„Hinz und Kunzt“ im Wandel: Eimsbütteler Verkäuferin über die neue Online-Version
Das Straßenmagazin „Hinz und Kunzt“ gibt es jetzt auch als digitale Ausgabe. Eine Verkäuferin aus Eimsbüttel erzählt, wie die neue Online-Version ihren Alltag erleichtert und wie das Angebot bei den Käufern ankommt.
Von Ella SchinkelEingewickelt in eine Fleecedecke sitzt Sonja vor dem Aldi an der Bismarckstraße. Neben ihr liegen die Sonderausgaben von „Hinz und Kunzt“, die sie mit kleinen bunten Lichtern weihnachtlich dekoriert hat. Wer mag, kann die Magazine bei ihr kaufen – sowohl in gedruckter Form als auch die neue Onlineausgabe.
Neuanfang in der Bismarckstraße
„Moin, einen schönen Tag dir“, begrüßt Sonja jeden, der hier vorbeikommt. Seit vier Jahren verkauft sie an diesem Ort die Magazine. Früher stand sie in Niendorf, erzählt sie. In der Bismarckstraße gefalle es ihr jedoch besser. „Die Menschen sind freundlicher, viele nehmen sich Zeit für ein kurzes Gespräch.“ Früher seien die meisten einfach an ihr vorbeigeeilt.
Vor rund zehn Jahren kam Sonja erstmals mit „Hinz und Kunzt“ in Kontakt und erhielt nach einiger Zeit ihren festen Verkaufsplatz. „Als ich meinen Ausweis bekam, kamen mir die Freudentränen“, erinnert sie sich.
„Hinz und Kunzt“ jetzt auch online
Über 500 Obdachlose, wohnungslose, ehemals obdachlose oder in prekären Lebenslagen lebende Menschen verkaufen das Heft für je 2,80 Euro. Die Hälfte des Preises geht an die Verkäuferinnen und Verkäufer – ein kleiner Betrag, der für viele jedoch eine wichtige Einnahmequelle bedeutet.
Inzwischen hat sich das Magazin weiterentwickelt. Neben der bargeldlosen Zahlung über „Hinz und Pay“ gibt es nun auch die Möglichkeit, die Ausgabe digital zu erwerben.
Per QR-Code kaufen
Käuferinnen und Käufer können an den Verkaufsplätzen einen QR-Code scannen, online bezahlen und erhalten das Magazin direkt auf ihr Handy. Der Großteil ihrer Kundinnen und Kunden kaufe weiterhin das Printmagazin, dennoch sei die Online-Version für sie eine Erleichterung, berichtet Sonja. „Früher musste ich gehen, wenn ich ausverkauft war. Heute kann ich sitzenbleiben und weiter verkaufen.“ Häufig steht sie von 9:30 bis 17 Uhr in der Bismarckstraße. Das sei im Winter oft belastend, dennoch sei sie dankbar für diese Chance.
„Hinz und Kunzt“ habe ihr eine neue Perspektive eröffnet. Auch die weiteren Angebote schätze sie – von juristischer Beratung bis zu anderen Hilfen. „Etwas Besseres gibt es nicht“, fasst Sonja zusammen.
Mehr Unterstützung für Obdachlose
„Hinz und Kunzt“ biete Unterstützung, die an vielen anderen Stellen fehle. Immer wieder sehe Sonja Menschen auf der Straße – frierend, ohne warme Kleidung oder Zugang zu medizinischer Versorgung. „Das sind hilfsbedürftige Menschen, denen niemand hilft“, sagt sie.
Oft verweise sie dann an „Hinz und Kunzt“. Das sei eigentlich Aufgabe der Politik, findet sie. Sonja sagt: „Die Aufgabe, diese Menschen zu unterstützen, darf nicht allein bei den Hilfsorganisationen liegen, sondern muss auch von der Politik übernommen werden.“
lokal. unabhängig. unbestechlich.
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