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Astrid Kirchherr im Jahr 2010, porträtiert von ihrem langjährigen Freund, dem Hamburger Fotografen Kai-Uwe Franz
Astrid Kirchherr im Jahr 2010, porträtiert von ihrem langjährigen Freund, dem Hamburger Fotografen Kai-Uwe Franz. Foto: Kai-Uwe Franz
Magazin #22

Astrid Kirchherr: Die erste Fotografin der Beatles

Sie verliebte sich in den fünften Beatle und prägte den Stil der Band: Die Eimsbütteler Fotografin Astrid Kirchherr war dabei, als die Beatles vor sechzig Jahren ihre Karriere in Hamburg starteten.

Von Vanessa Leitschuh

Es ist der Sommer, in dem Elvis Presley „It’s Now or Never” singt. Eine Pille kommt auf den Markt, die eine sexuelle Revolution auslöst. Hunderttausende Menschen fliehen in diesem Jahr über die Grenze nach Westberlin. Es ist das letzte Jahr, in dem Berlin ohne Mauer ist. Zwei Streuner werden zu Weltraumhunden, als die Sowjetunion sie ins All schickt. Es ist der Sommer, in dem fünf Jungs aus Liverpool im verrauchten Halbdunkel Hamburger Clubs nach den Sternen greifen.

Und in diesem ereignisreichen Jahr ändert eine Begegnung den Lauf von Astrid Kirchherrs Leben. In diesem Sommer trifft die Eimsbüttelerin die jungen Beatles und damit ihre „große Lebensliebe”.

„Die Reeperbahn war kein Ort für junge Frauen”

Es ist 1960, und eine noch unbekannte Band aus Liverpool hat ihre ersten Auftritte außerhalb Großbritanniens: im Indra, einem kleinen Club auf der Großen Freiheit. Fast fünfzig Konzerte spielen sie von August bis Oktober. Damals, bevor die Beatles zu den Fab Four wurden, sind sie zu fünft: John Lennon, Paul McCartney und George Harrison an den Gitarren, Pete Best am Schlagzeug und der fünfte Beatle, meist mit dem Rücken zum Publikum: Bassist Stuart Sutcliffe.

Anfang Oktober muss das Indra wegen Lärmbeschwerden schließen, von da an spielen sie einige Häuser weiter im Kaiserkeller. An einem dieser Abende ist Klaus Voormann, Astrid Kirchherrs damaliger Freund, auf der Reeperbahn unterwegs. Der Rock’n’Roll der Beatles zieht ihn in den Kellerclub. Tagelang überredet er Kirchherr, dorthin mitzukommen. „Die Reeperbahn war kein Ort für junge Frauen in den 50er und 60er Jahren”, erinnert sie sich in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR’s Fresh Air 2008. Nach der ersten Nacht kommt sie fast jeden Abend zurück, um die Beatles spielen zu sehen.

Kirchherr ist damals 22 Jahre alt und hat gerade ihr Studium an der Meisterschule für Textil, Grafik und Werbung beendet. Sie wurde 1938 in Hamburg geboren und wuchs in Eimsbüttel in der Eimsbütteler Straße 45a auf. Während ihres Studiums entdeckte sie die Schwarz-Weiß-Fotografie für sich. Zu dieser Zeit arbeitet sie als Assistentin des Fotografen Reinhart Wolf, der ihr Men­tor an der Meisterschule gewesen war.

Schönheit inmitten von Lärm und Elend

Als sie die Beatles auf der Bühne des performen sieht, weiß Kirchherr, dass sie sie fotografieren will. „Sie waren so individuell. Auf ihre eigene Art stilvoll, obwohl sie kaum Geld hatten.” Es war immer Kirchherrs Traum, Menschen mit Charakter und Charisma zu fotografieren. „Und da waren sie: Alle fünf sahen absolut wundervoll aus.”

