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Hebamme Wibke Bohny (rechts) betreute Vera Marie Rodewald im Wochenbett. Foto: Rainer Wiemers
Hebamme Wibke Bohny (rechts) betreute Vera Marie Rodewald im Wochenbett. Foto: Rainer Wiemers
Magazin #42

Wochenbett ist alles gleichzeitig

Die Eimsbütteler Hebamme Wibke Bohny betreut Vera Marie Rodewald während ihres Wochenbetts mit Sohn August. Im Interview sprachen die beiden über die ersten Wochen mit Baby und warum gute Betreuung unter Druck steht.

Von Teresa Runge

Frau Rodewald, wie erleben Sie das Wochenbett mit Ihrem Sohn?

Vera Marie Rodewald: Alles ist neu und ­aufregend – auch beim zweiten Kind. Es ist so intensiv, dass ich am Morgen denke: Wenn ich es heute schaffe, zu du­schen und zu frühstücken, dann war es ein erfolgreicher Tag.

Die erste Zeit nach der Geburt ist eine sehr verletzliche und persönliche Zeit

Beim zweiten Kind hatte ich von Anfang an ­realistischere Erwartungen. Trotzdem habe ich mich in den ­ersten Tagen gefragt, wie das Wickeln funktioniert. Diese Mischung aus Vertrautheit und Neuanfang ist spannend. Die ersten Tage war ich einfach überwältigt.

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Wibke Bohny: Das Wochenbett ist alles gleichzeitig – von Freudentränen bis Milchstau. Ich bin seit 2013 als freiberufliche Hebamme in Hamburg tätig, begleite Schwanger­schaften und das Wochenbett und gebe Vorbereitungskurse. Die erste Zeit nach der Geburt ist eine sehr verletzliche und persönliche Zeit, in der sich die Familie erst einmal kennenlernen muss.

Wie Hebammen unterstützen

Was ist in der Wochenbett-Zeit bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?

Bohny: Nach der Geburt beginnt meine Betreuung. Ich kontrolliere das Gewicht, die Nabelheilung, die Rückbildung der Gebärmutter, die Wundheilung und das ­Stillen. Ich prüfe die Schlafumgebung und gebe praktische Hin­weise für den Alltag. Ein großer Teil ist auch die psycho­soziale Begleitung: Wie kommen die Eltern mit den neuen Rollen klar? Mit meiner Arbeit versuche ich, Eltern Sicher­heit zu geben.

Rodewald: Für mich war es eine große Erleichterung, dass ich mich bei Wibke rückversichern konnte. Meine Intuition war zwar da, aber ich hatte auch Zweifel. Bei so konkreten Dingen wie Schlafsicherheit wollte ich einfach hören: Das macht ihr richtig. Wibkes fachliche Rückmeldung hat mir enorme Sicherheit gegeben.

Ab wann sollten sich schwangere Frauen um die Hebammenbetreuung kümmern?

Gibt es in Eimsbüttel ausreichend Hebammen?

Bohny: In Eimsbüttel ist die Nachfrage nach Hebammenbetreuung sehr hoch. Eltern sollten sich direkt nach einem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebammenbetreuung kümmern. Viele Frauen melden sich jedoch erst später in der Schwangerschaft, weil sie eine Fehlgeburt befürchten. Aber was viele nicht wissen: Auch nach einer Fehlgeburt besteht Anspruch auf Hebammenbetreuung.

„Niemand muss nach wenigen Tagen wieder ­leistungsfähig sein“

Was würden Sie werdenden Eltern raten?

Rodewald: Uns hat geholfen, früh als Paar über unsere Erwartungen zum Wochenbett zu sprechen. Beim zweiten Kind hat sich gezeigt, wie stark sich die Familiendynamik verändert. Zusätzlich hilft Unterstützung durch Familie und Freunde. Essen vor der Tür, Hilfe im Haushalt oder kleine praktische Entlastungen machen viel aus.

Vera Marie Rodewald mit ihrem Sohn August. Foto: Rainer Wiemers
Vera Marie Rodewald mit ihrem Sohn August. Foto: Rainer Wiemers

Bohny: Besuch sollte aber dosiert stattfinden: Eltern dürfen Grenzen setzen und müssen nicht ständig Gäste empfangen. Sie dürfen mich gerne als Ausrede benutzen. Ganz wichtig ist auch, dass sich die Familie Zeit lässt. Niemand muss nach wenigen Tagen wieder ­leistungsfähig sein. Social Media erhöht den Druck. Dort scheinen alle zu wissen, wie Geburt, Stillen oder Erziehung richtig funktionieren. Das verunsichert viele Eltern. Ich helfe den Familien, herauszufinden, welche Informationen wirklich zu ihnen passen.

Das Problem mit dem neuen Hebammenhilfevertrag

Seit letztem Jahr gibt es einen neuen Hebammenhilfevertrag. Es gibt viele Kritikpunkte. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe warnt vor einer möglichen Verschlechterung der Versorgungsqualität. Wie wirkt sich der Vertrag konkret auf die Arbeit aus?

Bohny: Der neue Vertrag bringt mehr Bürokratie, neue Abrechnungsregeln und in einigen Bereichen geringere Vergütung. Jetzt muss ich jeden Besuch auf die Minute genau dokumentieren. Die Zuschläge an den Wochenenden sind gesunken, obwohl Einsätze dort häufig vorkommen.

info

Hebammenhilfevertrag

Der Hebammenhilfevertrag regelt, welche Leistungen freiberufliche Hebammen für gesetzlich Versicherte abrechnen dürfen und wie diese vergütet ­werden. Seit November 2025 gelten neue Dokumen­tations- und Abrechnungsregeln.

In der Kritik stehen ein erhöhter büro­kratischer Aufwand, ­finanzielle Nach­teile für Hebammen, die mehrere Frauen parallel betreuen, sowie mögliche Ein­schränkungen ihrer Tätigkeit. Die Deut­sche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe warnt vor einer möglichen Verschlechterung der Versorgungsqualität.

Was oft übersehen wird, ist, dass Hebammen ­vorbeugend arbeiten. Wir vermeiden unnötige Arztbesuche und er­ken­nen Belastungen wie Wochenbettdepressionen früh. Damit verhindern wir Kosten, die die Krankenkassen auf lange Sicht belasten würden. Diese Wirkung erscheint aber in keiner Statistik.

„Fami­lienförderung beginnt in den ersten Wochen nach der Geburt“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Bohny: Ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit für den Beruf. Wir sind eine kleine Berufsgruppe und gehen dadurch oft verloren. Das war auch zu Corona so. Als es ganz zu Be­ginn Impfprioritäten gab, standen Hebammen nicht auf der Liste. Dabei waren wir immer bei den Kindern und Müttern vor Ort. Unsere Arbeit muss dort sichtbar werden, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Fami­lienförderung beginnt in den ersten Wochen nach der Geburt.


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