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Standen auch selbst am Samstag ganz im Zeichen der mexikanischen Tradition: Anemone Zeim, Madita van Hülsen, Melanie Torney und Ina Hattebier (v.l.) von der "Initiative Trauernetzwerk". Foto: Julia Dziuba

Tod ist nicht tot

Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche wurde in der Eimsbütteler Agentur „Vergiss mein Nie“ am Samstag der Tod gefeiert – angelehnt an das mexikanische Totenfest „Día de los Muertos“. Bunt, ironisch, nachdenklich. Anders.

Von Julia Dziuba

Die Gäste sitzen an einem langen Holztisch, der übersät ist mit Filzstiften. Sie malen Mandalas, Formatvorlage ist ein Totenkopf. Mehrere fertige Exemplare hängen bereits an der Wand dahinter, in direkter Nachbarschaft zu kleinen, in Folie verpackten Totenköpfen aus einem Puderzucker-Eiweiß-Gemisch, die mit bunten Hüten oder Sonnebrillen ausgestattet sind. Gelb-orange Seidenblumen-Girlanden zwirbeln sich durch den Raum, im Hintergrund läuft leise mexikanische Musik.

Im „Vergiss mein Nie“, einer Agentur für Trauerbegleitung und Erinnerungen, werden die Toten gefeiert. Dass dies kein Widerspruch ist, stellt das mexikanische Vorbild, der „Día des los Muertos“, jedes Jahr vom 31. Oktober bis zum 2. November anschaulich unter Beweis.

Fest mit und für die Toten

An diesen Feiertagen, so der Volksglaube, kehren die Seelen der Verstorbenen zu ihren Familien zurück – ihnen zu Ehren werden Straßen und Wege mit den gelben und orangen Cempasúchil-Blumen (Totenblumen) geschmückt. Sie sollen den Toten den Weg nach Hause zu weisen, wo ein großes Fest mit und für sie gefeiert wird. Die Angehörigen errichten Altäre, sogenannte ofrendas, die unter anderem mit den Lieblingsspeisen und Getränken der Verstorbenen, aber auch Erinnerungsstücken gedeckt sind. Zudem werden Skelette und Totenköpfe aus den verschiedensten Materialien hergestellt und – im Falle der zuckrigen Variante (calaveras) – unter anderem an Freunde verschenkt, um den Sieg der Freundschaft über den Tod zu symbolisieren.

Hinter der Eimsbütteler Variante dieses Totenfestes steht das „Netzwerk Trauerkultur“. Es besteht aus der Künstlerin und Trauerbegleiterin Ina Hattebier, die in ihrem Atelier die Eigengestaltung von Urnen und Sargbeilagen anbietet, sowie der Designerin Melanie Torney. Sie hat sich unter anderem auf Erinnerungsbücher, Kondolenz- und  Trauerkarten spezialisiert. Dazu kommen Anemone Zeim und Madita van Hülsen, die seit Anfang des Jahres im „Vergiss mein Nie“ in Eimsbüttel Trauerbegleitung, Workshops und „kreative Erinnerungsarbeit“ in Form individuell angefertigter Erinnerungsstücke anbieten – von Foto-Collagen, über umgemodelte Kleindungsstücke bis zu größeren Events, die beispielsweise auf ein Hobby des Verstorbenen Bezug nehmen.

Foto: Julia Dziuba
Mandalas in Totenkopf-Optik konnten von den Gästen individuell gestaltet werden. Foto: Julia Dziuba

Raus aus der Tabuzone

Natürlich sei die Arbeit mit solchen Erinnerungen auch Trauerarbeit, erklärt Madita van Hülsen – aber: „Die meisten Erinnerungen sind schön. Und ganz bunt. Und überhaupt nicht traurig“. Wichtig seien ihr und ihrer Kollegin Anemone dabei ein angstfreier und offener Umgang mit dem Tod, der immer noch gesellschaftlich tabuisiert werde: „Es müssen sich auch Leute trauen, darüber zu sprechen“, findet van Hülsen. „Eigentlich beschäftigen sich viele mit dem Thema.“

Zudem möchten van Hülsen und Zeim in ihrer Beratung auch den Druck von den Betroffenen nehmen, mit ihrer Trauer möglichst schnell abzuschließen – die Gesellschaft sei  zu sehr auf schnelles Trösten und allgemeine Fröhlichkeit gepolt, findet van Hülsen: „Manchmal erleichtert es Trauernde schon einfach, wenn man sagt, es ist auch normal, dass du nach Monaten und Jahren immer noch traurig bist“. Trauer verändere sich, sei aber „niemals weg“. Außerdem wollen van Hülsen und Zeim den Betroffenen Anregungen geben, was die konkrete Gestaltung des Abschieds und des Trauerprozesses angeht: „Wir sagen, Du darfst es, wenn du möchtest, auch ein bisschen anders machen“, erläutert van Hülsen – wer es lieber klassisch mag, habe hier aber ebenfalls alle Möglichkeiten.

Dass die Bereitschaft und das Interesse für einen offenen und gleichzeitig individuelleren Umgang mit Tod und Trauer vorhanden ist, lässt sich an einzelnen Post-Its ablesen, die unter der Fragestellung „Hast du Ideen für das Totenfest hierzulande?“ von den Besuchern im „Vergiss mein Nie“ aufgehängt wurden: „Lieblingslied von jemandem auf Friedhof laut singen und tanzen“ steht dort. „Öffentliche Orte in meiner Nähe.“ Oder einfach „Mehr Schokolade.“

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