Umgekehrt macht die Ham­burgerin ebenso Eindruck auf die Liverpooler: „Ihr Witz und ihre Unterhaltungen waren wirklich anregend, und wir verliebten uns in Astrids Stil”, schrieb Paul McCartney über ein halbes Jahrhundert nach dem Kennenlernen. Kirchherr trägt damals kurzes blondes Haar, ist meist ganz in schwarz gekleidet, angelehnt an die Pariser Existenzialisten.

Die Beatles und Kirchherr schließen Freundschaft, und sie schießt die ersten professionellen Fotografien von der Band. Wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung entsteht ein berühmtes Porträt der frühen Beatles in einem leeren Fahrgeschäft auf dem Hamburger Dom. „Mein Englisch war nicht sehr gut”, sagte sie über die Aufnahme. „Also nahm ich ihre Köpfe in die Hände und drehte sie, wie ich sie haben wollte.” Ihre Bilder gewähren intime Einblicke in die Anfangsjahre der Beatles, bald werden sie weltweit ausgestellt.

Doch nicht nur Kirchherrs Foto­grafien gelangen zu Weltruhm. Es gibt die Geschichte, dass Kirchherr Schöpferin der legendären Pilzfrisur ist. So hatte die Eimsbüttelerin Stuart Sutcliffe und George Harrison die Haare zum später berühmten Moptop geschnitten, wie sie im Interview von 2008 erzählt. Ebenfalls mit Pilzkopf und Teil der Hamburger Clique war der Fotograf Jürgen Vollmer. Er soll Vorbild für Lennon und McCartney gewesen sein und ihnen in Paris das haarige Markenzeichen verpasst haben.

Baby’s in black and I’m feeling blue

Astrid Kirchherr und Stuart Sutcliffe verlieben sich ineinander. Zur Bestürzung Lennons: Sutcliffe und er waren in Liverpool Mitbewohner gewesen und Lennon war es, der Stuart von der Kunsthochschule in seine Band holte. In Hamburg fand Sutcliffe nicht nur seine Liebe zu Astrid Kirchherr, sondern auch die zur Malerei wieder. „Stuarts größte Leidenschaft im Leben waren die visuellen Künste”, erinnerte sie sich. Er beginnt ein Kunststudium in Hamburg, zieht zu Kirchherr nach Eimsbüttel. Im November 1960 verloben sich die beiden. Die Beatles reisen ab, werden ohne ihn berühmt.

Er war die Liebe ihres Lebens, wie sie später sagen würde. Doch schon 1962 zeigt sich, wie flüchtig das Glück sein kann: Sutcliffe leidet an Kopfschmerzen, bricht zweimal zusammen. Am 10. April 1962 muss er ins Krankenhaus gebracht werden. Noch auf dem Weg dorthin stirbt er an einer Hirnblutung, im Alter von 21 Jahren. Bis zuletzt ist Astrid Kirchherr bei ihm.

Wenige Jahre später gibt sie das Fotografieren auf. Ihre Bilder hatte sie Agenturen angeboten, „aber die Leute haben über meine schönsten Porträts weggeblättert. Nur die Beatles haben sie interessiert”, sagte sie 2010 dem Tagesspiegel. Das verunsicherte sie. „Es war sehr schwer für eine Fotografin in den 60er Jahren, akzeptiert zu werden.” Doch Kirchherr blieb der Fotografie immer nah: Sie war viele Jahre Assistentin des Fotografen Reinhart Wolf, arbeitete als Stylistin bei Fotografen, war in der Mode oder als Innenarchitektin tätig.

1968, Jahre nachdem Kirchhherr die Fotografie aufgegeben hatte, überredete George Harrison sie, ihn für seine LP „Wonderwall Music” zu fotografieren. Er hatte Kirchherr zuvor sogar angeboten, ein Studio für sie in London einzurichten. Sie lehnte ab, blieb bis zu ihrem Tod Hamburgerin. Letzten Mai verstarb Astrid Kirchherr nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien bleiben – ebenso wie ihr Einfluss auf eine der größten Bands der Musikgeschichte. „Astrid war diejenige, die unser Image mehr als jeder andere beeinflusste”, sagte George Harrison einmal über sie. „Sie ließ uns gut aussehen.”

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