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“Peter Scholl-Latour der Generation Twitter”. Foto: Dennis Gastmann
“Peter Scholl-Latour der Generation Twitter”. Foto: Dennis Gastmann

Unser Mann in Absurdistan

Interview mit dem satirischen „Weltreporter“ und Eimsbütteler Dennis Gastmann, der Mittwoch Abend im Übel & Gefährlich aus seinen Büchern liest, Filmausschnitte zeigt und Stories von unterwegs erzählt.

Von Moritz Gerlach
“Peter Scholl-Latour der Generation Twitter”. Foto: Dennis Gastmann
“Peter Scholl-Latour der Generation Twitter”. Foto: Dennis Gastmann

Die Betriebskantine des Bezirksamts. Ich sitze an einem der höchsten Punkte Eimsbüttels. Wo sich normalerweise Sachbearbeiter  den Frust von der Seele reden, bin ich mit einem wahren Mann von Welt verabredet.

Dennis Gastmann (35) reist seit Jahren für das NDR-Auslandsmagazin Weltbilder um den Erdball. Für seine Serie “Mit 80.000 Fragen um die Welt” wurde er mehrfach ausgezeichnet. Vergangenes Jahr marschierte er zu Fuß von Eimsbüttel nach Canossa (Norditalien), um für seine Sünden zu büßen. Wenn Gastmann nicht gerade mit liebevollem Blick für das Absurde den Planeten durchstreift, isst er im Bezirksamt eine Currywurst. Ich treffe ihn an den Fahrstühlen.

EN: So eine Paternosterfahrt hat doch was, oder?

Dennis Gastmann: Es gibt wenige Dinge, vor denen ich mehr Angst habe. Irgendwie fürchte ich immer, dass ich auf dem Kopf wieder runter komme, wenn ich mit dem Ding zu weit fahre.


EN: Das wundert mich. Wie ich gehört habe, hast Du einen Stierkampf in Sevilla überstanden, wurdest vom russischen Geheimdienst verhaftet und hast einen Fuß nach Nordkorea gesetzt…

Dennis Gastmann: …das stimmt. Aber die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Und außerdem war der Stier in Sevilla eine kleine Kuh…


EN: …die deutlich gewonnen hat.

Dennis Gastmann: Das muss ich zugeben, ja.


EN: Dennis, was waren deine letzten Reiseziele?

Dennis Gastmann: (lacht) Künzelsau und Doha.


EN: (lacht) Okay, wo liegt Doha?

Dennis Gastmann: (lacht schon wieder) Okay, der war gut. Na, ich würde sagen Doha liegt etwa 6.000 Kilometer südlich von Künzelsau.


EN: Und was hast du da gemacht?

Dennis Gastmann: Das darf ich Dir leider nicht sagen… Nur soviel: Es hat mit einem neuen Buchprojekt zu tun.


EN: Beides? Künzelsau und Doha?

Dennis Gastmann: Hach ja, ich führe ein echtes Jetset-Leben, nicht wahr? Heute Eimsbüttel, morgen Künzelsau. Pass auf: Ein bisschen was verrate ich heute Abend auf meiner Lesung im Übel & Gefährlich. Das darf der Verlag aber nicht mitbekommen…

Endlich nach der langen Reihe  hungriger Beamter an der Essensausgabe angekommen entscheide ich mich für ein westfälisches Pfeffergulasch, Gastmann bestellt ganz weltmännisch einen Schweizer Rösti mit Blumenkohl.

EN: Die Bezeichnung “Weltreporter” ist Ironie, oder?

