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Marcus Blunert, Leiter des Polizeikommissariats in der Toplowitzstraße und Tim Stolze, der einen Einbrecher jagte und fixierte. Foto: Vanessa Welke
Marcus Blunert, Leiter des Polizeikommissariats in der Troplowitzstraße, und Tim Stolze, der einen Einbrecher jagte und fixierte. Foto: Vanessa Welke
Polizei

21-Jähriger schnappt Einbrecher nach Verfolgungsjagd

Ein 21-Jähriger verfolgt einen Einbrecher. Der schafft es über zwei Zäune, doch dann hat ihn der Auszubildende am Boden. Die Polizei übernimmt.

Von Christian Litz

Tim Stolze hat seinem Vater, der Corona-infiziert ist, die Tüten mit den eingekauften Lebensmitteln vor die Tür gestellt und fährt mit dem Rad zurück nach Hause. Es ist 19:45 Uhr und dunkel. Der 21-Jährige schließt sein Fahrrad in dem Unterstand vor seiner Erdgeschosswohnung in der Kegelhofstraße ab. Er hört ein Knacken. Schaut sich um und sieht: Da bewegt sich wer auf der Terrasse der Erdgeschosswohnung neben seiner. Von der Straße aus nicht sichtbar. Aber vom Fahrradstellplatz.

Sechs Tage zuvor …

Tim Stolze weiß, sein Nachbar, ein Kumpel, ist nicht da und er erinnert sich natürlich an das, was sechs Tage zuvor passiert ist.

Mittwoch, 5. Januar, 21:15 Uhr. Da kam er vom Training nach Hause. Tim Stolze coacht eine Jugendfußballmannschaft des SC Victoria Hamburg. Er schließt das Rad ab und geht in seine Wohnung. „Die Bude war verwüstet.“ Aufgebrochen. Computer weg, „alle wichtigen Daten auf dem Mac“, die teure Uhr, Geld, er wundert sich: sein Föhn, „sogar Klamotten“.

Die Polizei kommt. Befragung. Spurensicherung. Wenig Hoffnung. Großer Ärger: „Ich hab jetzt ne Hausratversicherung. Da hatte ich sie leider noch nicht.“ Ein zynisches Lächeln. Tausend Euro Schaden, sagt der Auszubildende Groß- und Einzelhandelskaufmann. Keine Chance, das Geld wiederzubekommen. Und Tage, an den ihn jedes Knacken in der hellhörigen Wohnung aufschrecken lässt.

Jetzt also, sechs Tage später, ist da wer auf der Terrasse seines Nachbarn und dahin kommt man nur, wenn man über den Zaun klettert, über seine Terrasse geht und um die Trennwand rumturnt.

„Er hat mich wahrscheinlich gehört“

„Ich bin ruhig in meine Wohnung, habe kein Licht angemacht, aber die Wände sind dünn, ich sah, wie ein Mann über meine Terrasse wegging, sich dabei in alle Richtungen umschaute. Er hat mich wahrscheinlich gehört.“

Tim Stolze hinterher. „Terrassentür auf, geschrien.“ Er sei einfach sensibilisiert gewesen wegen des Einbruchs sechs Tage zuvor. Der Mann ist jetzt im Garten und sie rangeln plötzlich. Tim Stolze weiß nicht mehr genau, wie es dazu kam.

Einbrecher schafft es über den Zaun

Der Mann stößt ihn zurück und rennt weg. Aber als er über den Gartenzaun will, packt Tim Stolze ihn und zieht ihn runter. Wieder Gerangel. Tim Stolze schreit: „Hilfe, Einbrecher.“ Er fällt. Der Mann schafft es über den Zaun und ist weg.

Die Geschichte, die jetzt folgt, ist lang, hektisch, voller Wendungen, es gibt Nebendarsteller, Action, Spannung, Dunkelheit, eine Bastelschere und diesen Mann, der sich einfach nicht ergeben will und schreit: „Aber ich hab zwei Kinder.“

Aber ganz am Ende, nach sechs, sieben, acht hektischen Minuten drückt Tim Stolze den Einbrecher einige hundert Meter entfernt in einem fremden Garten auf den Boden, zwei andere Männer kommen dazu und helfen, und irgendwann ist die Polizei da.

