arrow_back_ios Eimsbütteler Nachrichten
fullscreen Michel Abdollahi, wie steht es um Deutschland?
Foto: Tim Bruening

Magazin #14

Michel Abdollahi, wie steht es um Deutschland?

Wir haben den “Berufsmoslem” Michel Abdollahi zum Interview getroffen und uns unter anderem über meckernde Menschen, das Nazidorf Jamel, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen unterhalten. Ein Auszug aus dem neuen Magazin.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

Eimsbütteler Nachrichten: Michel, wie steht es um Deutschland?
Michel Abdollahi: Es kommt darauf an, wann du mich fragst. Und es kommt darauf an, was mir gerade passiert ist. Wenn ich meinen Facebook-Account öffne und sehe, da ist viel Böses reingerauscht, dann denke ich mir, dass die Zukunft schlimm ausschaut. Wenn aber ganz viel Tolles von Leuten drin ist, sehe ich das anders. Wenn ich hier auf dem Kiez rumlaufe, dann ist alles super – also in meiner Welt ist alles super. Aber man hört auch anderes: Der Bürgermeister meinte heute Vormittag zu mir, wenn man nach Billstedt oder Harburg fährt, dann sagen die Leute schon, “das ist nicht mehr mein Stadtteil”. Jetzt gilt es da ein Gleichgewicht zu finden.

Weil es in diesen Stadtteilen im Verhältnis mehr Menschen mit Migrationshintergrund gibt?
Ja, ich kann das schon verstehen. Ich fühle mich auch unwohl damit, wenn ich an einem Ort nur Menschen aus anderen Kulturkreisen sehe. So will ich auch nicht leben. Wenn ich über den Steindamm laufe, kriege ich mich manchmal alle paar Meter mit Leuten in die Haare, die die ganz normalen Regeln, die mir beigebracht worden sind, nicht respektieren. Die Leute, die aus anderen Kulturen kommen, wurden eben anders sozialisiert.

Hast du ein Beispiel?
Letzte Woche habe ich mich dort im Supermarkt mit einer Frau in die Haare gekriegt, weil sie mich ziemlich energisch wegdrängelte und über mich rüber gegriffen hat, um sich eine Gurke zu sichern. Als wären wir im Krieg und das die letzte Gurke auf der Welt. Dabei war da sehr viel Platz und sehr viele Gurken. Auf persisch meinte ich zu ihr: “Wie die Wilden, wie die Wilden, nichts haben diese Leute gelernt, kommen hierher und benehmen sich nicht”. Mit einer sehr spitzen Beleidigung hat sie dann auf persisch geantwortet. Damit waren wir quitt. Es ist nicht so, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund nicht auch über schlechtes Benehmen aufregen. Allerdings rege ich mich darüber auf, wenn Leute das pauschalisieren und sagen, dass alle so sind. Es geht eben um diese Pauschalisierung. Du siehst schon an der Antwort, wie es Deutschland geht – mal so, mal so.

In einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel hast du geschrieben, dass du dich um deine Zukunft in Deutschland sorgst.
Der Brief an Merkel war ja sehr persönlich – das war auch so gemeint. Auf der anderen Seite war es ein offener Brief, der zur Diskussion und zum gemeinsamen Austausch beitragen sollte. Das war wieder so ein Tag, an dem ich dachte, für Deutschland sieht es schlecht aus. An diesem Tag kam der Kriminalitätsbericht der Bundesregierung raus und die NSU-Morde waren aufgrund von Formalien nicht drin. Hinzu kam diese unsägliche Maaßen-Affäre. Ich dachte nur, “Leute, das geht jetzt so nicht, da muss ich etwas dazu sagen.” Die Reaktionen haben gezeigt, dass viele so empfunden haben. Wenn ich den Brief jetzt schreiben würde, hätte ich wahrscheinlich wieder andere Sorgen.

