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Prof. Barbara Plankensteiner in ihrem Büro im hinteren Teil des Museums. Foto: Fabian Hennig
Interview

Völkerkundemuseum: „Wir werden über einen neuen Namen nachdenken“

Seit rund sieben Monaten ist Barbara Plankensteiner die neue Direktorin des Hamburger Museums für Völkerkunde. Wir haben uns mit ihr über ihren neuen Job und Eimsbüttel unterhalten.

Von Fabian Hennig

Im April fing die gebürtige Italienerin aus Bozen die schwierige Nachfolge von Wulf Köpke an, der zur Polizei wechselte. Barbara Plankensteiner hat in Wien Ethnologie und Philosophie studiert und vor der Herausforderung in Hamburg als Kuratorin in der Abteilung afrikanische Kunst an der Yale University Art Gallery in den USA gearbeitet. Wir haben sie in ihrem sehr großen und hellen Büro getroffen. 

Eimsbütteler Nachrichten: Sie sind die neue – oder mittlerweile nicht mehr ganz neue – Direktorin des Museums für Völkerkunde Hamburg. Wie haben sie die ersten Monate im Museum verbracht?

Barbara Plankensteiner: Für mich ist sehr vieles neu: Ich arbeite das erste Mal in Deutschland und muss natürlich das Haus kennenlernen. Was sind die Anforderungen, woran wollen wir in Zukunft arbeiten? Das wird sicher noch bis Ende des Jahres gehen. Mein Vorgänger hat das Haus 20 Jahre lang geleitet und vieles geleistet. Wenn jemand neu kommt und andere Schwerpunkte setzen will, gibt es viel zu tun. Die aktuelle Frage ist, wie wir uns in Zukunft positionieren wollen.

Was steht für die Besucher die nächsten Monate an?

Im Dezember wird eine große Korea-Ausstellung eröffnet, die seit Jahren vorbereitet wird. Und zur Mongolei-Sammlung konnten wir noch schnell eine kleine Ausstellung organisieren. „Nomadic Artefacts-Objektgeschichten aus der Mongolei“ wurde am 22. September eröffnet und basiert auf einem Forschung- und Kooperationsprojekt mit der Mongolei. Dabei geht es um eine große Sammlung von Hans Leder, der um die Jahrhundertwende in der Mongolei geforscht und gesammelt hat.

Ihr Interesse bestand doch schon früher an der Mongolei?

Ja, das ist aber ein Zufall. Während meines Studiums habe ich mich für Zentralasien interessiert – und für die Mongolei. Nach meiner Ankunft hier musste ich mich schnell für eine Ausstellung entscheiden, die gut recherchiert sein sollte. Wegen meiner Kontakte und der bestehenden Grundlagen konnten wir das Projekt schnell realisieren. Das hat aber auch mit unserer Sammlung zu tun, die wirklich sehr spannend ist. Das ganze Projekt ist richtungsweisend für uns, weil es auf einer Kooperation mit mongolischen Kollegen basiert und verschiedene Blickwinkel auf die Objekte inkludiert.

Inwiefern können Sie Ihre Erfahrung aus Ihren vorherigen Stationen Wien und Yale nun einfliessen lassen?

Die Kombination meiner letzten Arbeitsstätten ist ganz wichtig. Einerseits ein ethnografisches Museum, das sich neu positioniert hat, woran ich maßgeblich beteiligt war. In Wien haben wir uns viele Fragen gestellt, in welche Richtung ein ethnografisches Museum heutzutage gehen sollte. Meine Zeit in Yale fand ich deswegen sehr spannend, weil es ein eher klassisches Kunstmuseum war. Wir haben in unseren Beständen bedeutende Werke außereuropäischer Kunst, die vielleicht in unserer Museumslandschaft zu wenig gewürdigt wurden. Zudem sind ethnografische Museen die einzigen Museen, die Kunst und Kulturen aus der ganzen Welt repräsentieren.

Das Kaifu-Freibad. Quelle: Bilder © 2017 Google, Kartendaten © GeoBasis-DE/BKG (©2009), Google

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Welche Völkerkundemuseen weltweit faszinieren sie?

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt viele Museen, bei denen ich ganz unterschiedliche Aspekte gut finde. Generell finde ich die Museumsneugründungen in Frankreich sehr spannend. Das „Mucem“ in Marseille oder das „Musée du quai Branly“ in Paris. Die beiden haben ein sehr interessantes Programm. Das ist von der finanziellen Ausstattung aber unvergleichlich. Damit kann kein Museum in Deutschland konkurrieren. Ich glaube auch, dass wir mit dem Weltmuseum Wien wichtige Zeichen gesetzt und einen guten Weg eingeschlagen haben.

Was ist die Aufgabe von Völkerkundemuseen heutzutage?

Ethnografische Museen müssen sich neu positionieren, weil wir in der heutigen Gesellschaft eine andere Rolle spielen müssen. Es geht darum, dass wir kritisch die Geschichte unserer eigenen Institution hinterfragen. Wie zum Beispiel unsere Sammlung im Kontext der kolonialen Aneignung der Welt entstanden ist. Wichtig ist hier eine differenzierte Betrachtung, dass die Sammlung nicht nur durch Kolonialkriege oder kolonialen Aneignungen entstanden ist. Schon im 19. Jahrhundert wollte man die Kulturgeschichte außerhalb Europas verstehen. Es war ein wichtiges wissenschaftliches Anliegen. Die kolonialen Verflechtungen müssen allerdings erforscht werden – und in unseren Ausstellungen vermittelt werden.

