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Symbolbild: Ada v. d. Decken
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Prestige statt Wissenschaft?

Angelika Mayer* arbeitet seit rund 20 Jahren an der Universität Hamburg. Angefangen hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin, seit einigen Jahren ist sie als Professorin an der Fakultät für Geisteswissenschaften tätig. Im Interview mit den Eimsbütteler Nachrichten spricht sie über die prekären Verhältnisse an deutschen Hochschulen.

Von Tanja Schreiner

Eimsbütteler Nachrichten: Was sind die Hauptprobleme von Wissenschaftlern und anderen Beschäftigten an Hochschulen?

Angelika Mayer: Die seit Jahren politisch praktizierte chronische Unterfinanzierung ist definitiv eines der zentralen Probleme. Auch die Raumnot, beispielsweise im Philosophenturm der Universität Hamburg, ist unbeschreiblich. In anderen Universitäten sitzen die Studierenden sogar mit Helmen im Hörsaal, weil immer wieder Steine von der Decke fallen. In Hamburg wurde aus Kostengründen beim Brandschutz gespart. An anderen Instituten fehlt die behindertengerechte Ausstattung. Durch diese unzureichende Ausstattung entstehen natürlich auch Probleme für die Lehrenden und Studierenden.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie ist die Lage an der Universität Hamburg im Vergleich zu anderen deutschen Hochschulen?

Angelika Mayer: Um die Universität Hamburg steht es schlechter als um anderen deutsche Hochschulen. Hier wird seit Jahren gekürzt, obwohl die Studentenzahl stetig zunimmt. Der Grund dafür ist die fehlende Finanzierung von Seiten der Politik. Innerhalb der Universitätsmittelverteilung werden die Geisteswissenschaften merklich benachteiligt, obwohl es hier sehr viel mehr Studierende gibt als beispielsweise in den Naturwissenschaften.

Eimsbütteler Nachrichten: Welche Rolle spielen Drittmittel?

Angelika Mayer: Das Problem in den Geisteswissenschaften ist, dass es zu wenige Finanzierungen über Drittmittel gibt. Im Fachbereich Sprache Literatur Medien wurden wissenschaftliche Mitarbeiter Stellen gestrichen, um Geld einzusparen. Gleichzeitig nutzen die Fakultätsorganisatoren die Finanzierung durch die sogenannte Kopfgeld-Regel der Hochschulpakt-Mittel: Je mehr Studenten es in einer Fakultät gibt, desto mehr zusätzliche Mittel werden den Instituten zur Verfügung gestellt. Mitarbeiterstellen, die früher jedem Professor im Etat dauerhaft zugewiesen wurden, werden nun über diese Mittel kurzfristig finanziert. Das bedeutet eine große Planungsunsicherheit sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Professoren.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie haben sich die Verhältnisse an deutschen Hochschulen in den letzten Jahren entwickelt?

Angelika Mayer: Die Situation ist in den 20 Jahren schlimmer geworden. Die Finanzierung ging deutlich zurück. Insgesamt ist eine Entmachtung und Entdemokratisierung des Hochschulbetriebs zu beobachten. Die Mitarbeiter haben weniger Mitbestimmung, und das zu Gunsten des Präsidenten. Dieser ist für sehr zentrale Entscheidungen verantwortlich, wie beispielsweise die Berufung von Professoren. Wurde diese früher von Berufungskommissionen beschlossen, haben diese mittlerweile nur noch eine Vorschlagsfunktion.

Eimsbütteler Nachrichten: Anfang des Jahres hat die Wissenschaftsbehörde mit den Hochschulen, Gewerkschaften und Personalräten Pläne zur Verbesserung der Beschäftigungsverhältnisse (u.a. längere Laufzeiten für Arbeitsverträge, angemessene Bezahlung) entschieden. Was halten Sie davon?

Angelika Mayer: Noch ist eine Verbesserung nicht zu bemerken. Generell ist es eine positive Entwicklung, dass wissenschaftlichen Mitarbeitern jetzt 2-Jahres-Verträge zugesichert werden. Das gibt ihnen mehr Planungssicherheit. Grotesk wird es aber, wenn man bedenkt, dass in einigen Fachbereichen als Einsparmaßnahme wissenschaftliche Mitarbeiter Stellen ganz abgeschafft werden. Dann bringt auch die 2-Jahres-Regelung nichts mehr.

Eimsbütteler Nachrichten: Die Pläne soll jede Hochschule entsprechend den spezifischen Gegebenheiten umsetzen. Inwiefern besteht darin eine Gefahr?

Angelika Mayer: Natürlich ist das eine Möglichkeit die Regeln zu unterlaufen, zum Beispiel die Finanzierungssicherheit für lange Verträge. Durch die Vorgabe spezifischer Gegebenheiten haben die Hochschulen die Möglichkeit die vorgeschriebenen Maßnahmen nicht umzusetzen.

Eimsbütteler Nachrichten: Was fehlt Ihrer Meinung nach?

Angelika Mayer: Am dringendsten fehlt es an einer ausreichenden Finanzierung der Universität. Die aktuelle Finanzierung ist einfach grotesk. Nach dem Gießkannenprinzip wird die Einsparungsnote auf alle Bereiche verteilt. Aber am tatsächlichen Finanzbedarf der Universität gibt es definitiv nichts mehr, was man noch einsparen könnte.

Eimsbütteler Nachrichten: Was sollte verändert werden?

Angelika Mayer: Statt private Hochschulen zu fördern sollte man lieber die staatlichen unterstützen. Für Prestigeobjekte gibt es Geld ohne Ende, aber bei Sachen, die den Menschen wirklich etwas bringen, wird gespart. So werden Milliarden in den Bau der Elbphilharmonie und die Planung einer neuen U-Bahn Linie gepumpt, anstatt in die Stadtverwaltung, wo das Geld dringend gebraucht wird.

* Name von der Redaktion geändert

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