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Herbert Thau, Gewinner aus Eckernfoerde, in der Zieleinfahrt, 1960.
Herbert Thau, Gewinner aus Eckernförde, bei der Zieleinfahrt im Jahr 1960. Foto: RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V.
Fit in den Frühling

Radsport: Die Jagd um Eimsbüttels Häuser

20.000 Zuschauer bei einem Radrennen in Eimsbüttel? Zwischen 1947 und 1964 verwandelten sich die Straßen einmal jährlich in eine Rennbahn.

Von Eimsbütteler Nachrichten

Schon am Vortag herrscht in der Lutterothstraße zwischen Heußweg und Lastropsweg rege Betriebsamkeit. Klappbänke werden angeliefert. Lautsprecher installiert und das Werbebanner an der Start-Ziel-Linie befestigt. Helfer stellen einen Lastwagen mit Pritsche auf dem Fußweg vor der Bäckerei „Eschermann“ auf. Hier wird die Rennleitung ihren Platz haben.

Auch in der Eckkneipe „Schanklies“, dem Vereinslokal des Veranstalters „RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V.“, ist schon am Vorabend der Radrennen viel los: Die Rennfahrer melden sich an und holen ihre Startnummern ab.

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Hans Schwarz wohnte als Kind mit seiner Familie in der Lutterothstraße. Er verfolgte fast jedes Radrennen. Hier berichtet er über seine schönen Erinnerungen daran:

„Mit acht Jahren sah ich im Jahr 1952 mein erstes Fahrradrennen der ‚Jagd um Eimsbüttels Häuser‘. Einmal im Jahr fanden hier die sogenannten ‚Hans-Lenck-Gedenkrennen‘ statt.

Frühmorgens, wenn sie die Funktion der Lautsprecher testeten, weckten mich die Mikrofondurchsagen. Um 8 Uhr startete das Radrennen der Jugendlichen mit etwa 50 Fahrern. Währenddessen kamen viele Zuschauer an die Rennstrecke, um sich für das Hauptrennen einen Platz zu sichern.

Bänke waren nur in der Lutterothstraße aufgestellt. Die Straßen waren abgesperrt und ein paar Polizisten und Helfer bewachten die Strecke. 

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Die Strecke

Die Fahrradrennen fanden im Herzen Eimsbüttels statt: Lutterothstraße – Telemannstraße – Unnastraße – Im Gehölz – Am Weiher – Lutterothstraße. Die Strecke war etwa 1,45 Kilometer lang und hat sich über die Jahre mehrfach verändert. Die Rennfahrer fuhren 55 Runden, insgesamt also 80 Kilometer. Durchschnittlich dauerten die Rennen 2 Stunden und 15 Minuten.

Mit dem Startschuss des Bürgermeisters startete gegen 10 Uhr das Hauptrennen. Die über 100 Rennfahrer kamen aus Deutschland, Belgien, Dänemark und Holland. Ältere Rennfahrer erhielten je nach Alter einen Zeitvorsprung von einigen Sekunden oder Minuten. Sie wurden aber von den meist jüngeren Fahrern aus dem Hauptfeld schon nach wenigen Runden eingeholt und größtenteils auch überrundet.

Prämien und Ausreißer

Die Rennleitung, die sich auf dem Pritschenwagen befindet, rief während des Rennes verschiedene Prämien aus. Am Ausgangspunkt, der Start- und Ziel-Linie, ertönte eine schrille Glocke und über die Lautsprecher schallte es durch die Straßen: ‚Nächste Runde, eine Prämie! Nächste Runde, eine Prämie!‘

Auf dem Pritschenwagen saß die Rennleitung. Hier befand sich auch die Start- und Ziel-Linie. Zu sehen ist der Start der Herrenklasse zum Rennen 1951. Foto: RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V.

Die Prämien, überwiegend Einkaufsgutscheine, wurden von den ansässigen Geschäftsleuten gestiftet und waren Werbung für ihre Geschäfte. Eine besondere war die Sprintprämie, die an „Ausreißer“ verteilt wurde. Das sollte die langsamsten Fahrer zum Aufholen anspornen. 

