Pro Tempo 30

Christine Stecker, Nachhaltigkeitsreferentin aus Eimsbüttel

Der Verkehr trägt mit einem Viertel zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Ein Großteil der privaten PKW-Fahrten in den Städten besteht aus Kurzstrecken unter fünf Kilometern. Sie könnten zugunsten von Zufußgehen, Radfahren und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vermieden werden. Viele Fahrzeuge wären somit unnötig. Dennoch präsentiert sich gefühlt jede Hamburger Straße mit der einheitlichen Tristesse parkender Autos.

Lärm und Schadstoffe machen krank. Doch es gibt Lösungsansätze, zu denen Tempo 30 als eine von vielen Maßnahmen zählt. Laut Umweltbundesamt ist Tempo 30 zur Lärmreduzierung nicht nur in Wohngebieten sinnvoll, sondern auch auf städtischen Hauptverkehrsstraßen. Zum Vergleich: Aktuell sind in Berlin 17 Prozent des Hauptstraßennetzes geschwindigkeitsreduziert. Das Umweltbundesamt konnte positive Wirkungen auf Lärm und Luftschadstoffe nachweisen. Feinstaubemissionen sinken, wenn sie in ihrer Gesamtwirkung betrachtet werden, d.h. nicht nur motorenbedingt. Verdrängungseffekte in Nebenstraßen waren nicht auffällig.

Da in Hamburgs Wohngebieten vielfach bereits 30er-Zonen eingerichtet sind, entfällt das Argument des Ausweichverkehrs, wenn – ja wenn man im Gesamtkontext denkt. Mit einer im gesamten Hamburger Stadtgebiet geltenden Basisgeschwindigkeit von 30 km/h, wie sie auch der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert, würde nur an ausgewählten Hauptverkehrsachsen ein ausgeschildertes Tempo 50 gelten. Das Prinzip der Beschilderung wird so umgedreht und viel hässliches Metall könnte aus dem Stadtbild verschwinden. Das Gelingen hängt nicht unerheblich davon ab, ob und wie die Geschwindigkeit angezeigt und kontrolliert wird, Ampelschaltungen intelligent zugeschaltet oder durch Kreisverkehre ersetzt werden. Dann fließt im Übrigen auch der Wirtschaftsverkehr.

Geschwindigkeitsreduzierungen führen nachweislich zu weniger Verkehrsunfällen, bei denen Menschen schwer oder tödlich verletzt werden. Die gefühlte Sicherheit steigt bei allen Verkehrsteilnehmern, mit dem Effekt, dass rücksichtsvoller gefahren, geradelt und gegangen wird.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat eine beherztere Einrichtung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen angemahnt, an denen Zugänge zu Schulen und Kindergärten liegen. Die Änderung der Straßenverkehrsordnung zugunsten von Tempo 30 ist beschlossene Sache und muss nur noch vom Bundesrat verabschiedet werden. Viele Metropolen weltweit haben erkannt, dass sie mitten im Verkehrskollaps stehen und wagen die urbane Transformation, z.B. New York, San Francisco, Singapur, Paris, London, Wien, Bordeaux uvm. Städte bestehen zuvorderst aus Menschen, die in ihnen wohnen. Für die Güterlogistik müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, doch vorher muss man nach ihnen suchen wollen. Worauf warten wir also noch?

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