Dennis Gastmann: Na klar, das ist nicht ernst gemeint. Jemand nannte mich auch mal den “Peter Scholl-Latour der Generation Twitter”, was zwar schmeichelhaft aber genauso falsch ist. Scholl-Latour ist ein Wissender, ich bin ein Fragender. Es geht ja darum, dass die Zuschauer die Welt durch meine Augen erleben können. Ich bin da nur das Mittel zum Zweck. Irgendwie gefällt es den Menschen, mich altes Provinz-Ei in die verrücktesten Situationen zu schicken. Die Frage “Wie voll sind tausend Russen?” hat mich zum Beispiel in echte Schwierigkeiten gebracht: Ich wurde in einer russischen Sauna in Kaluga mit glutheißen Birkenblättern gequält, bevor der Wodka auf den Tisch kam. Die Zuschauer mochten es. Manchmal denke ich, sie haben eine sadistische Seele.


EN: Mit “altes Provinz-Ei” willst Du sagen, dass Du gebürtig aus Osnabrück kommst. Was unterscheidet das Leben in Eimsbüttel vom Rest der Welt? Also beispielsweise von Osnabrück?

Dennis Gastmann: Das ist schwer zu vergleichen. Als ich vor vierzehn Jahren als Student an die Uni Hamburg kam, war Eimsbüttel für mich so aufregend wie New York. Heute ist das Viertel meine Homebase und mein Ruhepol. Machen wir uns nichts vor: Hamburg ist zwar das Tor zur Welt. Aber eben nur das Tor.

EN: Wie bist du eigentlich nach Hamburg gekommen?

Dennis Gastmann: Mit meinem weißen Volvo 440 Turbo. Das Ding konnte bergab fast 200 km/h fahren und hatte hinten einen Riesenspoiler. Leider musste ich es vor zehn Jahren verkaufen, weil ich als Student die Reparaturen und Versicherungen nicht mehr bezahlen konnte. Ich habe damals im Pferdestall Politik und Journalistik studiert, danach zog es mich ins ferne Lokstedt zum NDR – erst zur Satiresendung extra3, dann zu den Weltbildern in die Auslandsredaktion.


EN: Seitdem bist du viel herum gekommen. Du hast für den NDR, den WDR und den Rowohlt Verlag über fünfzig Länder bereist. Wie viele Stempel hat dein Reisepass?

Dennis Gastmann: Ich musste mir bereits einen zweiten zulegen. Der erste war voll und fiel langsam auseinander. Am Flughafen haben sie mich schon gefragt, ob ich ihn mal mitgewaschen habe.

Dennis Gastmann hat den Rösti verdrückt und holt uns zwei Kaffee. Das Bedienen habe er letztens auf einer Butlerschule in den Niederlanden gelernt, erzählt er. Eine weitere Episode aus seinem geheimen Buchprojekt.

EN: Deine Lesereise “Mit 80.000 Fragen um die Welt – Storys und Filme von Nordkorea bis Absurdistan” beginnt am Mittwoch in Hamburg. Bist Du schon aufgeregt vor Deinem Auftritt im Übel & Gefährlich?

Dennis Gastmann: Sehr. Ich bin immer nervös, aber diesmal ist es besonders schlimm, weil ich wahrscheinlich viele Leute persönlich kenne. Das ist so ein bisschen wie Flöte spielen an Heiligabend. Bloß keinen Fehler machen – die Verwandtschaft hört zu! Aber am Samstag wird es noch übler und gefährlicher: Ich lese in Osnabrück…


EN: Oha. Was erwartet uns denn Mittwoch Abend?

Dennis Gastmann: Ich denke “Übel und Gefährlich” trifft es als Motto schon ziemlich gut. In den letzten Tagen habe ich meine Archive durchforstet und ein paar wirklich seltsame Dinge aus aller Welt gefunden. Manche wurden nie gezeigt. Außerdem geht es um Liebe. Und um Türen.

EN: Um Türen?

Dennis Gastmann: (lacht) Mensch, ich will doch noch nicht alles verraten. Es wird auf jeden Fall besinnlich, liebevoll und kalorienreich. Ich freue mich drauf.


EN: Wir auch! Und guten Appetit.

Lesung „Mit 80.000 Fragen um die Welt“ am Mittwoch, 18.12.2013 um 20:00 Uhr im Übel & Gefährlich (Hamburg), Karten gibt es hier… 

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