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Kurt Groenewold verhandelte fünf Jahre lang um die Quartiersgarage. Foto: Annika Demgen
Kurt Groenewold verhandelte fünf Jahre lang um die Quartiersgarage. Foto: Annika Demgen
Nach fünf Jahren

Ende und Neuanfang der Quartiersgarage

Fünf Jahre lang hat der Investor Kurt Groenewold mit dem Bezirksamt über eine Quartiersgarage in der Nähe der Osterstraße verhandelt. Ende April erklärte die Behörde die Verhandlungen für gescheitert. Woran hat es gelegen? Und wo soll stattdessen neuer Parkraum entstehen? Wir haben nachgefragt.

Von Annika Demgen

Kurt Groenewolds Familie besitzt seit den 1940er-Jahren mehrere Immobilien um die Osterstraße. Neben dem Karl-Schneider-Haus und den Karl-Schneider-Passagen gehören dazu das Iduna-Haus und das Gebäude, in dem Edeka Niemerszein an der Osterstraße 86-90 liegt. Hinter dem Geschäft befinden sich der Henry-Vahl-Park und eine Zubringerstraße, deren Einfahrt ebenfalls im Besitz der Familie ist. Vor mehr als fünf Jahren kam der Investor auf die Idee, dort direkt unter dem grünen Strich eine Quartiersgarage zu errichten. Die Pläne sahen 165 Stellplätze vor, einen Zugang hinter dem Iduna-Haus vom Heußweg aus und einen von der Emilienstraße.

Neues im Henry-Vahl-Park

Ein Entwurf der Quartiersgarage unter dem Henry-Vahl-Park. Foto: Immobiliengesellschaft am Fanny-Mendelssohn-Platz Kurt und Günther Groenewold
Ein Entwurf der Quartiersgarage unter dem Henry-Vahl-Park. Foto: Immobiliengesellschaft am Fanny-Mendelssohn-Platz Kurt und Günther Groenewold

Dagegen hatte das Bezirksamt grundsätzlich nichts einzuwenden, stellte jedoch die Bedingung, dass Groenewold zwei Grundstücke hinzukaufe, die Häuser darauf abreiße und nachträglich begrüne, um den Park zu erweitern. „Das hätten wir auch getan, aber so was muss sich natürlich auch lohnen,“ kommentiert Groenewold. Rund 20.000 Euro monatlich nimmt der ehemalige Rechtsanwalt, der in den 1970er-Jahren als Verteidiger der Roten Armee Fraktion (RAF) bekannt wurde, mit der Garage in den Karl-Schneider-Passagen ein.

Den Profit aus der Quartiersgarage wollte er nutzen, um ein Café und einen Fanny-Mendelssohn-Pavillon im Henry-Vahl-Park zu errichten. „Ich wollte die Sonntagskonzerte wieder aufleben lassen,“ sagt Groenewold. Im 19. Jahrhundert führte die Komponistin, Pianistin und Dirigentin vornehmlich im Hause ihrer Familie ihre Eigenkreationen auf und veröffentlichte einige Werke unter dem Namen ihres berühmten Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie selbst durfte keine Karriere als Musikerin einschlagen. „Wir hätten aus dem Park gerne einen kulturellen Anziehungspunkt für Eimsbüttel gemacht,“ so Groenewold. Es habe jedoch der politische Wille gefehlt, seinen Plan umzusetzen. „Die denken da nicht gerade großstädtisch,“ kritisiert der Investor das Bezirksamt.

Warum die Garage scheiterte

Horst Stadelmann, stellvertretender Fachamtsleiter des Internen Service im Bezirksamt Eimsbüttel, erklärt bezüglich des Vorschlags mit dem Pavillon, es habe grundsätzliche Bedenken gegenüber einer „Privatisierung des öffentlichen Raumes“ gegeben. Allerdings wäre die endgültige Entscheidung über den Pavillon erst am Ende des Planungsprozesses fällig gewesen. Gescheitert ist das Vorhaben also an anderen Dingen. Zum einen hätten die Eigentümer der Grundstücke, die Groenewold kaufen sollte, nicht verkauft und zum anderen hätte Edeka auf seine Zubringerstraße auf der Rückseite verzichten  sollen. Auch der Investor bestätigt, dass die Grundstücksbesitzer nicht zu einem Preis verkaufen wollten, den er bereit war zu zahlen. Darüber hinaus lehnt Groenewold eine Verlegung von Edekas Anlieferverkehr auf die Osterstraße ab. Die Belieferung über den Hinterhof sei „aktuell eleganter.“

Dem Bezirksamt zufolge stehen außerdem 19 große Bäume zwischen dem Investor und seiner Quartiersgarage, für die es keinen Ersatz geben würde. Davon habe Groenewold in den gesamten fünf Jahren, in denen die Pläne debattiert wurden, allerdings noch nie etwas gehört. Seiner Meinung nach war das Desinteresse der Behörde an neuen Parkplätzen entscheidend. „Es gibt Stimmen, die sagen, dass man keine Parkplätze mehr braucht und dass die Garagen leer seien,“ betont der Investor, ohne sich auf konkrete Namen festlegen zu wollen.

Die neuen Pläne

Im Zuge des Osterstraßenumbaus fällt fast die Hälfte der bisherigen 220 Parkplätze weg. Spätestens Ende 2016, wenn der erste Teil des Baus abgeschlossen ist, wird der Bedarf an Garagenstellplätzen also weiter steigen. Kurt Groenewold zufolge gibt es schon jetzt keine freien Kapazitäten mehr. Die Wartelisten für seine Garagen in den Karl-Schneider-Passagen und auch im Iduna-Haus seien lang.

Reinmüller-Platz 2. Foto: HEBC
Reinmüller-Platz 2. Foto: HEBC

Am Ende ist die Idee Quartiersgarage auch nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Groenewold und dem Bezirksamt nicht. Ein alternativer Standort scheint unter dem Sportplatz Reinmüller 2 des HEBC gefunden. Die Pläne müssen aber noch mit der Grundschule und Kindertagesstätte Tornquiststraße besprochen werden.

Michael Bastheim, erster Vorsitzender des HEBC, räumt ein, dass der Bau der Tiefgarage mit Einschränkungen des Sportbetriebs verbunden wäre. „Diese Beeinträchtigungen nehmen wir aber in Kauf,“ so Bastheim. Auf der Garage könnte der vom Verein lang ersehnte zweite Kunstrasenplatz entstehen. Bislang ist der Reinmüller 2 ein „Grandplatz“ und hat sich als nicht wetterfest erwiesen. Schon bei normalem Regen steht der Platz unter Wasser. Vorübergehende Einschränkungen im Trainingsablauf wären mit der Aussicht auf einen neuen Kunstrasenplatz also Bastheim zufolge tolerabel.

Ob sich Groenewold an dem Bau einer Quartiersgarage unter dem Sportplatz beteiligt, steht noch nicht fest. Die Stadt wird zunächst prüfen, ob der Bau in der Tornquiststraße zulässig ist und dann das Projekt öffentlich ausschreiben. Groenewold will sich erst wenn er die genauen Bedingungen kennt überlegen, ob er erneut zu diesem Thema mit dem Bezirksamt in Dialog tritt.

Über die Machbarkeit des neuen Plans will das Bezirksamt im Sommer entscheiden. Groenewold schmunzelt: „Das kann dauern.“ Er will jetzt gemeinsam mit weiteren Eigentümern in der Nachbarschaft auf eigene Faust ein kleineres Garagenprojekt umsetzen.

Text: Vivien Valentiner und Annika Demgen

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