Anzeige
Aktualisiere Standort ...
Standort konnte nicht ermittelt werden. Aktiviere deine Standortfreigabe.
Standort wurde erfolgreich ermittelt.
Seit Montag ist die Maske Pflicht. Foto: Marianne Bruhns
Seit Montag gilt die Maskenpflicht. Foto: Marianne Bruhns
Glosse: Teil Dreiundzwanzig

Corona-Tagebuch: Masken machen Leute

Martin Busche zählt mit uns allen die Tage, die uns Corona stiehlt und führt ein öffentliches Tagebuch: subjektiv, ehrlich, schonungslos. Bis Corona uns hoffentlich scheidet.

Von Martin Busche
Anzeige

Donnerstag, 30. April

Tja, jetzt haben wir den Salat. Oder besser gesagt die Maske. “Oben ohne” rumzulaufen ist jetzt auch für Männer tabu. “Open End” übrigens. Bis auf weiteres und weiteres und noch weiteres danach. Wobei wir beim Thema wären. Wann trägt Mann/Frau wo welche Maske? Die Auswahl ist riesig, Eimsbüttel ist mittlerweile voll davon. Die besten Stücke hängen gleich im Schaufenster. Kann mir da mal jemand Tipps geben, bitte.

Eine große Auswahl an Masken hängt in Schaufenstern zur Auswahl. Foto: Martin Busche
Eine große Auswahl an Masken hängt in Schaufenstern. Foto: Martin Busche

Ich hatte gestern nämlich einen Disput mit einem Maskenjäger. Ja, sowas gibt es jetzt. Corona macht es möglich. Kein Plan ob der das offiziell macht, für wen auch immer, vielleicht auch nur für diese Geschichte. Vielleicht kontrolliert der auch einfach gerne mal was in seiner Freizeit, so als Hobby. Wie andere Rehe abschießen, Frösche jagen, Meerschweinchen halten. Sowas.
Ich hab ihn nicht gefragt, richtig plauschig war der Kontroletti nämlich nicht, eher so cool wie die Jungs vom Rummel, die zum Mitreisen gesucht werden, dort lässig auf den Autoscootern stehen, die Zichte im Mund, wenig im Hirn, den jungen Mädchen aber imponieren, weil sie angeblich wissen, wie alles läuft, insbesondere wie der Chip in den Schlitz gesteckt wird. Damit das Ding auch endcool läuft.

Rumlaufen wie Krethi und Plethi


So einer war das auf jeden Fall. Ich war jetzt sein Opfer. Das fand er super. Ich nicht, hatte auch durchaus eine Maske dabei, die rote, mit den lila Fransen. Sieht ganz schick aus, besonders die Fransen geben ihr was ganz eigenes. Auch wenn das jetzt nicht so hygienisch ist, nur ein bisschen. Aber ein bisschen ist ja besser als nix.


Nur hatte ich die nicht auf, sie beißt sich mit meiner blauen Jacke. Was blöd ist und ein echtes Argument, sie nicht zu tragen. Ich fand das stimmig. Er nicht, hielt meine Argumentation wohl für ein bisschen unterkomplex, wobei er das wohl ganz so nicht formulieren würde. Das kann sein. Er lässt lieber Muskeln sprechen. Ich hatte also ein Problem. Er nicht. Fragt nicht wie die Geschichte ausgeht, fragt lieber warum sich die Leute jetzt so gehen lassen, seitdem es die Maskenpflicht gibt. Denn nur wegen Corona kann ich doch jetzt nicht rumlaufen wie Krethi und Plethi.

Die Wirtschaft liegt am Boden

Bei bei mir muss alles stimmen und das tut es auch. Die blassgraue Maske aus leichtem Fleece mit den halbrunden Löchern an der Seite und den lässigen Initialen meines Startups (78,45 Euro) kontrastiert ideal meine blaue Jacke aus feinstem Tuch (437,56 Euro) und bildet mit dem Hauch grauer Haare (0,00 Euro) eine ideale Kombination für den Mann von Welt. Also für mich. Meiner neuen, na sagen wir mal Bekanntschaft, war das ziemlich egal. Der hätte mich auch mit diesen absurden Modellen “Unterhose abgetragen” rumlaufen lassen, die jetzt auf dem Markt sind. Es gibt sie in allen Farben, mit Streifen, ohne Streifen, gepunktet oder auch nicht. Hauptsache überhaupt was im Gesicht, denkt der sich wohl so.

Was Material und Farbe der Maske angeht, werden Produzenten kreativ. Foto: Martin Busche
Was Material und Farbe der Maske angeht, werden Produzenten kreativ. Foto: Martin Busche

Ich bin da anders, trage ausschließlich Neuware. Nie Second Hand. Auch bei Masken. Die Wirtschaft liegt am Boden. Wir müssen konsumieren, konsumieren, konsumieren. Lasst es krachen, schmeißt die Kohle raus. Hauptsache der Handel macht Kasse. Dieses ganze Recycling-Gedöns können wir uns jetzt nicht mehr leisten. Auch die Version “Micky Maus” geht eigentlich gar. Gibt es jetzt auch, ehrlich. Es gibt einfach alles. Ist bestenfalls was für Kinder. Ich werde 56, da ist langsam “Aus die Maus”,  zumindest mit dem oberschlauen Micky. Der ging mir schon immer auf den Geist. Ich kann Klugscheisser nicht leiden. Schon gar nicht im Gesicht. Da erkennt mich ja sofort jeder.

Dagobert auf der Maske

Ich stehe auf Dagobert, schon wegen seiner Kohle. Der war bestimmt in der FDP, meiner Partei. Wenn, aber auch nur wenn, jemand von euch so ein hübsches Mäskchen mit Dagobert drauf hat und vielleicht noch so ein paar Goldtälerchen von Dagobert mit drin. Ein paar mehr, meine ich. Noch ein paar mehr. Ja, dann würde ich mich eventuell darüber freuen und die Maske nehmen. Ich muss das Ding ja nicht unbedingt tragen, meine Geschirrtücher müssten auch mal erneuert werden.


Hilf uns Eimsbüttel zu helfen:


In eigener Sache: Wir wollen so gut wie möglich über die aktuellen Entwicklungen informieren. Doch auch uns stellt die Corona-Krise vor finanzielle Herausforderungen. Unsere Kunden sind in erster Linie lokale Geschäfte aus Eimsbüttel, die derzeit massive Probleme haben und daher kaum noch Anzeigen buchen. Unterstütze uns: Eimsbüttel+.

Verwandter Inhalt

Das Coronavirus ist in Hamburg angekommen. Wir informieren euch über aktuelle Fallzahlen und Entwicklungen für Eimsbüttel.

Die Auswirkungen von Corona zeigen sich: Im Mai waren deutlich mehr Eimsbütteler arbeitslos, als noch im letzten Jahr. Besonders betroffen sind junge Erwachsene.

Am Samstag feierten zahlreiche Gäste in der Kneipe „Zwick“ eng an eng – trotz Corona-Regeln. Innensenator Grote und Bürgermeister Tschentscher verurteilten den Vorfall.

Vintage Kleider suchen neues Zuhause: Im Stellinger Weg hat mit „Fabulously Old Things“ ein neuer Secondhand-Laden eröffnet.

-
Neu im Stadtteilportal
Cryosizer Club HH1

Hoheluftchaussee 77
20253 Hamburg

Eimsbüttel+

30 Tage für 0,00 €

Dein Premium-Journalismus für Eimsbüttel.

Jetzt kostenlos testen