Ich stand während der Rennen mit meinen Freunden am Rand und wir riefen: ‚Zieh, zieh, zieh!‘ Die Rennleitung läutete am Ende die letzte Runde ein. Die Zuschauer drängten sich dicht an der Ziellinie. Ich sah das Ende des Rennens auf der Veranda über dem Geschäft des Ofensetzers Gehrkens, das sich direkt gegenüber der Rennleitung befand. Dies war jedes Mal wieder ein Erlebnis.“

In den 1950er Jahren waren sportliche Siege nicht eine Frage des Geldes sondern der Ehre. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Sieger eine Siegerschärpe, einem Blumenstrauß und einen schönen Pokal bekommen haben. Nach der Siegerehrung drehen die beiden Ersten noch eine Ehrenrunde. Innerhalb von zehn Minuten sind die Bänke und Tische weggeräumt. Auch die Zuschauer machen sich auf den Nachhauseweg. Der Renntag ist vorbei. 

Rennfahrer an der Kurve Lutterothstraße – Telemannstraße im Jahr 1953.

Anders als heute gab es kaum Werbung auf der Rennstrecke oder den Trikots der Rennfahrer. Nur auf dem Start-Ziel-Banner und am Wagen der Rennleitung wurde geworben.

Die Jagd ging quer durch Eimsbüttel – wie hier an der Kurve Im Gehölz – Am Weiher. Im Hintergrund ist der Bunker zu sehen.

Herbert Thau, Gewinner aus Eckernförde, bei der Zieleinfahrt im Jahr 1960.

Gewinner Herbert Thau mit dem Zweiten Hamburger Bürgermeister Edgar Engelhard bei der Preisverleihung 1960.

Die Jugend am Start, 1953.

Verfolgungsjagd durch Eimsbüttels Häuserschluchten, 1953.

Die Teilnahme war nicht ungefährlich: Sturz nach dem Ziel, 1960.

80 Kilometer, 55 Runden: Durchschnittlich dauerten die Rennen 2 Stunden und 15 Minuten.

Anders als bei heutigen Radrennen, wie etwa den „Cyclassics“, bei denen die Radfahrer nur einmal am Zuschauer vorbeirasen, war auf der kurzen Strecke in Eimsbüttel immer Aktion und die am Rennen beteiligten Fahrer nach jeder Runde wieder zu sehen.

Sieger der Jugendklasse: Der Bremer Brockman. Zweiter wurde Siefkes (RC Hamburg), 1953.

Brockman und Siefkes bei der Ehrenrunde, 1953.

Hans-Lenck-Gedenk-Rennen, 1951. Damals bewachten lediglich vereinzelt ein paar Polizisten und Helfer die Strecke.

Das Plakat zur „Jagd um Eimsbüttels Häuser“.

Bildmaterial: RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V. – Marc Metzler

Das „Hans-Lenck-Gedenk-Rennen”

Die Fahrradrennen wurden zum Gedenken an Hans Lenck vom „RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V.“ veranstaltet. Der Hamburger Rennfahrer Hans Lenck ­verunglückte bei einem Sturz in Hannover im Jahr 1939 tödlich. Unter dem Namen „Hans-Lenck-Gedenkrennen“ fanden von 1947 bis 1964 insgesamt 18 Rennen statt. Ab 1965 wurden die Fahrradrennen in „Rundstrecken-Radrennen um den Preis von Coca Cola“ umbenannt.

Ein Name, der unter den Gewinnern der ersten Rennen dreimal auftaucht, ist Werner Potzernheim. 1949 belegte er den ersten Platz. Er gewann in seiner 25-jährigen Laufbahn 15 deutsche Meisterschaften und 1952 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Helsinki. Damit ist er der erfolgreichste Radsportler, der aus den Reihen des „RV Endspurt Hamburg von 1905 e.V.“ hervorgegangen ist.

Text/Protokoll: Silke Fuchs

Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe #9 (11/2017) erschienen.


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