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Die Osterstraße in Hamburg Eimsbüttel. Foto: Fabian Hennig
An vier Sonntagen im Jahr dürfen die Geschäfte in Hamburg öffnen. Foto: Fabian Hennig
Sonntagsöffnungen

Die Zukunft der verkaufsoffenen Sonntage an der Osterstraße

Viele Eimsbütteler nutzen die regelmäßigen verkaufsoffenen Sonntage an der Osterstraße. Doch die Sonntagsöffnungen sind für den "Osterstraße e.V." teuer und kaum mehr zu finanzieren. Was muss sich ändern?

Von Sophia Kleiner
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„So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen“, sagt Til Bernstein vom Osterstraße e.V., der Verein bewirbt und gestaltet Events rund um die Osterstraße. Bernstein ist mit der Regelung der Sonntagsöffnungen in Hamburg unzufrieden. Die Finanzierung der dafür nötigen Veranstaltungen stellt den Verein vor eine große Herausforderung.

Sonntagsöffnung – nur mit Veranstaltung

Die Sonntagsruhe ist im Grundgesetz verankert: Ein Artikel aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 legt fest, dass am Sonntag die Arbeit liegenbleibt. Ausnahmen gibt es viele: So fallen unter anderem die Feuerwehr, Krankenhäuser und Gaststätten nicht unter die Regelung. Auch Geschäfte sind an einigen Sonntagen im Jahr davon ausgenommen.

Info:

In Hamburg dürfen Geschäfte an bis zu vier festgelegten Sonntagen im Jahr öffnen. Voraussetzung dafür ist, dass Interessengemeinschaften, Einkaufsmeilen oder Shopping-Center eine Veranstaltung organisieren. Ist die Veranstaltung genehmigt, dürfen die Bereiche am jeweiligen Sonntag für bis zu fünf Stunden bis maximal 18 Uhr und außerhalb der Zeit des Hauptgottesdienstes öffnen. Gesetzliche Feiertage sind hiervon ausgenommen.

Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

„Sonntagsöffnungen in Hamburg sind ein riesiges bürokratisches Monster“, sagt Bernstein. Der Verein müsse jedes Mal ein Konzept beim Bezirksamt Eimsbüttel einreichen, das die Wirtschaftsbehörde genehmigen müsse. Oft würden sie erst spät erfahren, dass sie öffnen dürfen. Das mache die Planung einer Veranstaltung unsicher.

2.500 bis 5.000 Euro kostet eine Veranstaltung

Durch das Event sollen mehr Kunden am verkaufsoffenen Sonntag zum Einkaufen in die Osterstraße kommen, erklärt Bernstein. Vereine wie der Osterstraße e.V. könnten dabei aber nicht mit großen Shopping-Centern mithalten: „Wir können es uns gar nicht leisten, eine Veranstaltung groß aufzuziehen. Außerdem agieren wir im öffentlichen Raum und Shopping-Center nutzen private Flächen“, so Bernstein. Auch um die Sonntagsöffnungen mehr zu bewerben, fehlen ihnen die Mittel.

Verkaufsoffener Sonntag Plakat vom 4. November 2018. Foto: Fabian Hennig
Neben der Geschäftsöffnung organisiert der Osterstraße e.V. Veranstaltungen wie beispielsweise Konzerte. Foto: Fabian Hennig

Die Veranstaltungen sind für Vereine wie den Osterstraße e.V. sehr teuer: Zwischen 2.500 bis 5.000 Euro zahlen sie in der Regel dafür, so Bernstein.

Woher kommt das Geld?

Die Kosten nimmt der Verein aus Mitgliedsbeiträgen und Einnahmen durch gesonderte Veranstaltungen, wie dem Osterstraßenfest. Geschäftsleute zahlen abhängig von der Größe ihrer Ladenfläche einen monatlichen Beitrag für die Mitgliedschaft.

An den verkaufsoffenen Sonntagen machen in der Regel ungefähr 50 Prozent der Einzelhändler in der Osterstraße auf, so Bernstein. Nur etwa 12 Prozent der Geschäfte in der Osterstraße seien jedoch Mitglied im Verein und beteiligen sich somit an den Kosten der Veranstaltungen. Manche Läden wiederum können nicht öffnen, weil sie zu klein sind und sich eine Öffnung nicht lohnen würde. Sind sie Mitglied im Verein, finanzieren sie die Veranstaltung aber mit.

Nach der nächsten Sonntagsöffnung im April will der Verein mit dem Bezirksamt überlegen, ob auch Nicht-Mitglieder, die an verkaufsoffenen Sonntagen öffnen, an den Kosten beteiligt werden können. Denn sie können niemanden zwingen, Mitglied im Verein zu sein. Sicher ist aber: Sie müssen eine andere Finanzierungsmöglichkeit finden.

7-Tage-Woche im Internet: Einzelhändler sind benachteiligt

Viele Menschen gingen auch arbeiten – so heilig wie der Sonntag einmal war, sei er schon lange nicht mehr, sagt Bernstein. Trotzdem will er, dass Sonntagsöffnungen „Highlights“ bleiben. Er schlägt vor, weiterhin an zwei festen Sonntagsterminen die Geschäfte hamburgweit zu öffnen. Die beiden weiteren Termine sollen aber die Bezirke bestimmen dürfen.

„Es ist eine wahnsinnige Ungleichbehandlung, dass alle Internetplattformen am Sonntag öffnen dürfen.“ Auch wenn es kaum umzusetzen sei, gerecht wäre, so Bernstein, wenn auch Onlineversandhändler wie Amazon am Sonntag nicht verkaufen dürften.

Nächste Sonntagsöffnung im April

In der Osterstraße sind die Geschäfte sonntags erst wieder am 5. April geöffnet. Dazu will der Osterstraße e.V. wieder eine Veranstaltung organisieren. Dieses Jahr sind die Sonntagsöffnungen weitgehend gesichert: Wie es 2021 weitergeht, bleibt jedoch unklar.

Die verkaufsoffenen Sonntage 2020 finden am 5. April, 27. September und 8. November statt.

Was sagen die Läden zu verkaufsoffenen Sonntagen?

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