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Frontalansicht des Karstadt-Gebäudes in der Osterstraße. Foto: Eimsbütteler Nachrichten
Das Karstadt-Gebäude der Osterstraße. Foto: Eimsbütteler Nachrichten
Lokale Wirtschaft

Galeria-Insolvenz: Ende für Karstadt Osterstraße?

Innerhalb von sechs Jahren hat „Galeria“ bereits zum vierten Mal Insolvenz angemeldet. Hintergrund ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit vieler Standorte. Während nach Rettungsmöglichkeiten gesucht wird, läuft das Geschäft vorerst weiter.

Von Nina Freier

Ein sonniger Nachmittag in der Osterstraße. Das Einzige, was einen großen Schatten auf das Treiben wirft, ist das Karstadt-Gebäude. Während der Trubel im Viertel weitergeht, steht die Filiale vor einer ungewissen Zukunft – und mit ihr rund 60 Mitarbeitende.

Die vierte Insolvenzanmeldung

Auf dem brutalistischen Gebäude prangt der Schriftzug „Karstadt“ – ein alter Name für die Kaufhäuser, die heute alle zum Galeria-Konzern gehören.

Am 2. Oktober meldete Galeria ihr viertes Insolvenzverfahren beim Düsseldorfer Amtsgericht an. Dies sorgte nicht nur für viele Schlagzeilen, es hinterlässt auch viele Fragezeichen, denn aktuell ist noch nichts über das weitere Vorgehen bekannt. Davon betroffen sind auch die alten Karstadt-Gebäude.

Für die rund 60 Mitarbeitenden der Karstadt-Filiale in der Osterstraße bedeutet das Unsicherheit. Zwar wussten die Mitarbeitenden schon seit Mitte Juni von der Prüfung des Standortes, die Insolvenz sorgt jedoch für noch mehr Ungewissheit, teilte Heike Lattekamp, ver.di-Landesfachbereichsleiterin für den Handel, den Eimsbütteler Nachrichten auf Anfrage mit.

Neuverhandlung für die Osterstraße

Bereits am 22. Juli verkündete Galeria in einer Pressemitteilung, an 33 der bundesweit 83 Standorte über Mieten und Flächenanpassungen neu zu verhandeln – darunter auch in der Osterstraße. Als Gründe für die mangelnde Wirtschaftlichkeit nannte der Konzern neben zu hohen Mieten und zu großen Flächen auch die verlustreiche Lage durch die Fernwärmebaustelle. Von der erneuten Insolvenz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede.

Neben Verhandlungen mit dem Vermieter sieht Galeria auch die Stadt Hamburg in der Pflicht: Die Erreichbarkeit des Standorts müsse verbessert werden, um das Einzugsgebiet dauerhaft zu sichern.

Gründe für die Insolvenz: Fehler von oben?

Lattekamp sieht die Fehler eher beim Management und fehlenden nachhaltigen Investitionen in die Standorte. Auch das Sortiment sei nicht angepasst genug gewesen. Es sei zu wenig auf die Expertise von Mitarbeitenden gehört worden. „Viele Fehler der Chefetagen hätten vermieden werden können, wenn die Beschäftigten stärker einbezogen worden wären. Es darf nicht sein, dass die Beschäftigten die Fehler der Chefetagen austragen müssen“, schreibt Lattekamp.

Ein Blick in die Osterstraße – Was sagen Eimsbütteler dazu? 

Noch deutet hier wenig auf die ungewisse Zukunft des Kaufhauses hin. Die Sonne scheint, Passanten schlendern die Osterstraße entlang. An der Kreuzung zum Heußweg spielt ein Straßenmusiker Gitarre und singt den Oasis-Hit „Wonderwall“.

Wie würde sich eine eventuelle Schließung von Karstadt auf die Umgebung auswirken und wie käme das im Viertel an?

Viele Passanten sagen im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten, sie fänden es schade, wenn Karstadt schließen müsste. Fast alle sind sich einig: Der Laden ist zwar nichts für den täglichen Einkauf, aber extrem praktisch, um ihn in der Nähe zu haben.

Dass eine einfache Rettung ohne Veränderungen funktioniert, bezweifelt jedoch die 41-jährige Wiebke. Sie sieht vor allem fehlende Ideen und die aktuelle Wirtschaftslage als Problem: „Es sind ja keine neuen Konzepte da. Man müsste eine Veränderung sehen, damit man daran glauben kann, dass es plötzlich läuft. Aber wo soll bei der Inflation jetzt die Kaufkraft herkommen, dass es für solche Läden besser läuft?“

Zeit für etwas Neues?

Auf dem Karstadt-Dach findet regelmäßig ein Flohmarkt statt, der für viele junge Eimsbütteler als Treffpunkt dient. „Ich denke, der würde dann ja auch schließen, das wäre schon sehr schade“, sagt die 21-jährige Lina.

Der Rooftop-Flohmarkt auf dem Parkdeck des Karstadt-Gebäudes ist ein Stück der Eimsbütteler Flohmarktkultur. Wie es mit dem Flohmarkt weitergeht, ist bislang unklar. Eine Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten an den Veranstalter blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Ein Eimsbütteler erzählt, er sehe immer die Chance für etwas Neues, wenn etwas Altes gehen müsse.

Eine andere Eimsbüttelerin schlägt eine neue Nutzung des Gebäudes vor. „Ich finde dieses Konzept von dem Jupiter ganz cool. Das ist zwar wohl wieder auf Eis gelegt, aber wenn so was hier in die Osterstraße käme, wäre das sehr schön“, sagt Tina, 49.

info

„Jupiter“ Kreativ- und Kulturzentrum

In der Mönckebergstraße gab es ein großes Karstadt-Sports-Zentrum. Nachdem das Gebäude monatelang leerstand, zogen zahlreiche kreative Projekte ein und verliehen dem Gebäude drei Jahre lang neues Leben unter dem Namen “Jupiter”. Dort wurde Raum für Concept-Stores, Ausstellungen und Kreativprojekte geschaffen.
2024 belegte das Projekt “Jupiter” mit dem polis Award in der Kategorie „Reaktivierte Zentren“ den ersten Platz. Beim Städtebaupreis 2025 folgte eine weitere Auszeichnung. 


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