„Ich will niemanden verletzen“: Jagd mit Bastelschere

Der Reihe nach wie es dazu kam: Der Einbrecher ist über den Zaun. Tim Stolze rennt in seine Wohnung, schließt die Terrassentür, nimmt eine Bastelschere, die auf seinem Schreibtisch liegt, und rennt vorne raus. Passanten auf der Straße, von seinen Schreien angelockt.

Eine Frau deutet auf die Ecke in die Münsterstraße und Tim Stolze rennt hin, die Straße runter, 50 Meter, 60 Meter etwa. Er sieht niemanden rennen, hält an, schaut sich um. Nichts. Er geht zurück.

Er sagt zu einem Passanten, weil der Akku seines Handys leer ist: „Bitte rufen Sie die Polizei an!“

Eine Dame sagt zu ihm: „Da auf der linken Seite im Hinterhof ist was los.“ Tim Stolze rennt hin. Ein Mann sagt ihm, „da ist wer bei den Garagen“.

Einbrecher schafft es wieder über einen Zaun

Es ist dunkel, er schaut sich um, nochmal und da sieht er: Ein Mann klettert über den Zaun in die Münsterstraße. Tim Stolze rennt zurück und kommt auf die Straße.

Der Flüchtende schiebt eine Frau zur Seite. Tim Stolze hat ihn gleich erreicht. Plötzlich stehen sich die beiden gegenüber. Tim Stolze hebt die Bastelschere hoch und sagt: „Ergib Dich! Ich will nicht, dass wer verletzt wird.“

Der Mann ruft ziemlich laut: „Nein, ich habe zwei Kinder!“ Und kommt schnell auf ihn zu.

Tim Stolze steckt die Bastelschere in die Jackentasche. Die beiden rangeln wieder. „Er hat mir ein Bein gestellt, und ich bin hingefallen.“ Der Mann geht weg, bleibt stehen, kommt wieder auf Tim Stolze zu, dreht sich wieder um und rennt weg.

Tim Stolze ruft: „Das ist ein Einbrecher, halten Sie ihn auf.“ Gemeinsam mit Passanten rennt er hinter dem Mann her. „Der Täter war sehr langsam.“ Er hat jetzt vier, fünf Leute hinter sich.

Tim Stolze holt ihn als erster ein, stellt ihm ein Bein. Der Mann stolpert. Es geht alles sehr schnell, mehrere Männer, Rufen, Schreien, keine Übersicht und der Flüchtende ist verschwunden.

Der nächste Zaun: es ist der letzte

Er schafft es auf ein Grundstück an der Süderfeldstraße. Vermutet Tim Stolze jedenfalls und geht in den Garten, schaut sich um, sieht anfangs nichts. Dann, ein Dé­jà-vu: Ein Mann versucht über einen Zaun zu klettern und ist nicht sportlich genug, das auf einmal zu schaffen. Genauso wie im Garten, wo alles anfing und wie zwei Minuten vorher bei den Garagen.

Tim Stolze rennt hin, packt den Mann von hinten, zieht ihn vom Zaun weg, drückt ihn auf den Boden. Zwei andere Männer kommen hinzu. Sie halten den Einbrecher am Boden. „Wir haben ihn fixiert“, sagt Tim Stolze, über sich selbst staunend in der Wache des Polizeikommissariats in der Troplowitzstraße. Er hatte im Hinterkopf gehabt, wie er sich nach dem Einbruch bei sich gefühlt habe. Er kenne seinen Nachbarn gut. Er … Pause. Er habe „nicht groß darüber nachgedacht“. Es war wohl wie ein Drehbuch.

Der Leiter des Kommissariats schüttelt Tim Stolze die Hand

Der Leiter des Kommissariats, Polizeidirektor Marcus Blunert, schüttelt Tim Stolze die Hand. Wegen Corona keine Rede, keine Festlichkeiten. Aber ein Händedruck mit Botschaft. Marcus Blunert gibt Tim Stolze ein kleines Präsent, zwei Kino-Gutscheine und eine Powerbank mit Polizeilogo. Sagt: „Normalerweise gäbe es Kaffee und Kuchen.“ Die beiden schütteln sich nochmal die Hand.

Bisher hat die Polizei dem Mann, der über einen Zaun zuviel klettern wollte, einen zweiten aktuellen Einbruch nachgewiesen. Den in Tim Stolzes Wohnung aber noch nicht.

Der Mann sei 64 Jahre alt und wegen Einbruchs vorbestraft.

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