Also muss sich das Völkerkundemuseum in den Projekten selbst reflektieren?

Ethnographische Museen waren lange ein Ausdruck der kolonialen Haltung und Stereotypisierung von Kulturen. Unsere Gesellschaft und die Welt in der wir leben, haben sich grundsätzlich geändert. Wir leben heute in einer globalisierten Gesellschaft. Viele deutsche Staatsbürger kommen aus Herkunftsgebieten unserer Sammlung. Das gibt dem Ganzen eine neue Bedeutung. Die kulturellen Errungenschaften anderer Kulturen müssen anders dargestellt werden, als die Museen es  in der Vergangenheit getan haben. Früher wollte man durch das Völkerkundemuseum die Welt kennenlernen. Das tut man heute über andere Wege.

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Wenn sich der Inhalt des Völkerkundemuseums ändert, sollte dann nicht der Name geändert werden?

Die Namensdiskussion wird noch zu führen sein. Wir sind gerade im Haus dabei, über die Ausrichtung zu sprechen. Das ist ja ein längerer Prozess. Im Zuge dessen werden wir über einen neuen Namen nachdenken.

Von 1871 bis 1878 hieß das Völkerkundemuseum „Culturhistorisches Museum“!

Das stimmt. Es ist interessant, dass man die Institution unter diesem Namen gegründet hat und es nachher in Museum für Völkerkunde unbenannt hat. In der Tat beschäftigen wir uns heute nicht mehr mit Völkern oder Ethnien, die zum Teil auch Konstruktionen der Kolonialmacht sind und waren. Wir befassen uns vielmehr mit den Vernetzungen und Verflechtungen der Kulturen, die unsere gesamte Geschichte geprägt haben.

Und was wird längerfristig im Völkerkundemuseum ausgestellt werden?

Ganz intensiv arbeiten wir an der Dauerausstellung. Wir haben im Haus nicht viel Platz um unserer Sammlung gerecht zu werden. Deswegen werden wir uns auf wichtige Sammlungsbereiche konzentrieren. Eben die, die identitätsstiftend für dieses Haus oder für Hamburg sind. Generell entwickeln wir gerade ein Ausstellungsprogramm und kleinere Projekte für die nächsten Jahre.

Und von den Themen her?

Zum Beispiel ist es auch eine Aufgabe unseres Museums sich mit unbewußten Rassismen zu beschäftigen. Die können sich auch in Stereotypisierungen oder Folklorisierung von Kulturen äußern. Das wollen wir kritisch hinterfragen und haben gewissermaßen eine gesellschaftliche Rolle. Unser Plan ist es, uns mit Migrationsgemeinschaften auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Um ein Forum zu diesen Themen zu bieten.

In Zeiten von Internet und Medien: Wie wollen Sie Ihre Inhalte präsentieren, dass das Publikum unterhalten wird?

Natürlich spielen digitale Medien eine große Rolle für unser Haus und wir wollen mehr Medien und Interaktion in unserer Vermittlung berücksichtigen. Als Ausstellungs-, Bildungs-, und Forschungsstätte können wir unsere Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein erster wichtiger Schritt ist sicherlich eine neue Website, die aber erst im Zuge eines neuen „CI“ entstehen kann, und die sukzessive Online-Stellung unserer Sammlungsgestände. Aktuell sind wir bereits beim Google Arts Project vertreten.

Können Sie ein aktuelles Projekt empfehlen?

Im Herbst begannen wir eine Reihe von Museumsgesprächen, bei der wir Kollegen aus dem Ausland einladen, die Vorträge halten. Im Anschluss soll es immer eine Diskussion geben. Das sind öffentliche Veranstaltungen, so dass das Publikum an diesen Denkprozessen teilnehmen kann.

Für Sie als Neuling in Hamburg: Wie finden Sie den Standort des Museum?

Wir sind hier ja in der Nähe der Universität, das gefällt mir gut. Und vom Zentrum ist es leicht erreichbar, auch wenn wir nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu den anderen großen Museen sind. Zudem wollen wir zu einem kulturellen Fokuspunkt im Bezirk werden und ihn damit noch mehr beleben. Meine Hoffnung ist, dass wir das Haus umbauen können, das wird es auch attraktiver in der Nachbarschaft machen.

Seit wann sind sie in Hamburg?

Seit April. Und hier wohne ich im Bezirk Eimsbüttel und kann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Und was mögen sie an Eimsbüttel?

Ich bin noch dabei, die Stadt zu erkunden, aber ich mag ich die Kanäle,hier, an denen man im Sommer sitzen kann. Und dass der Bezirk so grün ist.

Und an Hamburg?

Die Stadt ist zwar eine Großstadt, aber es macht nicht so diesen Eindruck – es ist nicht so gehetzt. Und trotzdem hat man ein vielfältiges Kulturleben der Stadt. Das finde ich sehr spannend.

Vielen Dank für das Interview. 

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