Stadtlärm auf Karten – so laut ist Hamburg
Besonders durch den Straßenverkehr wird es laut in Hamburg. Foto: Carolin Martz
Lärmbelastung

Stadtlärm auf Karten – so laut ist Hamburg

Die Behörde für Umwelt und Energie hat neue Lärmkarten veröffentlicht. Sie zeigen die Belastung durch Umgebungslärm in Hamburg.

Hamburg hat das zweitgrößte Bevölkerungswachstum aller deutschen Bundesländer. Mit wachsender Bevölkerungszahl wird die Stadt nicht nur größer, sie wird auch lauter. Gerade Eimsbüttel ist ein dicht bewohnter Bezirk, die Bevölkerungsdichte ist mehr als doppelt so hoch als in der Gesamtstadt.

Was auch ein Grund für den stetigen Wandel des Stadtteils ist: neue Gebäude werden gebaut, Straßen erneuert, Häuser renoviert – das verursacht Lärm.

Lärmgrenze oft überschritten

Laut neuesten Lärmkarten der Behörde für Umwelt und Energie der Stadt Hamburg, seien 362.000 Bürger von einem Umgebungslärm von über 55 dB betroffen, nehme man die durchschnittliche Belastung auf 24 Stunden verteilt. Gesundheitsgefährdend werde der Lärm zwar erst ab etwa 65 Dezibel, doch gerade am Tag wird diese Lärmgrenze oft überschritten.

Die Kartierungen zeigen die Lärmbelastung für die Stadtbewohner und sind für Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern in fünf Jahresabständen zu erstellen.

Die Lärmquellen

Im Metropolenvergleich ist Hamburg eine autoreiche Stadt – noch deutlich vor London, Kopenhagen oder Berlin. Jährlich wächst die Zahl um fast 10.000 neue Autos. Und obwohl im Vergleich zur gesamten Stadt in Eimsbüttel etwas weniger Autos unterwegs sind, ist doch der Pkw das beliebteste Fortbewegungsmittel der Eimsbütteler.

Weitaus beliebter als Bus, Bahn oder Fahrrad. Somit ist auch die Belastung durch Straßenlärm am höchsten. Insbesondere eine der wichtigsten Verkehrsadern Hamburgs, die A7, führt durch den Stadtteil und ist ein markanter Bereich auf der Lärmkarte für Straßenverkehr. Außer der A7 ist es in Eimsbüttel besonders an Straßen wie der Kieler Straße, Gärtnerstraße, Fruchtallee oder Hoheluftchaussee laut.

Neben dem Straßenlärm tragen auch Schienenverkehr, Luftfahrt sowie Industrie und Gewerbe zur Lautstärke der Stadt bei. In Eimsbüttel wird es im Schienenverkehr an den Ecken nahe des Eppendorfer Baums und der Hoheluftbrücke laut. Und auch der Lärm durch den Luftverkehr ist in Niendorf noch zu hören.

Übersicht der Lärmkarten 2017:

Die Folgen

Wer was als Lärm empfindet, kann subjektiv sein und hängt auch mit Erinnerungen zusammen, die mit dem Geräusch verbunden werden. Doch auch wer Lärm gut ausblenden kann – das Ohr nimmt die Geräusche dennoch auf und gibt sie an das Gehirn weiter. Das Nervensystem reagiert somit dauerhaft auf Ruhestörungen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Lärmbelastung die zweitschlimmste Krankheitslast für den Menschen, gleich nach der Luftverschmutzung. Denn: Lärm schafft Unruhe, erhöht den Blutdruck, verursacht Schlafstörungen. Hormonelle Reaktionen oder kreislaufbedingte Erkrankungen können die Folgen sein.

Steigt die Lärmbelastung um zehn Dezibel, so steigt das Risiko an einem Herzinfark zu erkranken um vier Prozent. Jeder 50. Herzinfarkt kann auf eine hohe Belastung durch Verkehrslärm zurückgeführt werden.

Was gegen den den Lärm getan wird

Ein Lärmaktionsplan aus dem Jahr 2013 befasst sich mit Maßnahmen zur Lärmminderung. Dieser soll im nächsten Jahr weiter ausgebaut werden, so die Behörde für Umwelt uns Energie. Vor allem Schutzmaßnahmen gegen Straßenlärm werden ausgearbeitet.

Straßenlärm

Tempolimits reduzieren und lärmarmer Asphalt bei Straßensanierungen sind Beispiele für aktive Schutzmaßnahmen. Bereits auf Straßenabschnitten der Harburger Chaussee, der Winsener Straße und der Moorstraße ist das Tempolimit nachts auf 30 km/h begrenzt worden. In diesem und nächsten Jahr sollen zehn weitere Straßenabschnitte hinzukommen.

Da diese Vorkehrungen nur schwer auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet werden können, behandelt der Lärmaktionsplan ebenso passive Maßnahmen, wie der Einbau von schalldämpfenden Fenstern, Außentüren und Rollläden oder das Verglasen von Balkonen, erfolgen. An stark lärmbelasteten Straßen werden diese gefördert, im letzten Jahr gab der Senat 6,4 Millionen Euro hierfür aus.

In Eimsbüttel ist besonders der Bau des A7 Deckels in Schnelsen und Stellingen eine langfristige Vorkehrung.

Lärm im Schienen- und Flugverkehr

Auch im Bereich des Schienenverkehrs wird etwas unternommen: an der Bahn- und S-Bahnstrecke auf der Veddel wurden Lärmschutzwände errichtet. In der Luftfahrt soll mit einem lärmmindernden Sinkflugverfahren oder leiseren Flugzeugen gegen die Ruhestörungen angegangen werden. Fluggesellschaften, die gegen das Nachtflugverbot verstoßen, müssen zukünftig mit höheren Bußgeldern rechnen.

 

 

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