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Sewan Latchinian als doch nicht so kaltblütiger Killer, der von Pignon (Jacques Ullrich) in den Wahnsinn getrieben wird. Foto: Anatol Kotte
Theater

„Die Nervensäge“: Hier wird nicht gestorben

Das Stück „Die Nervensäge“ hat in den Hamburger Kammerspielen Premiere gefeiert. Heiter geht es zu, wenn ein Profikiller an einer Nervensäge verzweifelt. Herrlich überdreht gibt Sewan Latchinian, künftiger künstlerischer Leiter des kleinen Privattheaters, den Killer, der langsam, aber sicher die Contenance verliert.

Von Nele Deutschmann

In der Boulevardkomödie Die Nervensäge kommen sich ein eiskalter Killer und ein erfolgloser Selbstmörder in die Quere. So viel sei verraten: Am Ende stirbt niemand.

Schon vom äußeren Erscheinungsbild könnten die beiden Hauptdarsteller nicht unterschiedlicher sein und es entbehrt nicht der Komik, wenn der schmächtige und melodramatische Pignon (Jacques Ullrich) den grobschlächtigen und wortkargen Killer Ralph (Sewan Latchinian) in den Wahnsinn treibt. Anfangs noch beherrscht und konzentriert, verliert der Auftragsmörder zusehends die Fassung.

„Ich will nur meine Ruhe“

Dabei war der Auftrag eindeutig: Ralph soll vom Fenster seines Hotelfensters aus einen Kronzeugen ausschalten, der sich auf dem Weg zum Gerichtsgebäude befindet. Alles ist vorbereitet und durchdacht, aber er hat die Rechnung ohne das personifizierte Chaos Pignon gemacht.

Am Rande des Wahnsinns. Foto: Bo Lahola

Pignon checkt in das Nebenzimmer ein. Von seiner Frau verlassen und in seinem Job als Fotograf nur mäßig erfolgreich, möchte er seinem Leben ein Ende setzen. Nichts könnte Ralph weniger interessieren und dennoch muss er sich einschalten, um zu verhindern, dass die Polizei dem Hotel zu nah kommt. Ungewollt wird er statt zum Killer zum Lebensretter – eine Wendung, die ihm nichts als Ärger einbringt.

Erfolgsregisseur

Francis Veber hat mit Die Nervensäge eine Komödie geschaffen, die ihr humoristisches Potential voll ausschöpft. Nach Vebers Stück entstand das Drehbuch für Die Filzlaus, das zunächst mit Jacques Brel und Lino Ventura und später als Buddy Buddy mit Walter Matthau und Jack Lemmon verfilmt wurde.

In den Kammerspielen hat sich Jean-Claude Berutti der Vorlage angenommen. Bereits in seinen Inszenierungen von Ziemlich beste Freunde, Unsere Frauen und zuletzt Der rechte Auserwählte hat er das Spiel zwischen Tragik und Komik perfektioniert.

Künstlerische Leitung

Nur selten erlebt man es, dass ein künstlerischer Leiter – wenn auch ein zukünftiger – in vollem Körpereinsatz über die Bühne fegt, sogar von eben dieser stürzt und seinen Allerwertesten entblößen lassen muss. Diese Tatsache allein macht das Stück sehenswert.

Vom Pech verfolgt: Killer Ralph wird zunächst sediert und bekommt dann Amphetamine gespritzt. Foto: Bo Lahola

Intendant der Hamburger Kammerspiele, Axel Schneider, hat Sewan Latchinian erst vor Kurzem als künstlerischen Leiter in die Führung des Hauses berufen.

Latchinian, zuletzt Intendant am Volkstheater Rostock, wird ab der Spielzeit 2019/20 das künstlerische Leitungsteam um Axel Schneider und Dramaturgin Anja Del Caro erweitern. Als Regisseur feiert er mit dem Stück Nein zum Geld am 28. April 2019 Premiere.

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