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Was hört Eimsbüttel? Oft hupende Autos und quietschende Reifen, manchmal Vogelzwitschern, selten nichts. Über laute und leise Orte und wie Lärm Wege weist. Foto: Niklas Rademacher / rawpixel
Wo ist Eimsbüttel besonders laut, wo leise? Ein Spaziergang durch das Viertel. Fotos: Niklas Rademacher / rawpixel
Geräusche

Stadtlärm: Piano & forte

Was hört Eimsbüttel? Oft hupende Autos und quietschende Reifen, manchmal Vogelzwitschern, selten nichts. Über laute und leise Orte und wie Lärm Wege weist.

Von Julia Haas

Eine Ente knattert über die Osterstraße. „Dass es die noch gibt”, wundert sich Axel Fandrey, „die waren schon in den 80ern klapprig.” Der 52-Jährige hört, woher das Auto kommt und wohin es fährt – ohne es zu sehen.

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Seit 1999 wohnt Axel Fandrey in der Schwenckestraße. „Damals habe ich noch gesehen. Vor neun Jahren ging dann das Licht aus.“ Er erkrankt an Retinitis pigmentosa, einer Augenkrankheit, die ihm die Sehkraft raubt. Auf einem Auge sieht er noch leichte Schatten, „das war’s“. Als der eine Sinn verschwindet, lernt Fandrey, die anderen neu zu verstehen. Heute ist es der Lärm, der ihn durch Eimsbüttels Straßen leitet. Er schenkt ihm Orientierung, wo andere Wegweiser stumm bleiben.

Wo Eimsbüttel laut ist

Wenn das Blindenleitsystem am Boden endet, Ampeln und Fußgänger schweigen, muss Fandrey darauf vertrauen, die Verkehrsgeräusche richtig zu deuten. Das Gute: „Autos sind laut.”

Orte, die besonders laut sind, wo ein hoher Lärmpegel und viele Einwohner aufeinandertreffen, werden im Lärmaktionsplan der Stadt Hamburg festgehalten. Zu den sogenannten „Lärmbrennpunkten” in Eimsbüttel zählen die Grindelallee in Rotherbaum, die Elbgaustraße in Eidelstedt, der Sportplatzring in Stellingen. Und: die Fruchtallee und die Kieler Straße. Renate Pinzke von der Umweltbehörde bezeichnet sie als Hauptlärmquellen in Eimsbüttel.

Für Fandrey sind die viel befahrenen Straßen Fluch und Segen. Auf dem Weg zu seinem Lieblingsbäcker, Café Peukert in der Fruchtallee, bleibt Fandrey an der Ecke Lappenbergsallee/Heußweg stehen. Vor ihm leuchtet die Fußgängerampel rot, dann grün, wieder rot. Weil der Farbwechsel tonlos bleibt, es keine Blindenampel gibt, wartet Fandrey ab. Er wirkt ruhig. Nicht entspannt, aber konzentriert. Ein LKW rauscht in Richtung Kieler Straße, Motoren heulen auf, Reifen quietschen. Um die Straße zu überqueren, muss er die Geräusche verstehen.

Die tonlose Ampel

Fandrey zeigt auf die Fahrzeuge, die von der Fruchtallee kommend an der Ampel halten: „Wenn die losfahren, habe ich grün.” Das zu hören, erfordere Übung. Dann auch loszugehen, Mut. Manchmal bleibt er mehrere Ampelschaltungen stehen, nimmt die Geräusche wahr, ordnet sie ein. Fandrey zeigt auf seinen Blindenstock in der rechten Hand: „Natürlich habe ich keine Schuld, wenn mich einer umfährt, aber was nützt mir das?” Für ihn ist diese Kreuzung das Schwerste in seinem Leben. Alles andere lässt sich so gestalten, dass es funktioniert. Hier an der tonlosen Ampel bleibt das Risiko, dass er die Signale falsch interpretiert, die Konzentration verliert. Als die Autos auf der Fruchtallee losrollen, läuft Fandrey los.

Wo Eimsbüttel leise ist

Die Umweltbehörde setzt sich derweil dafür ein, dass die Stadt ruhiger wird. Im Bezirk Eimsbüttel gebe es deutliche Fortschritte im Lärmschutz, so Pinzke. Zum Beispiel durch die Lärmdeckel der A7 in Schnelsen und Stellingen. Um an den Hauptverkehrsstraßen Ruhe zu schaffen, seien stadtplanerische Maßnahmen notwendig. Und: Die Mobilitätswende könnte für Entlastung sorgen.

„Natürlich ist Lärm anstrengend”, sagt Axel Fandrey. Auch für ihn. Vielleicht besonders für ihn, der die Geräuschkulisse nicht ausblenden kann, die ihm das in Erinnerung ruft, was er nicht mehr sehen kann. Das Problem: Solange Leitsysteme für Blinde wie vor der U-Bahn-Haltestelle Emilienstraße abrupt in einen Fahrradständer münden, ist Fandrey auf den Lärm angewiesen. Er kann nachvollziehen, dass sich der moderne Tesla angenehmer fährt als die klapprige Ente. Doch die Vorstellung, dass geräuschlose E-Autos durch die Straßen fahren, bereitet ihm Kopfzerbrechen.

„Alleine würde ich mich nicht in einen Park setzen”

„Links kommt etwas Ruhiges”, sagt Axel Fandrey, als er von der Fruchtallee kommend die Emilienstraße überquert: der Wehbers Park. Keine Motorengeräusche, dafür zwitschernde Vögel, Kinder, die über den Spielplatz rennen, Skater, die über Betonblöcke gleiten.

Was sagt der Lärmaktionsplan zu Eimsbüttels Ruheorten? Sogenannte ruhige Gebiete, die einen festgelegten Lärmpegel nicht überschreiten und mindestens 50 Hektar groß sind, gibt es im Bezirk keine. Lediglich das Alstervorland zählt als „Ruheinsel” – also eine kleine Fläche, „die von der Bevölkerung genutzt wird, um Ruhe zu finden”.

Ruhe finden: Axel Fandrey fällt das an öffentlichen Orten schwer. „Alleine würde ich mich nicht in einen Park setzen.” Sein Rückzugsort ist sein Balkon in der Schwenckestraße. Hier ist ihm die Ruhe vertraut. Hier braucht er keinen Lärm, um sich zurechtzufinden.

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