Das Campgarden-Projekt in Eimsbüttel
Auch die Kleinsten sind mit voller Begeisterung bei dem Gartenprojekt dabei. Foto: Ida Wittenberg
Gärtnern mit Flüchtlingen

Das Campgarden-Projekt in Eimsbüttel

Der Arbeiter-Samariter-Bund hat gemeinsam mit der Initiative Hilldegarden e.V. das Projekt “Campgarden” in der Erstaufnahmeeinrichtung Papenreye ins Leben gerufen. Damit sorgen sie nicht nur für sprießende Grünplätze in dem sonst eher tristen Containerdorf, sondern auch für ein schönes Miteinander.

Auch die Kleinsten sind begeistert von dem “Campgarden” Projekt: Mit Schaufeln im Sand buddeln, Würmer, Raupen und Kellerasseln finden, die feuchte Erde zwischen den Fingern spüren – vieles ist für die Kinder neu. Auch das Ernten von Obst und Gemüse ist für die Flüchtlinge eine tolle Erfahrung. Das Gartenprojekt in der Erstaufnahmeeinrichtung Papenreye ist eine Geste an die Bewohner: Ihr seid hier willkommen.

“Campgarden” ist ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Zusammenarbeit mit der Initiative Hilldegarden. Das Projekt soll nicht nur für schöne Plätze in den Außenanlagen der Erstaufnahmeeinrichtung sorgen, sondern auch als Kontaktplattform dienen. “Jeden Mittwoch erzählen uns die Bewohner, wie gut es ihnen tut, arbeiten zu können. Dabei ist die Tätigkeit auch noch eine gute Gelgenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen”, berichtet Uta Warnholtz, die das Projekt für den ASB Hamburg begleitet.

Zwei ehrenamtliche Helfer, Barbara Weigelt und Charlotte Dieckmann, treffen sich seit März immer montags und mittwochs, um mit Flüchtlingen zu gärtnern. Syrer und Afghanen treffen aufeinander und arbeiten mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen: Schöner soll ihr neues zu Hause werden.

Frische Minze für den Tee ist der Hit im Campgarden

“Bei dem Projekt sind keine Dolmetscher anwesend, und das müssen sie auch nicht”, berichtet Barbara Weigelt. “Bei uns läuft alles über die Sinne: Hören, Sehen, Fühlen und natürlich Schmecken.” Mehrere FSJler unterstützen das Projekt. Sie helfen vor allem bei der Betreuung der Kinder: Spiele im Freien sind besonders beliebt.

An den meisten Tagen sind 10 bis 12 Kinder aller Altersgruppen und 7 bis 10 Erwachsene dabei. Manche von ihnen sind kontinuierlich dabei und haben richtig Freude an der Gartenarbeit. Andere schnuppern nur mal kurz rein. Jeder, der hilft, darf auch ernten. Besonders die Frauen freuen sich über die frischen Kräuter zum Kochen. Der absolute Hit ist die frische Minze für den Tee.

Vor einem Jahr im Oktober befanden sich 990 Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung. In Zwölfer-Parzellen waren sie zunächst in den großen Hallen untergebracht. Nach und nach entspannte sich die Lage ein bisschen. Mittlerweile gibt es keine Hallenbewohner mehr – alle Bewohner haben ein Stück mehr Privatsphäre durch den Einzug in die Container erhalten. 220 Flüchtlinge befinden sich aktuell auf dem Gelände. Auch wenn es eine Erstaufnahmeeinrichtung ist, sind 50 Prozent von ihnen seit mehr als einem Jahr da.

Das Gefühl, willkommen zu sein

Im Januar hatte der ASB die erste Idee für ein solches Projekt. Im März begann eine Gruppe Ehrenamtlicher gemeinsam mit den Flüchtlingen, Hochbeete und Sitzgelegenheiten zu bauen, um die Aufenthaltsqualität außerhalb der Wohncontainer zu erhöhen. Die Idee hinter dem Projekt war von Beginn an, allen Geflüchteten das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein – auch wenn sie sich nur in einer Erstaufnahmeeinrichtung befinden.

Viele Bekannte und Freunde der Ehrenamtlichen vom ASB und Hilldegarden haben zuerst für das Projekt gespendet. Schnell hat auch der von der Bürgerstiftung Hamburg koordinierte Fonds “Flüchtlinge & Ehrenamt” von dem Projekt erfahren und Geld bereit gestellt. Der Online-Shop für Gartenpflanzen “pflanzmich.de” hat zusätzlich Pflanzen im Wert von über 3.000 Euro gespendet.

Mehrsprachiges Rezeptbuch

Genügend Pläne für den Winter und die kalte Jahreszeit gibt es bereits. Möbel aus alten Paletten sollen gebaut werden, um mehr Sitzmöglichkeiten für den Sommer zu haben. Krokosse und Narzissen wurden bereits eingepflanzt, um etwas Blühendes im Frühling zu haben. Die kalte Jahreszeit soll dazu genutzt werden, um ein mehrsprachiges Pflanzenbuch mit Rezepttipps anzulegen.

Als nächsten Schritt will der ASB auch Anwohner für die Teilnahme an dem Projekt gewinnen, um den interkulturellen Austausch zu fördern. Spenden sind natürlich auch willkommen, gerade für den Winter sind die Ehrenamtlichen noch auf der Suche nach winterblühenden Pflanzen.  Wer Lust auf Gartenarbeit hat oder mehr über die Flüchtlinge erfahren möchte kann sich gerne melden per E-Mail an ehrenamt-niendorf@asb-hamburg.de.

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