Neue Spielzeit im Grindel: Das steht bei den Kammerspielen auf dem Programm
Erinnern, unterhalten und ins Gespräch kommen: Auf das Publikum der Hamburger Kammerspiele kommt in der neuen Spielzeit einiges zu. Dramaturgin Helke Rüder und Intendant Axel Schneider über das kommende Schauspieljahr.
Von Ella SchinkelMitten im Grindelviertel liegen die Hamburger Kammerspiele. Die gläserne Eingangstür geht auf und zu, im Haus herrscht reges Treiben: Die Sommerpause ist vorbei, die neue Spielzeit beginnt.
Hamburger Kammerspiele: das Theater der Menschlichkeit
In diesem Jahr soll die Stückauswahl erneut nicht nur unterhalten, sondern auch erinnern. Jüdische Geschichten stehen dabei im Fokus – ganz im Sinne der Gründerin des Theaters, Ida Ehre. Das Stück „Nächstes Jahr Bornplatzsynagoge“ kehrt deswegen in das Programm zurück. Mit „Long Ago and Far Away“ von Michael Batz gibt es eine neue Darbietung. Im Mittelpunkt steht Harry Hermann Spitz, jüdischer Musiker und langjähriger Leiter der Musiksparte des NDR nach dem Zweiten Weltkrieg.
“Fast möchte ich es ein ‘Theater der Menschlichkeit’ nennen, ein, ‘Theater des guten Willens.’”
Zitat von Ida Ehre vor Gründung der Kammerspiele 1945
Der Blick richtet sich dabei nicht nur zurück. Mit dem neuen Programm will sich das “Theater der Menschlichkeit” auch gesellschaftlichen Themen der Gegenwart widmen. Mit „Inter Alia“ von Suzie Miller greifen die Kammerspiele Konflikte der Gegenwart auf. Im Mittelpunkt steht eine Richterin, die über Fälle sexueller Gewalt urteilt – bis ihr eigener Sohn der Vergewaltigung beschuldigt wird.
Nicht ohne ein Lachen
Weniger düster wird es in „Nur drei Worte“ von Joanna Murray-Smith. Die Trennung eines vermeintlichen Traumpaars wird darin zum Ausgangspunkt für eine „bissige Gesellschaftskomödie“, wie die Kammerspiele das Stück mit Gesine Cukrowski ankündigen. Das Publikum solle unterhalten werden, „ohne dabei oberflächlich zu werden“, sagen Rüder und Schneider.
Die Kammerspiele haben ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Eigenproduktionen, Wiederaufnahmen, Gastspiele und Koproduktionen kommen in der Spielsaison 2026/27 zusammen. „Wir haben uns viel vorgenommen.“
Die Tatortreiniger gehen in die zweite Runde
Bereits in der vergangenen Saison standen Ulrich Bähnk, Victoria Fleer, Jessica Kosmalla und Alexander Wipprecht gemeinsam zwischen Blut und Leichenteilen auf der Bühne. Nun bringen sie die zweite Staffel „Der Tatortreiniger“ in die Kammerspiele. Das Konzept bleibt gleich: Die vier Schauspieler schlüpfen abwechselnd in die Rolle des Tatortreinigers Schotty. Vier Episoden der Fernsehserie kommen an einem Abend auf die Bühne, jede unter der Regie eines der vier Ensemblemitglieder.
Damit bleibt auch der schräge Humor Teil des Programms. Insgesamt soll die Spielzeit verschiedene Tonlagen zusammenbringen. „Hoffentlich ist für jede und jeden etwas dabei“, heißt es von den Kammerspielen.
Miteinander ins Gespräch kommen
Veränderungen gibt es in der kommenden Spielzeit nicht nur auf der Bühne. Wer künftig auf den roten Samtsitzen Platz nimmt, soll häufiger die Möglichkeit bekommen, selbst ins Gespräch einzusteigen. Die Kammerspiele wollen mehr Einführungsveranstaltungen und Nachgespräche anbieten.
Das Angebot sei bereits in der vergangenen Spielzeit gut angenommen worden und soll nun ausgeweitet werden. Die Kammerspiele sehen darin die Chance, ganz direkt mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, sagen Rüder und Schneider.
Auch für jüngere Theatergäste steht wieder ein Stück auf dem Programm. Diesmal übernehmen Justus, Peter und Bob die Ermittlungen in „Die drei ??? – Der singende Geist“.
Romantik und Deutschrap in den Kammerspielen
Zum Auftakt der neuen Saison gibt es Musik auf der Bühne. Diese Seite habe in der vergangenen Spielzeit etwas gefehlt, sagt Rüder. Das soll sich nun ändern.
Den Anfang macht „Auf Wunder ist Verlass“. Darin werde nicht nur gespielt, sondern auch gesungen und zu mehreren Instrumenten gegriffen. Die Crew des gestrandeten Schiffes „Deutschland“ nimmt das Publikum dabei mit auf eine Reise von Romantik bis Deutschrap.
Für Rüder ist das Stück ein persönliches Highlight. „Ich habe beim ersten Durchlauf durchaus ein Tränchen der Rührung verdrückt“, sagt sie. Das Stück solle Hoffnung und Mut in „nicht immer leichten Zeiten“ machen. Mit ihm starten die Kammerspiele am 3. September in die neue Spielzeit.
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