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Marco Scheffler tritt parteilos als Kandidat für den Bundestag an. Foto: Clara Eichner
Interview-Reihe

Bundestagswahl 2017: Kandidat Marco Scheffler aus Eimsbüttel

In unserer Serie zur Bundestagswahl 2017 sprechen wir mit den Direktkandidaten des Wahlkreis Eimsbüttel. Den Start macht Marco Scheffler, der ohne Partei antritt.

Von Clara Eichner

Ein Eimsbütteler begegnet dir auf der Straße und fragt dich, warum er dir seine Stimme geben soll. Was antwortest du?

Mit mir hat jeder Partei- oder Politikverdrosse die Möglichkeit, jemanden direkt aus seiner Umgebung in den Bundestag einziehen zu lassen.

Für welche politischen – Eimsbütteler –  Ziele setzt du dich ein?

Spezifisch Eimsbütteler Themen gibt es nicht unbedingt. Eimsbüttel ist eher ein gutes Abbild dessen, was in Deutschlands Großstädten Thema ist. Zum Beispiel, dass Mieten und Grundstückspreise steigen und Wohneigentum immer teurer wird. Es ist auf jeden Fall wichtig, dass wir Bürger wieder mehr einbezogen werden.

Die Punkte meines Wahlprogramms betreffen die ganze Gesellschaft. Mit der Legalisierung von Cannabis könnte man eine Menge Steuern einsammeln. Nahrungsmittel sollten nicht weggeschmissen werden, nur weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Bodenschätze sollten liegen bleiben, anstatt mit zu viel Ölförderung unsere Umwelt zu verpesten. Großprojekte wie der Flughafen Berlin oder die Elbphilharmonie sind Wahnsinn und kosten zu viel. Und ich spreche mich für ein würdevolles Altern aus. Ich sehe nicht, dass ich später von der Rente versorgt werde. Dementsprechend muss ich wahrscheinlich irgendwann zum Amt gehen und mir da Geld holen.

Nehmen wir an, du ziehst tatsächlich in den Bundestag ein – wie willst du in Berlin lokale Anliegen vertreten?

Persönlich umsetzen kann ich da nichts. Wenn es – aus welchen Gründen auch immer – so sein sollte, wäre das ja eh schon einmal eine Bombe, die explodiert. Wir hätten dann jemanden, der relativ unbefangen im Bundestag säße und Dinge klarer ausspräche.

Über Fragen, die im Bundestag entschieden werden, könnte man vorher eine Onlineumfrage machen. Stimme ich dafür oder dagegen, das kann ja weiterhin die Entscheidung der Wähler sein. Die Umfragen würde ich erstmal in meinem Wahlkreis durchführen. Durch meinen Beruf als Kneipeninhaber bin ich ja so oder so immer relativ nah an den Menschen dran. Wenn man abends beim Bier sitzt, dann ist die Zunge locker.

Du kritisierst, dass Politiker volksfern und das politische System veränderungsresistent sei. Widerspricht es sich nicht, mit dieser Einstellung um ein politisches Amt zu kandidieren?

Politiker in dem Sinne bin ich ja eigentlich nicht. Ich mache eine Aktion. Um den Leuten zu zeigen, dass sie politisch teilnehmen können.

Was war dein bisher größter politischer Erfolg?

Das Thema Grundeinkommen ist inzwischen auch in der politischen Landschaft angekommen. Das sind kleinere Erfolge, die man nicht so wirklich mir zuschreiben kann. Aber zumindest daran, dass die Menschen ein Interesse daran haben. Ansonsten habe ich politisch natürlich noch gar nichts erreicht.

Sprechen wir nun noch über ein paar konkrete Eimsbütteler Themen: Was sagst du zu den Bauarbeiten an der Osterstraße?

Ich finde, dass sich das Projekt sehr in die Länge zieht und zu wenig Menschen daran arbeiten. Gut ist, dass mehr Platz für Fußgänger geschaffen wird. Nachteilig finde ich die Fahrradwege auf der Straße. Wenn ich mit meinen Kindern mit dem Rad auf die Straße muss, ist das nicht so optimal.

Eimsbüttel ist der am dichtesten besiedelte Bezirk Hamburgs. Der Bedarf an mehr Wohnungen könnte zu höheren Häuser und weniger Grün- und Freiflächen führen. Was sagst du zu einer möglichen Verdichtung des Stadtteils?

Ich halte das für eine Katastrophe und bin total gegen die Verdichtung. Ich kann mir ja vorstellen, dass wir Wohnraum brauchen. Aber der Wohnraum, der gerade gebaut wird, kostet dann 15 Euro kalt den Quadratmeter. Das zu bezahlen, ist schwierig. Viele Menschen werden in die Stadtränder verdrängt. Der bestehende Wohnraum sollte besser genutzt werden. Freistehende Bürokomplexe müssten am Ende sogar verstaatlicht und zu Wohnraum umgebaut werden.

Wie beurteilst du die Verkehrssituation in Eimsbüttel?

Ich fahre viel Fahrrad und bin bei Carsharing angemeldet. Wenn ich aus dem Fenster gucke, dass sind keine Fahrzeuge mehr, dass sind nur noch Stehzeuge. Jeder, der in Eimsbüttel einen Parkplatz findet, bewegt das Auto wenn möglich drei Tage nicht – damit er seinen Parkplatz nicht verliert. Der Autoverkehr sollte zurückgedrängt und der Fahrradverkehr weit in den Vordergrund geschoben werden.

Bundespolitik in Berlin, lokales Engagement in Eimsbüttel, Arbeit im Bundestag, Kneipen- und Familienalltag in Hamburg – lässt sich das miteinander vereinbaren?

Da hin und her zu fahren, ist ja kein Problem. Man steigt in den ICE, fährt anderthalb Stunden hin, bleibt vielleicht die Woche da und ist am Wochenende wieder zurück.

Mehr Informationen zu Marco Scheffler findet ihr auf seiner Website: http://www.mensch-macht-politik.de/ .

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