Drinnen, draußen, nicht dabei
„Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu“. Am Montag hat in den Hamburger Kammerspielen das Stück „Tür auf Tür zu“ Premiere gefeiert. Ein Drama vom Drinsein, Draußensein und Dabeisein-Wollen.
Von Tanja SchreinerGerade eben war sie noch dabei. „Hach, wir haben uns ja lange nicht gesehen“, „Mensch hast du abgenommen, du siehst wirklich toll aus!“. Ein Händeschütteln hier, Klatsch und Tratsch mit einem alten Bekannten da. Doch dann geht die Frau einen Moment nach draußen. Und kommt prompt nicht mehr rein. „Die Tür ist zu“, informiert sie die sprechende Tür. „Aber ich war doch eben noch drin, ich gehör‘ dazu!“, protestiert sie.
Die Tür geht auf, die Tür geht zu. Neue Gäste kommen, Andere gehen. Verhandeln, betteln, verführerische Strategien. Nichts hilft, die Tür bleibt zu. Auf der Suche nach einer Erklärung beginnt für die Frau eine emotionale Achterbahnfahrt von Panik, Wut und Selbstzweifel, zu Aufbegehren und Resignation. Kein Ansprechpartner, keine Begründung, keine Antwort. „The Person you have called is temporary not available.“
„Tür auf Tür zu“ ist ein anspruchsvolles Drei-Mann-Drama über die Willkür des Ausgeschlossenseins. Schauspielerisch hoch anspruchsvoll fordert das Stück gleichzeitig viel Aufmerksamkeit von den Zuschauern. Langweilig wird es aber definitiv nicht: Die Sprache variiert zwischen musikstückhaften Texten, Satzfragmenten und witzigen Sprachritualen. Besonders Hildegard Schroedter überzeugt mit ihrer schauspielerischen und musikalischen Leistung in der Rolle der ausgeschlossenen Frau. Mit einem verführerischen Tänzchen trällert sie „Lollipop, Lollipop“ und bringt damit das gesamte Publikum zum Lachen.
Witzig ist „Tür auf Tür zu“ auf den Fall, aber sicher auch eine Geschmackssache. So scheint sich auch das Publikum am Ende der Premiere nicht ganz einig zu sein: Manche applaudieren im Stehen, andere klatschen etwas zögerlich und verlassen schnell das Theater.
Die nächste und letzte Vorstellung von „Tür auf Tür zu“ findet am Montag den 14. April um 20 Uhr in den Hamburger Kammerspielen statt.
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