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fullscreen Neue Unterkunft in der Kollaustraße
Die Besucher der Infoveranstaltung haben Fragen und Anregungen gesammelt. Foto: Anja von Bihl

Flüchtlinge nach Lokstedt

Neue Unterkunft in der Kollaustraße

Sie wird Lokstedts fünfte Wohneinrichtung für Flüchtlinge: die geplante Folgeunterkunft in der Kollaustraße 15. Gegen die neuen Bewohner in der Nachbarschaft äußert sich am vergangenen Mittwochabend in der Aula des Gymnasiums Corveystraße niemand. Die Besucher haben hauptsächlich Fragen zu einer möglichen Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität durch die Flüchtlingsunterkunft.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

Auf dem Gelände, das der Stadt gehört, entstehen sieben doppelstöckige Containermodule, in denen 168 Menschen Platz finden sollen. Auf jeder Etage ist Raum für sieben Zimmer sowie Gemeinschaftsküche und Sanitärräume. Jedes Zimmer hat 13 Quadratmeter und ist für zwei Personen vorgesehen. In zwei der Module kommen Zimmer für Verwaltung und Beratung sowie Gemeinschaftsräume. Hier werden zwei bis drei Mitarbeiter vom Betreiber Fördern und Wohnen (f&w) ständig anwesend sein.

Hinter den Wohncontainern, wegen des Verkehrslärms möglichst weit von der Kollaustraße entfernt, entsteht eine Spielfläche für die Kinder. Dabei sollen die bestehenden Büsche an der Grundstücksgrenze langfristig erhalten werden. Eine Nachbarin schlägt vor, die Container bunt statt grau zu gestalten und trifft damit auf Begeisterung bei Beate Schmid-Janssen, Bereichsleiterin für Harburg und Eimsbüttel bei f&w, die dazu schon einige Ideen hat.

Wer zieht in die Flüchtlingsunterkunft?

In der Kollaustraße 15 sollen Flüchtlinge mit Bleibeperspektive untergebracht werden, die hier nach sechs Monaten in einer Zentralen Erstaufnahme (ZEA) mehr Privatsphäre finden. Die meisten Bewohner werden vermutlich aus Syrien und Afghanistan stammen. Ebenso sollen Wohnungslose einziehen. Bei den Bewohnern werden 60 Prozent Familien und 40 Prozent Alleinstehende angestrebt. Schulpflichtige Kinder gehen in die umliegenden Schulen, zunächst können sie in internationalen Vorbereitungsklassen Deutsch lernen und später Regelklassen besuchen. Erwachsene haben Anspruch auf 600 Stunden Integrations- und Deutschkurse. Frühestens nach drei Monaten kann ihnen die Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis erteilen.

Beate Schmid-Janssen geht davon aus, dass die Menschen etwa ein Jahr in der Flüchtlingsunterkunft bleiben und dann in eine Einrichtung mit höherem Standard wie beispielsweise am Hörgensweg umziehen.

Aus dem Publikum

Eine Sorge der Zuhörer gilt dem Sichtschutz, weil das Baugrundstück aufgeschüttet wurde. Die Nachbarn befürchten, dass ihren Häusern Licht genommen wird und die Flüchtlinge ihnen von oben in die Fenster sehen können. Die f&w-Mitarbeiterin beruhigt: Der Höhenunterschied von 1,50 Metern werde angeglichen, sodass die Unterkunft wieder auf gleicher Höhe liegt wie die Umgebung. Ohnehin soll niemand um seine Privatsphäre fürchten müssen, denn die Wohncontainer erhalten zu den Nachbargrundstücken hin keine Fenster.

Auch die Bäume auf dem Grundstück beschäftigen die Anwohner. Sechs davon müssen für das Vorhaben noch weichen, sagt Jan Philipp Stephan vom Eimsbütteler Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung. Da allerdings die offizielle Fällsaison vorbei ist, muss vor dem Einsatz der Sägen ein Gutachten erstellt werden, ob Vögel in den Bäumen nisten. Falls nein, kann auch jetzt gefällt werden; falls ja, bleiben Kastanie, Birke und Kirschbäume noch bis zum Herbst stehen. Die weggenommenen Bäume sollen später durch Sträucher ersetzt werden.

Die Kastanie zum Nachbargrundstück soll fallen. Foto: Anja von Bihl
Die Kastanie zum Nachbargrundstück soll fallen. Foto: Anja von Bihl

Der Zeitplan

Aktuell läuft das Bauprüfverfahren für die Unterkunft, so Architekt Patrick Radtke von f&w. Wenn der Bauantrag genehmigt ist, sollen ab Juli die vorbereitenden Arbeiten beginnen. Die Errichtung der Wohncontainer selbst werde weniger Lärm verursachen als eine normale Baustelle, denn die Einheiten werden mit einem Kran auf das Grundstück gehoben. Im November soll die Einrichtung fertig sein, wenn alles planmäßig verläuft. Die Unterkunft soll für mindestens fünf Jahre genutzt werden. Eine ständige Bebauung sei hier nicht möglich, sagt Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke. Denn das Gelände wird in – noch ziemlich ferner – Zukunft im Zusammenhang mit der geplanten neuen U-Bahnstrecke U5 gebraucht.

 

Zufahrt von der Kollaustraße. Quelle Basfi
Sieben Container mit Zufahrt von der Kollaustraße. Quelle: Basfi

Eine weitere Sorge der Besucher der Infoveranstaltung: der Müll. “Ich will nicht den Müll von der Einrichtung in meinem Garten haben”, sagt ein Anwohner. Beate Schmid-Janssen spricht von einer Erziehungsaufgabe, die ihre Mitarbeiter vor Ort leisten werden, um denjenigen, die es nicht gewohnt sind, die Benutzung der Müllcontainer zu zeigen und diese durchzusetzen. Dass jedoch auch die Mülltrennung funktioniere, damit solle niemand rechnen, so Schmid-Janssen. “Wir sind nach den Erfahrungen in unseren anderen Einrichtungen schon froh, wenn überhaupt alles in den Mülltonnen landet.” Und mal ehrlich, kennt nicht so mancher einen alteingesessenen Nachbarn, der das mit dem Papier, Plastik und Hausmüll auch noch nicht so richtig begriffen hat?

Der Bezirk Eimsbüttel hat knapp 260.000 Einwohner. Hier bieten derzeit 18 Unterkünfte Platz für rund 5.700 Geflüchtete, darunter sind sieben Zentrale Erstaufnahmen (ZEA). In Lokstedt sind es aktuell noch fünf Standorte, wobei die Lokstedter Höhe derzeit geschlossen wird. Zum Unterkunftsüberblick.

Unser Netzwerk Eimsbüttel hilft informiert dich über Hilfsinitiativen in deiner Nähe. Du willst die Menschen hinter den Zahlen kennenlernen? Dann schau dir unsere audiovisuelle Reportage Triff deine neuen Nachbarn an.

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