Was bewegt dich jetzt gerade?
Die Berichterstattung über Feinstaub und Silvesterböller ist in diesem Jahr eine andere als 2017/18. Es war das erste Jahr, in dem ich gesagt habe, dass ich keine Rakete in die Luft schicke. Generell wirkt vieles so gesteuert. Damit meine ich nicht fremdgesteuert, eher aus der Masse heraus, schwarmgesteuert. In diesem Schwarm wäre es besser, genauer hinzuschauen und sich zu überlegen, stimmt das jetzt eigentlich. Ein Beispiel: War die Situation in Billstedt nicht immer schon so? Das meinte ich auch zum Bürgermeister: “Herr Tschentscher, das Billstedt-Center war noch nie die Champs-Élysées.” Eine Sache, die man finden kann wie man will, wird von einigen Menschen zu einer Katastrophe hochstilisiert, die so nicht da ist. Die Schuld wird bei den Migranten und dem rot-grünen Senat gesucht und mit diesen Falschinformationen Menschen gegeneinander aufgebracht. Das darf nicht sein.

Findest du, dass bei der Diskussion um Flüchtlinge Themen wie Feinstaub unten durchfallen?
Ja, leider. Wir werden uns in Zukunft sehr darüber ärgern, wenn Redaktionen den Fokus nicht mehr auf solche Themen legen. Medien brauchen Klicks, Resonanz, Verkäufe und Geld. Mit einigen Themen geht das eben besser. Die AfD zum Beispiel hat mit der Hamburger Kulturlandschaft per se ein Problem. In der Bürgerschaft stellen sie dann gerne Anfragen, um damit zu stören und den Laden lahmzulegen. An einem parlamentarischen Austausch haben diese Leute kein Interesse. Vor kurzem gab es wieder so eine Störanfrage, und darauf hat der Kultursenator Carsten Brosda sehr souverän reagiert. Was hat die Presse daraus gemacht? Sie haben nur darüber berichtet, dass die AfD heult und Brosda antwortet. Was in dieser Kulturdebatte überhaupt gesagt wurde und was das Ergebnis davon war und was das für Hamburg bedeutet, darüber wurde wenig berichtet. Wir wissen jetzt nur, AfD und Kultursenator haben sich gefetzt. Das ist doch furchtbar. Wo sind die Inhalte geblieben?

 

Du willst wissen, wie es weitergeht? In unserem aktuellen Magazin #14 gibt es das vollständige Interview zum Nachlesen. Erhältlich ist das Magazin seit 24. Januar am Kiosk oder gleich hier online.

Anzeige

News

16. Februar 2019

Wohnungsbau
Ein Quantum Frust: Kleingärten an der Julius-Vosseler-Straße abgerissen

Bis Ende November mussten die Kleingärtner an der Julius-Vosseler-Straße ihre Lauben geräumt haben - nun wurden die ersten Lauben abgerissen. Der Frust der Gegner des dort zu errichtenden Neubaus beruht ...

Fabian Hennig
15. Februar 2019

Diebstahlhochburg
Fahrraddiebstähle 2018: Eimsbüttel wieder führend

Im Stadtteil Eimsbüttel wurden 2018 wieder einmal die meisten Fahrräder gestohlen. Das ergab eine "Kleine Anfrage" von Dennis Thering (CDU) an den Senat. Insgesamt wurden im Bezirk allerdings deutlich weniger ...

Fabian Hennig
15. Februar 2019

Raubüberfall
Raubüberfall in Eimsbüttel-Süd: Polizei fahndet nach Täter

Gestern Morgen haben zwei Männer einen 55-jährigen Anwohner der Schäferstraße überfallen und dabei gewaltsam eine vierstellige Geldsumme entwendet. Die Polizei sucht nach Zeugen. ...

Anna Korf
14. Februar 2019

Schließung
“Melissa Kebab Haus”: Döner-Imbiss in der Osterstraße schließt

Nach zwölf Jahren Betrieb muss der Dönerladen "Melissa Kebab Haus" in der Osterstraße schließen. Grund dafür ist die Umstrukturierung des Gebäudes. ...

