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Protest im Grindelviertel

Am Donnerstag hat von 12 bis 16 Uhr die Aktion des Grindel e.V. „Support your local dealer!“ stattgefunden. Als Protest gegen den Online-Handel verhängten 60 Geschäfte im Grindelviertel ihre Schaufenster. Eine Woche lang werden keine Pakete angenommen. Die Aktion fand große Aufmerksamkeit.

Von Nora Helbling
Jimmy Blum vor seinem verhängten Laden. Foto: Nora Helbling
Jimmy Blum vor seinem verhängten Laden. Foto: Nora Helbling

Im Grindelviertel ist an diesem Tag viel Presse unterwegs. Bei Jimmy Blum, dem Initiator der Aktion, ist der Andrang besonders groß. Sein Secondhandgeschäft „Jimmy“ in der Hartungstraße gibt es seit bald 14 Jahren. „Wir möchten den Leuten die Augen öffnen und sie sensibilisieren für die Auswirkungen, die der Online-Handel auf den Einzelhandel hat.“ Die verhängten Schaufenster sollen zeigen wie es aussehen kann, wenn im Viertel die Einzelhändler dicht machen müssen. Die Pakete, die die Zusteller sonst in den Geschäften abgeben, werden eine Woche lang nicht mehr angenommen.  „Jeder Euro der im Internet ausgegeben wird, geht dem Einzelhandel verloren. Bei vielen ist der Umsatz in den letzten Jahren deutlich gesunken“, sagt Blum.

Viele positive Rückmeldungen

Die Rückmeldungen seien überwältigend und überwiegend positiv: “Ich bekomme aus ganz Deutschland E-Mails und Anrufe und alle sagen: Super Aktion, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht!“ erzählt der Ladenbetreiber.

Die Paketboten wurden ihre Pakete in dieser Woche nicht los. Foto: Rebecca Wulf
Die Paketboten wurden ihre Pakete in dieser Woche nicht los. Foto: Rebecca Wulf

Auch auf der Straße werden Fußgänger auf die Boykottplakate in den Schaufenstern aufmerksam. Die Zustimmung ist groß, im Internet einkaufen, das tun natürlich viele. „Aber ich versuche die lokalen Händler zu unterstützen. Ich bestelle nichts, was ich nicht auch in der Stadt bekommen kann“ erzählt ein junger Mann, der vorbeispaziert.

Eine gesellschaftliche Frage: Wie wollen wir leben?

Eine Seltenheit ist da Wulf Ohlenbusch vom Reisebüro „Apropos Reisen“. Er habe noch nie etwas im Internet bestellt. Die Reise- bzw. Touristikbranche leidet jedoch schon lange am Internethandel. Den Vorteil des Einzelhandels, die persönliche Betreuung und Beratung, das nehmen viele Kunden nicht mehr in Anspruch. Dabei sei es im Einzelhandel nicht unbedingt teurer.

Das verhängte Reisebüro "Apropos Reisen". Foto: Nora Helbling
Das verhängte Reisebüro „Apropos Reisen“. Foto: Nora Helbling

Es sei aber auch ein gesellschaftliches Problem, so Ohlenbusch. Nur noch im Internet bestellen und leben. Morgens zur Arbeit, abends zurück, und sonst nichts. „Dabei geht doch auch ein soziales Leben komplett verloren.“

Eine langfristige Strategie ist nötig

Es kam aber auch vor, dass Kunden wieder angewiesen sind auf die kleinen Läden und die persönliche Beratung. Beispielsweise beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull und der darauf folgenden Aschewolke, die den Flugverkehr teilweise lahmlegte. Die Hotlines im Internet waren überlastet, nichts ging mehr. „Wir konnten von hier aus noch Umbuchungen vornehmen. Viele waren hilflos und extrem dankbar, dass wir was tun konnten. Solche Szenarien sind aber leider schnell wieder vergessen“, sagt Wulf Ohlenbusch.

Der Medienrummel um die Aktion im Grindelviertel ist enorm. Langfristig brauchen die Läden aber eine Strategie um mit dem wachsenden Online-Handel mitzuhalten. Ansonsten ist auch diese Aktion möglicherweise so schnell vergessen wie die Aschewolke.

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