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Zurück in Eimsbüttel

Sie ist in Eimsbüttel aufgewachsen und lebt aktuell in Leipzig. Für ihre Ausstellung MariaMaria kommt die Künstlerin Maria Felixmüller zurück in den Stadtteil. Im Interview verrät sie, wie aus Alltäglichem besondere Fotomomente werden.

Von Tanja Schreiner

 

Maria Felixmüller, Foto: Thekla Ehling

Maria Felixmüller, Foto: Thekla Ehling

EN: Im März eröffnest du deine Ausstellung hier in Eimsbüttel. Was werden wir dort zu sehen bekommen?

Maria L. Felixmüller: Die Ausstellung heißt MariaMaria und ist eine Gruppenausstellung zusammen mit der Künstlerin Maria Schumacher. Maria wird Malereien zeigen und ich Fotografien. Ich baue aus meinen Fotos immer Installationen. Ich werde zwei große Arbeiten zeigen, die im Prinzip abfotografierte Installationen sind. Zusätzlich werde ich eine Installation aus Fotografien bauen.

 

EN: Deine Fotografien stellen alltägliche Gegenstände wie einen Apfel, Schuhe oder eine Bettdecke dar. Man fragt sich natürlich, was Du damit aussagen möchtest.

Maria L. Felixmüller: Mich interessieren Dinge, die auf eine andere Weise erscheinen, als man es erwarten würde. Ich promoviere gerade in Philosophie und beschäftige mich dort mit einem Thema, dem ich den Begriff „produktive Unordnung“ gegeben habe. Es geht um die Frage, was passiert, wenn zwei Dinge zueinander kommen, die im Grunde nicht zusammen gehören. Das sind für mich Momente, in denen es anfängt, spannend zu werden.

Die Dinge, die ich fotografiere sind nie inszeniert, sie sind immer so gefunden. Beispielsweise bei den Händen, die den Apfel halten, steckt für mich schon fast ein kunstgeschichtlicher oder theologischer Gedanke dahinter, nämlich von Eva, die Adam den Apfel reicht. Bei dem Bett oder der Betthöhle steckt für mich ein Iglu dahinter, das wie die Decke etwas Heimeliges, Warmes an sich hat. Andere Personen dahingegen – und das ist für mich auch immer ein sehr spannender Moment – sehen zum Beispiel gerade in diesem Bettdecken-Bild etwas ganz Anderes. Einige sprechen von gespreizten Beinen und finden das Bild wahnsinnig anrüchig. Das sind genau diese Momente, in denen ich merke, dass die Objekte als Bilder funktionieren.

 

EN: Woher kam die Idee zusammen mit Maria Schumacher auszustellen?

Maria L. Felixmüller: Maria und ich haben zusammen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Uns verbindet einerseits eine Freundschaft, andererseits beschäftigen uns  ähnliche Dinge. Maria zeichnet, malt und macht Collagen. Das nimmt eine schöne Korrespondenz zu meiner Arbeit auf. Meine Installationen, in denen mehrere Bilder zu einem großen Ensemble zusammengesetzt werden, bezeichnen viele auch als Collagen.

 

EN: Anlässlich der Ausstellung soll auch ein Fotobuch erscheinen, das du versuchst mithilfe von Crowdfunding zu finanzieren. Wie kann man sich das genau vorstellen?

Maria L. Felixmüller: Beim Crowdfunding gibt es ein festgeschriebenes Ziel. Das sind in meinem Fall 4.500 Euro, also 60 Prozent der Produktionskosten. Dieses Ziel muss auch erreicht werden, sonst bekommen die Leute ihr Geld zurück. Wenn es erfolgreich ist, bekommen alle Leute ihr Dankeschön-Geschenk. Bei meinem Projekt bekommt man für 5 Euro eine handgeschriebene Dankeskarte, für 20 Euro ein Postkartenset und für 40 Euro kann man das Buch handsigniert vorbestellen.

 

EN: Wie verlief denn das Crowdfunding bisher?

Maria L. Felixmüller: Ich muss ehrlich zugeben, ich habe total unterschätzt wie viel Arbeit das ist. Es ist wirklich ein 24-Stunden-Job ein Crowdfunding zu betreuen, weil man permanent überall präsent sein muss. Man muss sich außerdem ein etwas dickeres Fell zulegen, weil man ständig Leuten auf den Keks geht. Man muss immer 500 Leute ansprechen, damit einer aufsteht und etwas tut. Trotzdem kann ich sagen, dass ich am Donnerstag – eine Woche vor Ende des Crowdfundings – das Ziel erreicht habe.

Anfangs haben mich vor allem der sehr enge Freundeskreis und die Familie unterstützt. Am Ende habe ich sogar Leute in Amerika, England, Skandinavien und Finnland erreicht. Mit Stiftungsgeldern hätte ich nie diese Resonanz bekommen.

 

EN: Hattest du Angst, dass du es nicht im Zeitrahmen schaffst?

Maria L. Felixmüller: Ja auf jeden Fall! Vor drei Tagen habe ich noch gesagt: „Jetzt fehlen immer noch 300 Euro, das klappt doch nie!“. Es gibt wahnsinnig frustrierende Momente, aber es gibt auch Momente in denen man abends ins Bett geht und morgens aufsteht und das Ziel plötzlich erreicht hat. Es ist wahnsinnig anstrengend, aber auch aufregend.

 

EN: Du kommst ja ursprünglich aus Eimsbüttel, deine Ausstellung wird auch hier stattfinden. Was ist für dich das Besondere an diesem Stadtteil?

Maria L. Felixmüller: Für mich ist Eimsbüttel ein Stadtteil, der unglaublich unterschiedlich ist und der mich immer wieder erstaunt. Ich bin in der Ecke zwischen Eimsbüttel und Schanze aufgewachsen, wo jetzt auch meine Ausstellung stattfinden wird. Deshalb freue ich mich jetzt besonders direkt nebenan im Raum für Kunst in der Fett6 eine Ausstellung machen zu können. Sie wird von der ALE Stiftung unterstützt. Für mich ist es wirklich ein Zurückkommen, und da auch einige Bilder in Eimsbüttel selbst entstanden sind, ist es umso schöner.

Zur Vorbestellung von Postkarten oder des Fotobuches  geht es hier. Die Ausstellung MariaMaria eröffnet am 19. März um 19 Uhr im Raum für Kunst Fett6 in der Fettstraße 6. Am 28. März um 19 Uhr findet ein Künstlergespräch in den Ausstellungsräumen statt. Hier gelangen Sie zur Website der Künstlerin.

 

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