Alicia Wischhusen
14. Februar 2019

Valentinstag
Dating in Eimsbüttel: Und was machst du so?

Eimsbüttel ist Online-Dating Hochburg - Doch wie sieht es mit dem Offline-Flirten aus? Face-to-Face und Speed-Dating bieten eine Alternative. Liebessuchende können an solchen Veranstaltungen auch in Eimsbüttel teilnehmen. Ein Selbstversuch. ...

Eimsbütteler Nachrichten
13. Februar 2019

Stadtentwicklung
Beiersdorfer Stadtquartier: Bürgervertreter für Jury gesucht

Am kommenden Samstag werden die Ergebnisse aus den Themenwerkstätten für das künftige Beiersdorf-Quartier an der Unnastraße vorgestellt. Interessierte können sich bis Donnerstagabend sogar noch für einen Juryposten als Bürgervertreter bewerben. ...

Fabian Hennig
13. Februar 2019

Neuveröffentlichung
Jugendbuch: “Du lernst viel über Freundschaft, Fairness und Loyalität”

"Traumtreffer" heißt ein neues Jugendbuch des Hamburger Autors Julien Wolff. Der Titel verrät es gleich, es geht um Fußball. Genauer um den 15-jährigen Leon, der Profi-Fußballer werden will. ...

Eimsbütteler Nachrichten
12. Februar 2019

Film
“Reiss aus” in den Kinos

Lena und Ulli haben sich ihren Traum verwirklicht, eine Auszeit genommen und sind durch Afrika gereist. Aus dem Videotagebuch der Reise ist der Film “Reiss aus” entstanden, der im März ...

Nele Deutschmann
12. Februar 2019

Schließung
“Atelier 190”: Das Aus für den “Laden mit den Puppen”

Das "Atelier 190" im Eppendorfer Weg 190 - vielen Eimsbüttelern als der "Laden mit den Puppen" bekannt - muss schließen. ...

Nele Deutschmann
11. Februar 2019

Neueröffnung
“Nidus” ist umgezogen

Nachdem ihr Mietvertrag nicht verlängert wurde, musste die Betreiberin des Geschäfts "Nidus" ihre Räumlichkeiten verlegen. Nun wird Wiedereröffnung gefeiert. ...

Nele Deutschmann
9. Februar 2019

Neueröffnung
Neueröffnung: “Tanzsalon” im Sorthmannweg

Letztes Wochenende hat im Sorthmannweg eine ADTV-Tanzschule eröffnet. Die alten Räumlichkeiten werden abgerissen. Deshalb musste der Tanzsalon umziehen und hat nach sechs Jahren Suche eine passende Location gefunden. ...

Anna Korf
9. Februar 2019

Integration
Jeder sechste Hamburger Azubi im Handwerk ist Geflüchteter

Fast 600 Geflüchtete haben im letzten Jahr in Hamburg den Einstieg ins Berufsleben oder auf eine weiterführende Schule geschafft. Darunter auch der 21-jährige Dlovan Osey, der nun eine Ausbildung in ...

Vanessa Leitschuh
8. Februar 2019

Verkehrsinfrastruktur
U5: Dialog mit Bürgern startet am UKE

Heute hat die Hochbahn mit Publikumsbeteiligung im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die erste von vier zentralen Auftaktveranstaltungen durchgeführt. Auch morgen können sich interessierte Bürger im Hauptgebäude des UKE wieder mit den ...

Anna Korf
8. Februar 2019

Personalversammlung
Hamburger Bezirksämter bleiben geschlossen

Am Montag, den 11. Februar, sind von 8 bis circa 14 Uhr alle Hamburger Bezirksämter geschlossen. Grund ist eine Personalversammlung sämtlicher Mitarbeiter. ...

Anna Korf
8. Februar 2019

Geschwindigkeitsbegrenzung
Weidenallee bekommt Tempo 30

Die Weidenallee erhält eine Tempo-30-Geschwindigkeitsbegrenzung, allerdings nicht auf der kompletten Strecke. ...

Fabian Hennig

Unsere Partner

Anzeige