Geh mir nicht auf den Sack, Müll!
Ein voller Sack wartet auf die Abholung. Symbolfoto: Harald H. Haase
Kolumne - vogelfrei

Geh mir nicht auf den Sack, Müll!

Unser Kolumnist Harald H. Haase schwebt nicht auf rosa Wolken, sondern auf rosa Müllsäcken. Er nimmt Anstoß an dieser vorsintflutlichen Abfallentsorgung, die an heißen Tagen schon einmal zum Himmel stinkt.

Kuckuck Eimsbüttel!

Das fortschrittliche Eimsbüttel im 21. Jahrhundert nach Christus. Die Haushalte haben fließendes Wasser. Das Internet schießt mit Tempo 100 durchs Glasfaserkabel. Die Zahl der Friseursalons übersteigt die Einwohnerzahl. Wundervoll. Und dann das: Rosa Müllsäcke verschandeln den Straßenrand. Sie warten darauf, dass sie von Herrn Müller von der Müllabfuhr abgeholt werden. In einer Großstadt, die sich Tor zur Welt nennt. In einem Stadtteil, der Beiersdorf und NXP Heimat ist und sich gerne modern gibt. Unfassbar! Das stinkt zum Himmel! Vor allem im heißen Sommer.

Die rosa Säcke türmen sich am Heußweg, in der Müggenkampstraße und kreuz und quer durchs Quartier. Pfui Teufel! Ein Thema, das einem auf den Sack geht. Aber so richtig. Was erklärt man dem Besuch aus München, wenn man beim Spaziergang durch den Stadtteil an einem solchen Schandfleck vorbeikommt? Mittelalterliche Müllentsorgung? Rosa Säcke sind hipper als gelbe? Oder faselt man von einem Feldversuch, für den Fall, dass Außerirdische in Eimsbüttel landen und alle Mülltonnen aufessen? Peinliche Erklärungsnot.

Der Rattenschwanz der Säcke

Die Säcke locken nicht nur Ratten an, sondern ziehen auch noch einen Rattenschwanz nach sich. Klar, sie sollen erst zeitnah zum Abfuhrtag auf der Straße auftauchen. Das setzte voraus, dass die Bewohner ihren Müll wie ein Messie (nicht der Fußballer) in der Wohnung horten. Wer macht das schon gerne. Dann gibt es immer wieder findige Flaschenpfandsammler, die suchend die Säcke aufschlitzen, um vielleicht noch einen Flaschen-Fang einzunetzen. Gefangene Milchtüten und Joghurtbecher kommen zum Vorschein. Schließlich ist Müll magnetisch und zieht anderen Müll magisch an. Unhaltbar, diese Zustände, gerade auch, wenn der Mieter im Hochparterre anfängt zu jodeln, weil er denkt, er sei in den Müllbergen.

Die Eimsbütteler haben ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Müll:

Weit draußen, wo sich Horizont und Meer treffen, ist eine Lösung in Sicht. Was der U-Bahn recht ist, ist dem Müll billig: Der Abfall soll in den Untergrund, dass er wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Idee ist so neu nicht, geistert halbreif schon seit zwei Jahren konkret durch den Bezirk und seine Versammlungen. Da gibt es mehrere Klippen: Es kostet ein bisschen was, den Müll unter die Erde zu bringen. Der Eigentümer des Grundstücks muss dem Bau zustimmen, sei es auf privatem oder öffentlichen Grund. Leitungen dürfen im Erdreich nicht im Weg liegen, und schließlich darf die ganze Chose nicht zu weit von der Straße entfernt sein, dass der Greifer des Müllfahrzeugs noch hinlangen kann. Dennoch, wird Zeit, dass den rosa Müllbeuteln der Garaus gemacht wird.

Schönen Tag noch. Ich hab jetzt frei.

 

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