerhaus. Die Stunde beim Sprachbrücke-Hamburg e.V. ist fast vorbei. Eine der iranischen Frauen berichtet schüchtern von ihrer Ankunft in Deutschland vor mehr als 20 Jahren. Sie erinnert sich, wie sie mit ihren Kindern auf einen Spielplatz ging. Ihre Kinder freundeten sich schnell mit deutschen Kindern an – sehr hat sie sich gewünscht mit einer der Mütter ins Gespräch zu kommen, eine Freundin zu haben. Sie traute sich aber nicht, sprach kaum Deutsch. “Jetzt fühle ich mich wohl”, sagt sie im leisen Deutsch und blickt in die Gesichter der anderen Frauen am Tisch.

 

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